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Datum: Sonntag 25.11.2018 | Ort: Merida

Der nächste Morgen beginnt zwar ebenfalls früh aber auch ziemlich entspannt. So wirklich Lust uns Stress zu machen haben wir nicht und wir frühstücken erst einmal gemütlich.

Die sicherste Tankstelle Mexicos

Danach steigen wir ins Auto und die Fahrt geht los in Richtung Küste. Unterwegs müssen wir noch schnell einen Tankstopp einlegen. Die Tankanzeige ist beinahe auf rot und wir wissen nicht, wo die nächste Tankstelle ist. Dank Onlinekarten finden wir zwar schnell eine auf dem Weg, diese ist jedoch voller Polizisten, die gerade ihre Dienstfahrzeuge tanken. Wir trauen uns nicht weiter zu fahren, weil wir nicht wissen wie viel Sprit uns noch bleibt. Daher halten wir und rollen unter den wachsamen Augen von circa 50 Polizisten an die Zapfsäule. Wir sind uns nicht ganz sicher, wie es hier mit dem Tanken funktioniert. Der Tankwart bedeutet uns kurz zu warten, also warten wir. Derweil rollen immer mehr Streifenwagen und Motorräder auf das Gelände. Schließlich kommt der Tankwart zu uns, fragt wie viel wir wollen und tankt uns das Auto voll. Wir zahlen ihn direkt und fahren. An der Ausfahrt passieren wir einige weitere Polizeiwagen, die gerade in die Tankstelle fahren.

The Ecological Reserve Corchito

Wir fahren ein gutes Stück, bis wir schließlich an der Küste an einem unscheinbaren Parkplatz ankommen. Ich hatte mich vorher schlau gemacht und erkenne zum Glück das Gebäude wieder.

Es gibt ein paar Tische und einen kleinen Kiosk. Wir kaufen uns die Tickets für die Überfahrt an einem Kassenhäuschen. Wir werden Aufgeklärt, dass Sonnencreme in den Cenoten nicht erlaubt ist, Mückenschutz aber sehr wohl. Da es Mangroven sind kaufen wir uns spontan eine Flasche. Außerdem ist es Verboten Lebensmittel mit in den Park zu nehmen. Sie kontrollieren sogar unsere Taschen.

Wir setzen in einem kleinen Motorboot über den Fluss über und fahren ungefähr hundert Meter in einen Mangrovenwald hinein. Schon als wir ankommen schauen uns die ersten Waschbären neugierig entgegen. Wir steigen aus dem Boot aus und laufen herum. Waschbären und Nasenbären laufen in großen Rudeln umher. Sie interessieren sich nicht wirklich für uns, lassen sich von uns aber auch nicht stören.

Der Park hat vier Cenoten. in drei davon kann man baden. Wer hier aber riesige Unterwasserhöhlen erwartet wird leider enttäuscht. Es sind Badeteiche, mehr nicht. Die größte ist etwa 25 Meter lang, circa 10 Meter breit und an der tiefsten Stelle vielleicht 1,50m Tief und es schwimmen gestreifte Fische darin. Das Wasser ist grün aber sehr klar. So richtig einladend finden wir sie allerdings nicht. Die kleineren Cenoten sind vielleicht drei auf drei Meter und zwischen einem Meter und 2,5 Meter tief. So richtig einladend sind aber auch sie nicht. Wäre es Nachmittag, hätten wir vermutlich schon ein Bad genommen, aber gerade laufen wir lieber herum und scheuen Nasenbären und Waschbären an.

Lange halten wir uns allerdings nicht in diesem Mangrovenpark, da sich die Mücken herzlich unbeeindruckt von unserem Mückenspray zeigen. Es ist sogar eher kontraproduktiv, da plötzlich Alex und ich gestochen werden. Dabei haben wir doch extra Max und Björn als Ablenkung dabei, die normalerweise von den Mücken deutlich bevorzugt werden.

Der Hafen von Chicxulub

Es geht zurück über den Fluss zum Auto und mit dem Auto die Küste entlang. Gelegentlich sehen wir Flamingos. In einem Fischerdorf halten wir an und laufen auf einem Steg zum Strand.

Dutzende Kormorane sitzen auf den Laternen rechts und links des Stegs und beäugen uns. Am Strand stehen kleine Fischerboote, dazwischen laufen Pelikane umher. Es stinkt fürchterlich nach altem Fisch und Algen. Die Aussicht ist schön, auch wenn der Ort extrem heruntergekommen aussieht.

