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Datum: Dienstag 25.12 .2018 | Ort: Tulum

Ein anstrengender Weihnachtsmorgen

Es ist der Weihnachtsmorgen. Anstatt aber besinnlich Drei Haselnüsse für Aschenbrödel zu gucken, telefonieren wir – mal wieder – mit Booking und Barclaycard. Noch immer haben wir kein Hotel für Playa del Carmen, nachdem uns zwei Hotels storniert haben und nun sieht es auch noch so aus, als wäre eine der Stornierungen mutwilliger Betrug. Anstatt also gemütlich auf dem Sofa zu sitzen, hängen wir in Warteschleifen und müssen bangen, dass wir eine große Summe Geld verloren haben.

→ Die ganze Geschichte findest du hier.

Erst danach Frühstücken wir mit Jessi und Chris. Die beiden möchten heute einen gemütlichen Tag auf dem Zimmer machen. Das Wetter ist nicht das Beste und der gestrige Tag war anstrengend. Ich kann es ihnen daher nicht verübeln.

Max und ich wollen uns jedoch noch den Strand von Tulum ansehen. Der Strand von Tulum wird ja allgemein sehr gehypt.

Als wir los wollen fährt gerade ein Gast mit dem letzten Fahrrad davon. Wir müssen daher laufen. Der Weg zum Strand ist zum Glück nicht weit. Unser Hostel ist gut gelegen.

Der Strand von Tulum

Obwohl heute der erste Weihnachtsfeiertag ist – oder vielleicht auch deswegen – Ist viel los hier. Die komplette Zufahrtsstraße zum Strand ist vollgeparkt. Ein anderer Gast im Hotel hatte uns geraten zu den hinteren Strandzugängen zu gehen, da dort weniger los sei. Wir gehen beim ersten Zugang zum Strand und laufen ihn dann entlang.

Der erste Eindruck ist nett. Wir laufen durch einen Waldweg, der sich dann zum Meer hin öffnet. Dort stehen wir dann auch schon direkt in schönstem weißen Sand.

Das Meer ist aufgewühlt, der Himmel voller Schleierwolken, insofern ist es nicht das beste Wetter zum Baden. Trotzdem ist es voll. Der Strand ist voller Menschen, die Brandung voller Seegras und das Wasser voller Boote.

Es ist recht nett hier, aber ich würde nicht ins Wasser gehen wollen. Angeblich ist das Seegras gut für Schildkröten, daher störe ich mich nicht sonderlich daran. Das einzige Problem daran ist der Geruch. Dort wo es länger liegen bleibt fängt es an zu faulen und Fliegen machen sich darin breit. Der modrige Geruch begleitet uns die meiste Zeit den Strand von Tulum entlang.

→ Mehr zur Braunalgensituation in Mexiko findest du hier

Wir kommen an allen Zugängen zum Strand vorbei und wir können nicht erkennen, dass an einem davon mehr oder weniger los wäre als an den anderen. Die ganze Strandpromenade ist gesäumt von Hotels. Viele davon haben eine Bar dabei. Wer aber Strandbars mit bunten Schirmen und Sitzsäcken wie auf Bali erwartet, der wird enttäuscht werden.

Wie geht es nach dem Strand von Tulum weiter?

Auf Google Maps sehen wir, dass ein gutes Stück weiter der Küste entlang eine Straße zurück durch Tulum führt. Daher laufen wir weiter, auch als der Strand endet. Hier schlägt die Brandung an zerklüftete graue Felsen. Am Anfang sind sie noch flach und gut begehbar. Nach und nach werden sie immer unebener und von Pflanzen überwuchert.

Wir laufen bereits einige Zeit die Steinküste entlang als Max vor mir plötzlich einen Satz nach hinten macht und erschrocken auf den Felsen vor sich starrt. Ich schaue perplex an ihm vorbei. Vor ihm sitzt eine katzengroße schiefergraue Echse und starrt Max genauso erschrocken an wie er sie. Es dauert einige Sekunden, dann überwindet sie sich und verschwindet schnell zwischen den Steinen. Max lacht verlegen. “Ich wäre jetzt fast draufgetreten!” murmelt er.

