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Datum: Samstag 22.12.2018 | Ort: Holbox

Der Tag nach der Sturmflut auf Holbox

Wir frühstücken heute die Reste von gestern. Den Toast braten wir in Ermangelung eines Toasters am Gasherd in einer Pfanne und das funktioniert auch erstaunlich gut.

Danach gehen wir in Holbox spazieren. Vor allem den Strand wollen wir etwas genauer erkunden. Das Wetter ist heute deutlich besser. Es hat zwar nach wie vor nur 24° C aber die Sonne scheint schön und der Wind hat deutlich nachgelassen. Am Strand sehen wir nun auch, was die Sturmflut der Nacht angerichtet hat. Viele Grundstücke in Strandnähe stehen teilweise unter Wasser, Algen sind über die komplette Strandhöhe verteilt und Mitten am Strand, ungefähr dreißig Meter von der derzeitigen Wasserkante entfernt liegt der Kadaver einer gut einen Meter langen silberne Muräne mit weit aufgerissenem Maul. Weiter stand abwärts verspeist gerade eine große Möwe einen toten Fisch am Strand, der zu Lebzeiten wohl mal größer war, als der ganze Vogel.

Der Strand ist heute auch wieder voller Touristen. Wir kommen an einem Spot vorbei, der auf Instagram sehr beliebt ist. Drei Hängematten stehen da im Wasser und über ihnen prangt der Schriftzug Holbox. Zunächst steht eine ganze Schlange Leute an, die dort alle ein Foto machen möchten. Dann beschließen zwei Mädels in den Hängematten ein Nickerchen machen zu wollen – bzw dort mit dem Handy zu chillen und ruinieren den Spot so für alle anderen. Ich fühle mich erinnert an die Dame, die in Kuba unser Strandvideo ruinierte. Übelnehmen kann man es ihnen nicht, aber irgendwie ist es schon eine Mischung aus Egozentrismus, Naivität und Gedankenlosigkeit. Aber Ich habe gerade nicht einmal Badesachen dabei, daher hätte ich eh kein Foto machen wollen. Ich ärgere mich eher stellvertretend für die anderen. Andererseits gibt es ja auch ein Leben außerhalb von Instagram und die Erlebnisse sind wichtiger als Fotos.

Wir laufen Weiter an einigen Hotelanlagen vorbei. Auf dem Rückweg kommen wir an ein Tierheim. Ich finde es total super, dass Holbox ein Tierheim hat. Andererseits frage ich mich, wo auf dieser kleinen Insel die Tiere dafür herkommen.

Wir essen Mittag in einem kleinen Restaurant in einer Seitenstraße. Es gibt Gemüse, Reis und für die anderen Fleisch zum Einwickeln in Tacos. Dabei schauen wir einem Angestellten dabei zu, wie er eine Stunde lang versucht das WC Schild anders aufzuhängen. Mit dem Endergebnis ist er nicht ganz zufrieden und wir auch nicht.

Gut gesättigt laufen wir zum Treffpunkt für unsere Tour. Entsprechend der guten alten deutschen Pünktlichkeit sind wir zu früh und müssen warten. Wir setzen uns also in den Park hinter dem Stand und freunden uns spontan mit einem der herumlaufenden Hunde an. Zunächst ist er ziemlich schüchtern, doch nach wenigen Minuten steht er mit einem breiten Grinsen da, während ich ihm den Po kraule.

Three Islands Tour Holbox

Es kommt ein Taxi und wir werden zweihundert Meter weiter an den Hafen gekarrt. Dort müssen wir wieder warten. Es dauert ungefähr eine viertel Stunde, dann kann unser Boot auslaufen.

Wir sind zwölf Touristen. Die anderen sind Osteuropäer und Amerikaner. Unser Captain hat seine ungefähr zehnjährigen Sohn dabei, der beinahe die komplette Zeit das Steuer übernimmt.

