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Datum: 24.11.2018 | Ort: Merida

Leihwagen in Merida

Samstag morgen stehen wir früh auf. Wir frühstücken gemeinsam und ziehen dann los um uns einen Leihwagen zu holen. Dank Miguel, unserem Spanischlehrer, haben wir auch die Adresse eines guten Verleihs.

Der Laden ist witzig. Er ist ziemlich klein. Die Einrichtung besteht aus zwei Tischen und einer Bank. Die Tische sehen aus wie abgesägte Autonasen und die Bank sieht aus wie ein offener Kofferraum. Außerdem hängt an der Wand eine große Karte mit allen Sehenswürdigkeiten im Osten Mexikos.

Das Leihen funktioniert recht unkompliziert. Der Herr spricht sogar englisch. Wir zahlen 1500 Pesos für 48h inklusive Versicherung mit so vielen Kilometern wie wir wollen. Damit ist das Auto zwar kein Schnäppchen aber wir können uns hier in der Gegend umsehen so viel wir wollen.

Unsere beiden Besucher sind außerdem geübte Fahrer und Alex, der bereits öfter in Mexiko gefahren ist, hat nichts dagegen, sich hinter das Steuer zu setzen. Ich selbst würde es mir nach zwei Wochen hier noch nicht zutrauen selbst zu fahren. Die Vorfahrtsregeln sind doch etwas sehr verwirrend.

Unser Auto ist ordentlich verbeult. Als wir ihn vor der Fahrt begutachten und zusammen mit dem Verleiher die bereits vorhandenen Schäden dokumentieren, bekommen wir zu jedem Schaden noch eine kurze Geschichte über den Verursacher. Den größten Schaden hat ein Chinese beim Ausparken angerichtet. Seinetwegen ist die hintere Tür auf der Fahrerseite ordentlich verkratzt. Das habe ich in Deutschland selbst auch schon zweimal geschafft.

Am Kofferraum hat das Auto ein Loch. Ob bei einer Reparatur dort eine Niete falsch geschossen wurde oder ob es ein Einschussloch ist, fragen wir lieber erst gar nicht.

Die einsamen Pyramiden von Mayapan

Wir fahren los. Merida ist eine große Stadt und es dauert etwas bis wir auf der Autobahn sind. Dann jedoch geht es gemütlich dahin, bis wir schließlich in Mayapan ankommen.

Der Parkplatz ist eine leicht geschotterte Wiese auf der Bäume sehen. Wir sind im Moment das einzige Auto.

Ane einem Kassenhäuschen zahlen wir bei einem etwas gelangweilten Herren den Eintritt von 40 Pesos und laufen durch ein Metalltor. Unsere Erwartungen halten sich ja in Grenzen, werden aber deutlich übertroffen. Nach hundert Metern stehen wir plötzlich inmitten einer Ruinenstadt.

Es gibt mehrere Pyramiden und einige weiter Gebäude dazwischen. Leider darf man nirgendwo hinein. Aber man darf auf die Pyramiden hinauf und der Ausblick von dort über den umliegenden Dschungel ist schon sehr cool. Man sollte nur aufpassen nirgends hinunter zu fallen, denn abgesichert ist hier nichts.

Im Hintergrund sieht man die Pyramide von Kukulkan

Im hinteren Teil des Areals sieht man einige Hügel im Wald. Die Städte ist offenbar noch nicht komplett ausgegraben. Am Rand der Anlage liegt eine kleine Cenote, die jedoch eher ein Brunnen ist. Sie liegt direkt neben der großen Pyramide. Vermutlich endete darin so manches Opfer der hiesigen Kulte.

Außer uns sind nur noch fünf weitere Personen auf dem Areal unterwegs. Es ist ruhig. Papageien fliegen herum und man kommt sich nicht in die Quere. Wer keine Lust auf überfüllte Touristenorte hat, der ist hier genau richtig.