Lange halten wir es nicht am Strand aus und fahren weiter. Ich hatte gelesen dass das Wasser der Laguna Rosada rosa sein soll. Das Wasser in der Lagune als wir gerade vorbeifahren, ist aber im besten Fall leicht bräunlich.

Wir fahren bis ans Ende der Lagune, dann geben wir auf und drehen um. Alex und Björn wollen noch zu weiteren Cenoten. Ich habe im Internet eine schöne Cenote bei San Antonio Mulix gefunden. Sie sieht vielversprechend aus. Allerdings ist sie auf der ganz anderen Seite von Merida und über zwei Stunden Fahrzeit entfernt. Es ist gerade erst Mittag und unsere Amerikaner erklären, dass sie weit längere Fahrstrecken gewohnt sind. Also fahren wir los.

Die Salzfelder der Laguna Rosada

Wir fahren über den Damm der durch die Lagune geht, als wir plötzlich zahlreiche Autos am Straßenrand stehen sehen. “Drückt den Gettoknopf!” weist und Alex unser Fahrer nervös an. Als wir näher kommen weicht die Anspannung jedoch sofort. Am Rand der Straße sind zahlreiche pinke Salzbecken. Sie sind keine rosa Lagune aber sie sind rosa.

Man kann die Salzfarm besichtigen, auch im Wasser eines Besucherbeckens herumlaufen, aber so richtig Lust haben wir darauf gerade nicht. Unser Besuch freut sich viel zu sehr auf die Cenoten. So richtig begeistern können sich meine Männer auch nicht für rosa Wasser. Wir fahren also zurück nach Merida, durch Merida hindurch, holen uns am Weg ein paar Snacks bei einer Tankstelle und fahren dann nach San Antonio.

Die Cenoten von San Antonio

Die Straße dahin ist über Kilometer mehr oder weniger einspurig. Vor uns fährt einige Zeit ein LKW, der auf der schmalen Landstraße an jedem Baum am Rand hängen bleibt und eine Spur aus Blättern und abgebrochenen Ästen hinter sich herzieht. Der Ort selbst ist winzig. Selbst der nächstgrößere Ort ist ein Dorf.

Am Ortsende ist ein Schotterweg. Am Weg ist ein Häuschen. Als wir dort ankommen und den Eintritt zahlen wollen werden wir an ein Blaues Haus im Ort verwiesen. Wir müssen also ein Stück auf dem Schotterweg rückwärts fahren um wieder auf die Straße zu kommen, zu dem Haus zu fahren und dort unsere Tickets zu kaufen.

Als wir zu dem Haus kommen schaut uns eine kleine Frau bereits freundlich hinter ihrem kleinen Kassentresen entgegen. Sie kann gerade so auf dem Tisch-hohen Tresen schreiben. Im ersten Moment nehme ich an sie sitzt, doch beim Näherkommen sehe ich, sie ist wirklich so klein. Ich denke, dass meine sechsjährigen Neffen größer sein dürften als sie.

Ich erkläre freundlich auf zusammengestöpseltem Spanisch, dass ich gerne Tickets für vier Personen für die Cenoten hätte. Sie gibt sie mir und ich darf ich in ein Besucherbuch eintragen.

Wir fahren zurück zum Feldweg. Dort müssen wir erst einmal warten, bis ein anderer Wagen rückwärts aus dem Feldweg fährt, der offenbar auch kein Ticket hatte.

Nun geht es auf zu den Cenoten. Der Schotterweg dorthin geht wiederum ein gutes Stück durch den Wald. Gelegentlich sind kleine steile Hügelchen auf der Straße. Im Auto heißt es schnell nur noch “Vorsicht Pyramide”. Vermutlich ist sogar wirklich die ein oder andere unter dem Waldboden verborgen.

Der Weg trennt sich und wir fahren zuerst zur rechten Cenote. X’Batun heißt sie. Dort stehen bereits einige Autos auf dem Parkplatz. Wir seufzen in der Erwartung, dass es voll wird. Es gibt ein Klohäuschen, das allerdings gut zweihundert Meter im Wald versteckt ist. Dort ziehe ich mich schnell um. Dann gehen wir zur Cenote. Auf dem Weg dorthin hält uns ein junger Mann auf und erklärt etwas auf spanisch, das wir nicht verstehen. Später habe ich im Internet gelesen, dass man vor dem Betreten dieser Cenote duschen soll. Leider kann er kein Englisch und auch mit viel Mühe verstehen wir ihn nicht auf spanisch und er gibt nach zwei Sätzen auf. Deuten auf die Dusche wäre sinnvoll gewesen aber so wichtig ist es ihm dann wohl doch nicht.