Wir fahren mit dem Motorboot zur ersten Station. Ob der Steg, an dem wir anlanden nun an einer Insel oder einer abgelegenen Stelle des Festlands ist, können wir nicht sicher sagen. Wir vertrauen einfach mal darauf, dass die 3 Islands Tour auch wirklich 3 Islands anfährt. (Ich hab’s später gegoogelt – Es ist keine Insel !!!111elf)

Die Cenote Hoyo negro Yalahau

Der Steg führt auf einem Holzweg ein Stück in die Mangroven und endet dann ein einer sandigen Lichtung. Dort steht eine steinerne Feldküche mit Tischen und Stühlen davor und auch der Eintritt wird hier kassiert.

Danach geht es weiter über einen weiteren Steg an einen Teich zwischen den Bäumen. Das Wasser darin ist zwar klar, aber nicht so durchsichtig wie in den Cenoten, die wir bisher gesehen haben. Dies mag zum einen an den zahlreichen Touristen liegen, die darin herumschwimmen, zum anderen an der Tatsache, dass das Wasser der Cenote von unten empordrückt und dabei sicherlich allerlei Partikel vom Grund mit aufwirbelt. Die Cenote erinnert etwas an die Cenoten von Progresso, ist allerdings deutlich tiefer.

Die Cenote ist von einem Holzsteg umgeben. Es gäbe auch einen Aussichtsturm, aber der ist, vermutlich wegen Baufälligkeit, heute geschlossen.

Wir gehen baden. Lange halte ich es heute allerdings nicht aus. Das Wasser ist zwar wärmer als die Umgebungsluft, aber mich fröstelt es trotzdem schnell.

Nach dem Baden gehen wir zurück an den Bootssteg und legen uns dort zum Aufwärmen in die Sonne.

Flamingos auf der Isla de la Pasion

Kurz darauf geht es mit dem Boot weite zu einer Insel, die von Sandbänken umgeben ist. In einiger Entfernung sehen wir eine kleine Gruppe von Flamingos im Wasser stehen und dösen. Als wir mit dem Boot näher kommen heben sie die Köpfe und laufen ein Stück weg. Für unseren Fahrer ist das das Zeichen abzudrehen.

Wir werden bei der Insel an Land gelassen ohne weiter Instruktionen. Direkt vor der Insel ist eine Sandbank. Das Wasser ist hier ruhig und klar und nicht tiefer als 30 Zentimeter. Wir laufen herum, beobachten die Vögel auf der Nachbarsandbank und machen ein paar Fotos.

Dann werde ich darauf aufmerksam, dass die anderen Touristen aus unserer Gruppe immer weiter hinauslaufen. Unsere Sandbank geht noch mehreren hundert Metern beinahe nahtlos in die Nachbarsandbank über. Dort sitzen und stehen zahlreiche Vögel, unter anderem auch eine Gruppe Flamingos. Die Touristen laufen direkt auf sie zu. Sie halten auch nicht, als die Vögel anfangen sich nervös zu bewegen. Sie gehen auch weiter als die ersten Boote ihnen Zeichen geben. Sogar die Trillerpfeife eines Bootsführers wird ignoriert. Ein besonders dreistes Pärchen nähert sich den Flamingos so weit, dass sie auffliegen und davonfliegen. Erst dann reagieren sie auf einen Bootsführer der ihnen pfeifend und fuchtelnd zu verstehen gibt umzudrehen. Die Touristen zucken mit den Schultern und gehen lachen und schwatzend zurück. Die Sandbank, die zuvor voller Vögel war ist nun bis auf ein paar Möwen leer. Die anderen Touristenboote die vorbeifahren, werden heute erst einmal keine Flamingos mehr sehen.

Ich bin ziemlich angepisst. Auch die Bootsführer sehen alles andere als begeistert aus. Konsequenzen hat es für die rücksichtslosen Touristen allerdings keine. Wenn ihr glaubt auf fünf Meter an wilde Tiere heran zu müssen, dann geht bitte in den Zoo.