Wir gehen weiter. Hier sind die Sternehotels von Tulum angesiedelt. Viele haben gar keinen Strandzugang. Ein sehr exklusives Hotel hat einen kleinen Privatstrand zwischen den Felsen. Es ist ein schönes Fleckchen und von außen kaum einsehbar. Eine Gruppe Kinder spielt im flachen Wasser.

Der Privatstrand hat auch kein so starkes Algenproblem.

Irgendwann stehen wir vor einer kleinen Mauer. Dieses Hotel hat Liegen auf den Felsen stehen und will anscheinend nicht, dass Leute hindurchlaufen. Ich kann das auch nachvollziehen. Ich würde mich gerade, zerzaust und verschwitzt wie ich bin, auch nicht in meinem sorgsam designten Garten haben wollen. Das zerstört ja das Feng Shui.

Nun stehen wir jedoch irgendwo an der Küste von Tulum zwischen den Sternehotels von Tulum und wollen eigentlich nur noch zurück zur Straße. Mein Flipflop hat sich mal wieder zerlegt und ich habe Durst.

Ein Stück weiter ist ein Palmengarten neben einem Wohnkomplex. Ein älterer Herr recht dort gerade das Unkraut zusammen. Ich gehe vorsichtig zu ihm, um ihn nicht zu erschrecken und frage auf Spanisch, ob wir zur Straße gehen dürfen. Ich weiß nicht, ob ich es falsch frage oder er einfach mein Anliegen nicht richtig versteht, aber er schaut mich an, als wäre ich ein bisschen doof und mein nur: “ Da ist doch die Straße”, und zeigt auf den Zaun wenige Meter weiter. Wir nehmen das ein Ja, bedanken und gehen durchs Grundstück hindurch.

Die Strandstraße von Tulum

Nun stehen wir an der Straße, die den kompletten Strand von Tulum entlang läuft. Auf der einen Seite der Straße sind Hotels, auf der anderen Seite hauptsächlich Gestrüpp. Nur vereinzelt haben sich auch hier Gebäude her verirrt. Außerdem sind auf dieser Straße sehr viele Autos. Sie stehen rechts und links am Straßenrand oder quetschen sich durch den verbleibenden Raum in der Mitte. Gelegentlich mischt sich mal ein Radfahrer dazwischen. Fußgänger verirren sich jedoch nur wenige hierher.

Da der Straßenrand komplett zugeparkt ist, bleibt einem als Fußgänger nur die Option sich zwischen die Fahrzeuge zu stürzen. Es ist ein andauerndes Stop and Go, und mehr als einmal müssen wir schnell zwischen parkende Autos flüchten, wenn es doch etwas eng auf der Straße wird.

Wir gehen zurück Richtung Hotel. Lust weiter an dieser Straße entlang zu laufen haben wir wenig. Beim ersten Zugang zum Strand gehen wir dorthin zurück und laufen in den Wellen. Wir haben es nicht eilig, unterhalten uns und trotz der vielen Leute ist es sehr entspannt. Vor uns läuft einige Zeit eine Dame mit einem Dackel durch letzten Ausläufer der Wellen. Der Dackel will zwar unbedingt neben Frauchen laufen, ist aber auch beflissentlich darauf bedacht nicht nass zu werden. Er ist witzig zu beobachten wie er immer wieder davon hopst und einen großen Bogen um das Wasser macht.

Mittag- und Abendessen mal anders

Zurück bei den Souvenirläden kaufen wir uns etwas zu trinken und schlurfen dann müde zurück ins Hotel. Wir haben beide einen leichten Sonnenbrand.

Im Hotel gibt es noch Mittagessen – von 2-5 Uhr ist ja auch eine völlig normale Zeit dafür. Danach klemmen wir uns erneut ans Telefon um endlich unser Hotelproblem mit Playa del Carmen zu lösen.

Als wir später zurück in die große Halle kommen, um mit unseren Freunden abendzuessen und noch einen Cocktail zu trinken, sind die Barkeeper bereits jenseits von Gut und Böse zugedröhnt.