Die Cenote ist ein kleiner See mitten im Wald. Man geht nur eine Treppe einen sanften Hang hinab und steht dann ebenerdig davor. Auf der anderen Seite steht im Kontrast dazu jedoch eine hohe Felswand aus dem Boden.

Es sind bereits einige Einheimische hier. Manche sitzen einfach nur am Ufer, andere stehen mit Schwimmwesten im flachen Wasser. Die Cenote ist nicht groß, aber dadurch, dass von den anderen Besuchern die meisten nicht schwimmen hat man selbst genug Platz zum Planschen. Ein Teil der Cenote ist mit Seerosen bewachsen. Der vordere Bereich ist sehr flach aber etwas rutschig , da die Steine mit Algen bewachsen sind. Im hinteren Teil fällt das Wasser zur Felswand steil ab und man könnte theoretisch auch ein gutes Stück unter die Felswand hinab tauchen – Aber wer will das schon. Ich zumindest nicht.

An der Felswand selbst leben gestreifte Fische. Einer davon attackiert die Nase von Alex. Groß sind sie allerdings nichts und er kann sich mit einer fuchtelnden Handbewegung retten. Wir lassen den kleinen Kerlchen dann aber lieber doch mehr Freiraum.

Außerdem gibt es wieder ganz viele der kleinen knabbernden Fische. Gefühlt sind sie hier mehr und auch etwas vorwitzige als in den bisherigen Cenoten. Einer beißt mich mehrmals merklich in den Po. Ein anderer versucht ganz begeistert das Grind von der Zehe zu fressen, die ich mir vor einer Woche angeritzt habe. Wenn sie zu nervig werden reicht es zum Glück jedoch ein paar Meter ins tiefere Wasser zu schwimmen und in Bewegung zu bleiben. Dann ist auch wieder Ruhe.

Nach Dieser Cenote sind wir eigentlich fertig und haben genug für den Tag. Meine Männer wollen auch irgendwie schon zurück nach Merida. Ich kann sie aber dann doch überreden sich die Cenote Dzonbacal wenigstens noch anzusehen. Sie ist nur etwas über einen Kilometer entfernt und der Eintritt, den wir vorab bezahlt haben galt für beide Cenoten zusammen.

Bei dieser zweiten Cenote ist deutlich weniger los. Sie ist auch etwas kleiner. Durch ihre Ausrichtung scheint jedoch auch die Nachmittagssonne noch in das klare Wasser und das ist sehr hübsch. Sie ist eine komplette Höhle mit fehlender Seitenwand. Normalerweise fehlt bei Cenoten ja der „Deckel“.

Max ist zu Beginn nicht so begeistert, denn von außen wirkt die Cenote wirklich nicht sonderlich einladend. Wenn man jedoch die Treppe hinab ins Wasser geht, sieht man erst ihr ganzes Ausmaß.

Das Wasser hat im vorderen Bereich Stehtiefe und fällt erst sanft, dann plötzlich steil ab. Das Wasser funkelt gerade noch schön blau und auch Teile der Höhlendecke werden angeleuchtet.

Unterwasserbild

Die Cenote ist perfekt für lustige Unterwasserbilder

Wir ulken einige Zeit im Wasser herum. Als wir schließlich zurück nach Merida fahren sind wir ordentlich kaputt aber happy. Wir kommen bis an die Stadtgrenze von Merida. Dort steht wie üblich die Polizei und kontrolliert Autos. Aber anstatt uns durchzuwinken werden wir herausgezogen.

Polizeikontrolle in Mexiko

Alex fährt rechts ran und mit großen Augen bleiben wir im Auto sitzen und warten. Wir sitzen alle noch klatschnass im Auto auf unseren Handtüchern. Björn hat noch nicht einmal ein T-Shirt an. Vielleicht sind wir auch deshalb aufgefallen.

Fünf Militärpolizisten bewachen unser Auto mit sehr großen Gewehren und schusssicheren Westen. Ein Kollege lässt sich derzeit von Alex den Führerschein zeigen. Wir werden gebeten auszusteigen. Die Kommunikation läuft über Google Translator, ein Umstand den wir alle sehr bewundern.

