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Datum: Dienstag 18.12.2018 | Ort: Cancun

Nicht mein Tag

Um 7:45 werde ich von einem Laubbläser-Staubsauger-Ventilator vor unserem Fenster geweckt, der nach Angaben des Hotels heute gar nicht und wenn dann nur Nachmittags läuft. Ich bin kurz davor im Schlafanzug zur Rezeption zu marschieren. Max kann mich dann jedoch beruhigen in dem er mich daran erinnert, dass ich dazu eigentlich noch viel zu müde bin.

Ich schlurfe zum Fenster, schaue den Ventilator böse an und muss mit reichlich Unmut auch noch feststellen, dass der Himmel schwarz mit Regenwolken verhangen ist. Eigentlich wollten wir ja an den Strand fahren.

Um meinetwillen ist mir das ja egal, aber unsere Freunde hätten sich sehr über Strand gefreut. Blass wie sie vom deutschen Winter sind, hätte es ihnen auch nicht geschadet. Ein Blick auf die Wetterprognose macht auch nicht gerade Mut. Anscheinend haben sie die schlechtesten zwei Wochen unserer ganzen Reise erwischt, denn die 14-Tage Prognose verspricht noch deutlich mehr Regen.

Wir gehen erst einmal Frühstücken. Das Buffet ist reichhaltig. Kurz nachdem wir uns setzten stürzt eine Frau samt Teller und schürft sich dabei das Bein auf. Sofort ist das Hotelpersonal zur Stelle und sie wird mit Hilfe einer großen Erste-Hilfe-Tasche professionell versorgt. Das Frühstück und die Tatsache, wie gut sich um die Frau gekümmert wird, versöhnen mich wieder ein wenig mit dem Hotel.

Max mein Held

Anstatt an den Strand, gehen wir ins Einkaufszentrum, da es heute erstaunlich kalt ist und auch noch begonnen hat zu regnen. Für Chris finden wir ein paar T-Shirts. Jessi freut sich wahnsinnig über Süßigkeiten mit Tamarinde. Falls ihr unseren Süßigkeitentest gesehen habt wisst ihr, die ist eine ganz Hartgesottene.

Max schmeißt zum Spaß fünf Pesos in einen dieser Automaten die mit einer Kralle Kuscheltiere angeln. Er befördert tatsächlich einen kleinen Hasen zu Tage. Stolz überreicht er ihn mir. Ein Kuscheltier ist zwar so ziemlich das letzte, was ich bei meinem derzeitigen Platz und Gewichtsproblem meines Rucksacks, aber ich freue mich trotzdem wie ein Schnitzel. Das kleine graue Ding ist aber auch knuffig.

Wasserball im Pool

Im nächsten Laden im Einkaufszentrum kaufen wir einen kleinen Wasserball. Damit gehen wir nachmittags an den Pool. Das Wasser hat zwar nur 24 Grad und die Luft ist auch nicht wärmer – für hiesige Verhältnisse ist das quasi tiefgefroren, aber der Vorsatz lautet jetzt Spaß zu haben und dann wird das durchgezogen.

Ich brauche ungefähr zehn Minuten, bis ich mich endlich durchringen kann ins Wasser zu gehen. Chris und Jessi sind gerade noch deutsche Kälte gewohnt und stellen sich weit weniger an. Max fröstelt. Allerdings war das Ganze seine Idee und er zieht sie mit zusammengebissenen Zähnen eisern durch.

Wir werfen Ball, auch wenn es insgeheim natürlich darum geht, den anderen so nass wie möglich zu spritzen oder zu zwingen dem Ball hinterher zu schwimmen. Ich stehe bis zum Bauchnabel im Wasser und versuche dem Ball so gut wie möglich auszuweichen. Irgendwann wird es mit zu doof und ich tauche ein Stück. Jetzt, wo mir so richtig kalt ist, macht das nassgespritzt werden auch keinen Unterschied mehr.

Nach und nach pilgern immer mehr andere Bewohner des Hotels an den Pool, schauen uns ungläubig zu, halten eine Zehe ins Wasser uns verziehen das Gesicht. Nach und nach bekommen wir den Eindruck, dass die Sightseeingtour in Cancun gerade um eine Attraktion größer geworden ist – die Deutsche im kalten Wasser.

Nach einiger Zeit gesellen sich zwei mutige junge Asiaten einige Minuten zu uns. Sie stöhnen und prusten laut als sie ins Wasser kommen. Sie schwimmen ein paar Bahnen, dann wird es ihnen aber zu kalt und sie flüchten fest in ihre Handtücher eingemummt zurück ins Hotel.

Knapp eine Stunde später sind wir dann auch durchgefroren und gehen zurück auf unsere Zimmer und duschen heiß. Mein kleiner grauer Hase sitzt grinsend auf meinem Rucksack und schaut zu.

Abendessen in Cancun

Zum Abendessen haben wir uns einen Brasilianer in der Nähe ausgesucht. Leider ist er komplett voll. Als Max online nachsieht, ob er für den nächsten Tag reservieren kann, stellt er fest, dass das Lokal zwei Wochen im Voraus ausgebucht ist.

Daher gehen wir zum Lokal daneben. Das Essen ist auch dort gut.

Als wir zurück ins Hotel kommen geht dort gerade die Laubbläser-Staubsauger-Lüftung vor unserem Fenster wieder an. es ist 22:00. Ich diskutiere mit Max unsere Optionen. Lust umzuziehen haben wir nicht, ausschalten werden Sie die Lüftung vermutlich auch nicht. Wir sind vom Baden Nachmittags müde genug um trotzdem schlafen zu können.