Mit krumpeliger Stirn laufen wir zurück auf die Insel. Im Wasser sind einige Pfeilschwanzkrebse. Zwei sind mit ziemlicher Sicherheit tot, weil sie seltsam herumtreiben. Aber zwei größere Exemplare machen durchaus den Eindruck, dass sie noch leben könnten.

Außerdem sehen wir zwei kleine Kugelfische im flachen Wasser. Wenn sie sich nicht aufblasen sind sie nicht rund. Aber ihre Tupfen und der Kopf mit dem Schnabel sprechen für sich – soweit meine bescheidenen Fischkenntnisse reichen. Ich habe mal eine Dokumentation gesehen, dass diese Kerlchen ziemlich beißen können. Daher machen wir einen Bogen um sie. Max sieht im Wasser einen großen Palettendoktor und ist total begeistert. Leider ist der Fisch weg, bevor ich zu ihm komme.

Auf der Insel gibt es einen Ausichtsturm. Von dort aus sehen wir eine großen Iguana im Wald sitzen und zwei Iguanas am Dach der Aussichtsplattform, die sich gemütlich sonnen.

Von der Aussichtsplattform aus, sehe ich die nächste Gruppe von Touristen auf der Sandbank gegenüber, auf der gerade erst die ersten Vögel zurückgekehrt waren.

Als wir mit dem Boot weiter fahren bin ich in erster Linie genervt von meinen Mitpassagieren auf dem Boot.

Die Vogelinsel – Isla de los Pajeros

Wir mutmaßen bereits, dass es zurück nach Holbox geht, da drehen wir eine Kurve und sehen kurz darauf eine weitere Aussichtsplattform am Rande einer Insel. Wir gehen von Bord. Man kann die Plattform nicht verlassen. Das finde ich sehr gut. Auf der Insel scharen sich zahlreiche Vögel verschiedener Sorten. Als erstes fallen die riesigen Fregattvögel ins Auge, die über der Insel kreisen und auf den Bäumen sitzen. Außerdem gibt es zwei Sorten von Pelikanen. Die grauen mexikanischen und die größeren weißen aus Kanada und den USA, die hier überwintern. Zudem gibt es Möwen.

Die Bäume sind voller Vögel. Ein halbwüchsiges Pelikan-Küken läuft wie ein kleiner T-Rex durchs Unterholz und quäkt andere Vögel an. Auf einer Sandbank sonnen sich ganze Schwäre. Auch Kormorane sehen wir und einen großen braunen Raubvogel. Wir sind nah genug um sie gut beobachten zu können aber zu weit weg um sie zu stören. Es ist toll.

Dann fahren wir zurück nach Holbox. Die Kamera hat zahlreiche Fotos auf der Speicherkarte, mein Gehirn darf Eindrücke verarbeiten. Ich bin zufrieden. Beim Aussteigen hilft uns unser zehnjähriger Bootsführer wie ein Profi. Sein Vater vertaut derzeit das Boot und sieht stolz zu ihm herüber.

Den Abend ausklingen lassen mit Tacos

Wir gehen zurück in die Unterkunft und ziehen dann direkt zum Abendessen weiter. Wir gehen in den Laden in dem die Getränke am Vortag so lange gedauert hatten, denn die Tacos dort sahen echt gut aus. Diesmal kommen die Getränke deutlich schneller. Max futtert ganze zwei Portionen der Tacos.

Im Anschluss an das Essen gehe ich noch in einen Laden und versuche reine Aloe zu bekommen, denn wir haben heute alle einen Sonnenbrand erwischt. Doch es gibt überall nur Lotionen, die nur ein bisschen Aloe enthalten und stattdessen sehr viel Alkohol.

Wir lassen den Abend mit den Fotos des Tages ausklingen. Leider sind viele auf dem großen Monitor unscharf, weil unser Autofokus anscheinend ein Problem hat.

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