Der Polizist lässt sich von Alex den Mietvertrag für das Auto zeigen. Dann möchte er die Visa sehen. Keiner von uns hat sein Visum dabei. Allerdings hat Alex noch seine Flugbestätigung auf dem Handy. Der Polizist weist uns freundlich aber bestimmt darauf hin, dass wir die Visa immer dabei haben müssen. Wir entschuldigen uns artig und erklären wir hatten Angst es bei dem Ausflug mitzunehmen, weil es gestohlen werden hätte können. Der Polizist lässt das unkommentiert und kontrolliert Max und Alex Ausweis.

Kommentarlos geht es weiter wir sollen alle unsere Tasche ausleeren. Ich packe also meine Handtasche unter den wachsamen Blicken der Polizisten aus. Kamera, Kamera, Handy, Geldbeutel, Tüte mit nassen Schwimmklamotten, kleine rosa Ente (Mein Reisemaskottchen).

Ansonsten ist meine Tasche leer. „Max, hast du den Haustürschlüssel?“, frage ich Max, der gerade neben mir seine Hosentaschen leert. Verwundert durchsuche ich nochmals meine Handtasche. Die Polizisten schauen mir irritiert zu. Ich befördere noch einen alten Kassenzettel zu Tage, ansonsten ist jedoch meine Tasche leer. “Vermutlich ist er im Auto” versucht mich Max zu beruhigen.

Ein Polizist beginnt gerade damit unseren Leihwagen zu durchsuchen. Wir schauen ihm zu und hoffen, dass vor uns niemand Koks darin transportiert hat. Es dauert einige Zeit, da er jeden Sitzt genau unter die Lupe nimmt. Max und Björn beginnen derzeit ihre Bräunungsstreifen durch Uhrenband und Flipflops zu vergleichen. Irgendwann sieht Max grinsen zu einem der Polizisten hinüber, die uns noch immer mit beiden Händen an der Waffe bewachen. Der Polizist grinst zurück. Die Anspannung sinkt durch diese simplen Geste dramatisch.

Im Wagen höre ich ein Klimpern. Der Polizist befördert unsere Haustürschlüssel aus einem Loch im mittleren Armaturenbrett zu Tage. Wir seufzen alle erleichtert und schauen uns begeistert gegenseitig an. Ein weiterer Polizist kann sich das Grinsen nicht mehr verkneifen.

Wir dürfen wieder Einsteigen. Der Polizist der unseren Wagen durchsucht hat, wünscht uns eine gute Fahrt und hält extra den nachfolgenden Verkehr kurz an, damit wir zurück auf die Straße fahren können.

Wir sind ordentlich eingeschüchtert, lassen uns aber den Abend nicht verderben. Unseren Schlüssel hätten wir allein wohl ewig gesucht. Es war quasi Glück, dass der Profi ihn für uns gefunden hat. Mit diesem Fazit fahren wir zurück zu unserer Wohnung. Björn zieht sich sicherheitshalber für die restliche Strecke ein T-Shirt über.

Maya Restaurants in Merida

Der lange Tag hat hungrig gemacht. Daher beschließen wir nach einer kurzen Verschnaufpause essen zu gehen. Es ist Sonntag Abend. Die ersten beiden Restaurants an die wir kommen sind komplett ausgebucht, das dritte hat eine geschlossene Gesellschaft.

Schließlich landen wir in einem Lokal, dass in Reiseführern für seine authentische Mayaküche gelobt wird. Als Vorspeise bestellen wir Suppe und Björn einen Salat. Er bekommt einen halben Salatkopf Eisbergsalat (nicht einmal geschnitten) mit etwas Tomaten und Gurken darauf. Dazu gibt es ein Dressing, das exakt so aussieht und schmeckt wie meine Suppe.

Meine Suppe besteht aus Sahne – fettiger, eingekochter Sahne. Sie ist gewürzt und enthält wohl ein traditionelles Mayagrünzeug. Ich esse sie, weil ich immer so ungerne Essen übrig lasse. Danach ist mir schlecht und ich bin satt. Dummerweise habe ich aber ein Hauptgericht bestellt. Es sind Tacos mit Gemüse. Björn erbarmt sich meiner und isst die Hälfte meiner Portion.

Max und Alex essen Sopa de Lima eine traditionelle Suppe mit Limettensaft, Hühnchen und allerlei Gewürzen. zum Hauptgang gibt es bei den Männern Fleisch mit Tacos und Bohnenmus. Sie sind davon recht angetan.

Nach dem Essen zahlen wir sofort und brechen auf. Die Klimaanlage im Restaurant war so kalt, dass sich davor kleine weiße Wölkchen gebildet haben. Gut gelaunt rollen wir zurück in unsere Wohnung, quatschen noch ein wenig aber gehen dann auch recht zeitnah schlafen.