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Datum: Sonntag 06.01.2019 | Ort: Bacalar

Wir sind sprachlos

Wir gehen morgens an den See um ein Video aufzunehmen. Es ist der zweite Versuch, denn beim ersten Versuch hatte das Video keine Audiospur. Nach knapp einer halben Stunde stellen wir fest, dass auch heute die Audiospur nur fehlerhaft gespeichert wird. Vielleicht ist es jedoch auch besser so, denn eine Guppe Vögel saß während der gesamten Aufnahme neben uns und hat sich die Seele aus dem Leib geschrien. Vermutlich hätte man eh nichts verstanden. Max ist trotzdem genervt.

Gegen Mittag laufen wir los Richtung Cenote Azul, wo Laura und Tim, zwei Deutsche, die wir in unserer Spanisch-Schule in Merida kennengelernt haben für ein paar Tage untergekommen sind. Ihr Airbnb hat ein paar Kanus, die es an Gäste vermietet und nach ausgiebigem Betteln, haben sie es geschafft, dass auch wir uns eines leihen dürfen.

Unfreiwillige Videostars

Nachdem wir beinahe eine Stunde gelaufen sind, ohne, das es einen anständigen Platz zum hinsetzen gab, um nochmals zu versuchen unser Video zu drehen – Max hat sich das für heute fest vorgenommen, setzen wir uns schließlich auf das Betonfundament eines Wasserturms am Straßenrand. Man sieht von hier aus keinen See, aber auf dem Video wirkt es schon irgendwie ganz nett.

Über uns kreisen Geier. Vor uns führt eine Straße vorbei. Viele Autos fahren neugierig extra langsam an uns vorbei und gaffen uns an. Falls Ihr mal Aufmerksamkeit erregen wollt, stellt euch mit Kamera an irgendeine Straße und versucht halbwegs professionell hineinzusprechen. Es ist unglaublich wie viel Aufsehen das erregt. Da wir jedes Auto auf der Tonspur haben, müssen wir jedes Mal warten bis der Gaffer wieder weiter gefahren ist, ehe wir weiter sprechen können.
Entsprechend kommen wir dann etwas später bei Laura und Tim an als verabredet, aber Max ist glücklich endlich das Video auf den dritten Anlauf im Kasten zu haben.

Kajakfahren als Anfänger

Die Unterkunft der beiden Deutschen ist nett. Sie liegt direkt am See. Sie ist allerdings etwas zu weit von Bacalar selbst weg, um angenehm in die Stadt laufen zu können. Darum müssen sie recht viel Taxi fahren. Aber wenn man einfach nur entspannen will, ist die Unterkunft super.

Wir ziehen uns um und gehen zu den Kajaks, die bereits auf der Wiese für uns hergerichtet stehen. Allein das Kajak zu Wasser zu bringen stellt sich schon als Herausforderung heraus. Wir haben Doppekajaks. Ich sitze vorne, Max sitzt hinten. Auch das Rudern ist nicht so einfach wie gedacht, da wir regelmäßig mit den Rudern zusammenstoßen.

Wir rudern mehr schlecht als recht zum anderen Ufer hinüber. Es ist irgendwie witzig aber auch echt anstrengend. Zum Glück ist es nicht so weit entfernt wie wir dachten und wir sind nach einer knappen Viertelstunde dort.

Treibsand

Unweit steht eine freistehende Mangrove. Das Wasser ist hier sehr flach. Wir vertauen unsere Boote am Baum und springen über Bord. Das Wasser ist schön warm und wir gehen darin ein bisschen spazieren. Max und Tim gehen neugierig ein wenig weiter zum Ufer und ein paar Schritte aufs Land. Als sie den ersten Fuß dorthin setzen wird uns klar, warum dieses Ufer nicht bebaut ist. Dort ist nämlich Treibsand. Max macht ein kurzes Video davon und wir behalten ihn dabei kritisch im Auge, um ihn im Zweifelsfall herausziehen zu können. Es fehlt nicht viel, dass er davon Gebrauch machen muss. Entsprechend kann ich Euch nur Raten das Ufer zu meiden. Ich weiß auch gar nicht, ob man es überhaupt betreten darf, ehrlich gesagt. Es standen allerdings weit und breit keine Schilder herum, so wie unweit an den Inseln. Allerdings gibt es hier bestimmt Schlangen.

Kampf gegen Wellen

In der Ferne ziehen langsam Wolken auf und wir rudern zurück. Doch der Wind nimmt immer mehr zu und so wird es schnell anstrengend gegen die Wellen zu Rudern. Das Ufer erreichen wir dann auch nur noch mit Müh und Not. Das sind so Momente bei denen ich verstehe, warum auch Leute die schwimmen können eine Schwimmweste tragen sollten.

Erschöpft ziehen wir die Kajaks an Land und lassen uns auf den Steg plumpsen. Jetzt gibt es erst einmal die Kekse, die wir am Herweg gekauft hatten. Laura und Tim machen sich ein Bier auf und wir unterhalten uns ein wenig über unseren weiteren Reiserouten.

Zurück ins Hotel

Laura hat uns ein wenig mit ihrer Idee vom Tauchschein in Utila angefixt. Er ist dort einfach günstig und das Riff soll der Wahnsinn sein. Ich stehe dem Tauchen ja noch immer etwas skeptisch gegenüber – ich mag kein tiefes Wasser. Aber Max ist Feuer und Flamme und hat mich überredet es wenigstens zu probieren.

Inzwischen meldet sich bei uns langsam der Hunger. Max möchte vor dem Essen noch kurz ins Hotel zurück fahren. Wir beschließen jedoch, dass sich zwei getrennte Taxis in die Stadt nicht lohnen und zum Laufen ist es uns dann doch zu weit. Also laufen wir gemeinsam zur Autobahn, wo zufällig auch bereits ein Taxi am Standstreifen steht, das wohl auf Besucher der nahegelegenen Cenote hofft.

Fleischesser beim Veganer

Wir fahren zu unserem Hotel. Das fensterlose Zimmer entlockt Laura und Tim ein leicht entsetztes “Oh”. Max hüpft unter die Dusche, dann gehen wir los zum Essen. Max mein eingefleischter Carnivore hat Tim, den eingefleischten Carnivoren, überredet unbedingt den veganen Burger zu probieren. So sitze ich eine viertel Stunde später als Vegetarierin mit drei Fleischessern in einem veganen Restaurant und kann noch nicht einmal etwas dafür. Faszinierende Welt. Es sind übrigens alle drei sehr zufrieden mit ihrem Essen.

Viecherei in Bacalar

Es dämmert gerade. Die Vögel sammeln sich auf dem Marktplatz. Wir setzen uns ein wenig auf eine Parkbank und hören dem Gezwitscher zu. Nach einiger zeit gesellt sich, mal wieder, ein Hund zu uns. Er lässt sich ein wenig knuddeln, macht uns aber auch deutliche Avancen, dass er spielen will. Er scheint noch recht jung zu sein, vielleicht ein dreiviertel Jahr alt.

Eine Mutter mit einer ungefähr Vierjährigen und einem circa Achtjährigen läuft vorbei und der Junge ist sofort ganz angetan von dem Hund und geht unter dem wachsamen Blick seiner Mutter zu ihm und streichelt ihn ein wenig. Sie gehen weiter. Fünf Minuten später kommt der Junge alleine wieder und lockt den Hund. Die beiden albern und raufen spielerisch und haben einen heiden Spaß dabei. Leider haben beide anscheinend keinerlei Erfahrung im Umgang miteinander und stacheln sich gegenseitig immer weiter auf.

Das geht so lange gut, bis der Hund irgendwann anfängt an dem Kind hochzuspringen und es zu zwicken. Der Junge bekommt es mit der Angst zu tun und er schreit nach seiner Mutter und versucht ein Straßenschild nach oben zu klettern. Nachdem seine Mutter nicht auftaucht, fasse ich mir ein Herz und gehe dazwischen. Ein scharfes Wort und der Hund gibt sofort Ruhe und begleitet mich zur Bank. Der Junge wird derzeit von seiner Mutter eingesammelt die ruhig mit dem Kind spricht und mir dankend zuzwinkert. Der Hund legt sich derweil aufs Gras hinter unserer Bank und gibt Ruhe. So einfach kann das gehen.

Kein Alkohol am Abend in Mexiko

Wir stehen auf und gehen weiter. Max will eine Lotion gegen Sonnenbrand, Tim hätte gerne noch ein Bier für Morgen. Die Lotion haben wir schnell aufgetrieben, doch obwohl wir einige Zeit durch die Gegend laufen, treiben wir nirgends mehr Bier auf – nicht einmal in der Tankstelle. Anscheinend kann man abends Alkohol nur noch in Lokalen kaufen. Ein bisschen enttäuscht fahren die beiden schließlich mit dem Taxi zurück zu ihrer Unterkunft. Wir verabschieden uns ungewiss wann man sich mal wieder sieht, aber mit der Ahnung, dass es gar nicht so weit hin sein wird.

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