Cenoten in Pixyá – Suem

Die Sonne knallt heute jedoch ziemlich herunter. Daher halten wir uns nicht zu lange sondern fahren weiter. Ich habe zwei Cenoten in Pixyá herausgesucht. Es gäbe auch zwei Cenoten in unmittelbarer Nähe von Mayapan, aber es sind geschlossene Höhlen und die sind einfach nicht so spektakulär.

Die Erste Cenote an die wir nach einer längeren Fahrt kommen ist die Cenote von Suem. Als wir dort ankommen sind wir die einzigen. Das Kassenhaus ist nicht besetzt und die Mineralien auf dem Wasser zeigen, dass heute noch niemand in der Cenote war. Wir warten ein bisschen und suchen nach dem Kassenwart, doch er ist nicht zu finden.

Wir schauen uns die Cenote genauer an. Sie ist nach oben hin offen. Doch sie ist so tief, dass man trotz des einfallenden Lichts den Boden nicht sieht.

Die ganze Situation ist seltsam. Wir haben eine gute, spießige deutsche Erziehung genossen und wollen nicht einfach ohne Eintritt in die Cenote gehen, also entscheiden wir uns zunächst in die nahegelegene Cenote Yah Nah zu fahren, die nur einen Kilometer entfernt liegt.

Cenoten in Pixyá – Yah Nah

Dort ist zum Glück mehr los. Eine Gruppe Mexikaner ist gerade damit beschäftigt sich Schwimmwesten über die Klamotten zu ziehen. Zur Cenote geht es eine wackelige Holztreppe hinab. Sie liegt in einem Spalt. Die Sonne scheint gerade hübsch hinein.
Im hinteren Bereich gibt es eine kleine Ausbuchtung in der Höhlenwand in der man sitzen kann.

Das Wasser ist ziemlich kalt. Außerdem ist es tief – sehr tief. Wie tief genau es ist, kann ich nicht sagen, aber um den Grund zu erreichen bräuchte man entweder sehr viel Übung als Apnoetaucher oder aber eine Sauerstoffflasche. Die Strahlen der Sonne lassen ihn weit entfernt weiß glitzern. Im hinteren Teil der Höhle liegt er wiederum völlig im Dunklen.

Für mich ist diese Cenote grenzwertig. Zunächst habe ich bereits damit Probleme, dass das Wasser so klar ist. Am Rand kann man somit ein gutes Stück hinabsehen und man hat das Gefühl, dass dort überhaupt kein Wasser ist, sondern man gleich in die Tiefe stürzt. Da meldet sich doch gleich mal die Höhenangst.

Das Wasser ist wahnsinnig blau und die Höhle eindrucksvoll

Dann schwimmt man ein Stück und das Wasser ist einfach nur tief und finster. Das ist für mich fast genauso schlimm. Ich mache einige Fotos mit den anderen, bin aber sehr darauf bedacht immer im lichtdurchfluteten Wasser zu bleiben. Meine Begleiter sind jedoch recht angetan und springen von der Holzplattform und tauchen durch das Wasser.

Die Mexikaner sind etwas weniger angetan vom Wasser und sitzen die meiste Zeit einfach nur am Rand der Cenote herum oder dümpeln in ihren Schwimmwesten.

Nach einem ausgiebigen Bad entscheiden wir nicht wieder zurück zur Cenote Suem zu fahren. Stattdessen fahren wir nach Homun. Der Ort liegt nicht sonderlich weit Weg von Pixyá, allerdings führt keine direkte Straße hinüber, so dass wir einen ziemlichen Umweg fahren müssen.

Die Cenoten in Homun

Der Eindruck ist der selbe wie in der Woche zuvor. Es gibt viel zu viele Bobbel auf der Straße, die einem zum langsamer fahren zwingen. An jedem Bobbel steht ein Touristenfänger und versucht einem Touren aufzuschwatzen. Sogar die Kinder vom letzten Wochenende auf ihren Fahrrädern arbeiten heute wieder und versuchen uns zu den Ständen ihrer Familien zu lozen.

Zum Glück haben wir das ganze schon einmal gesehen und können Alex so durch den Ort lozen ohne uns dabei irgendetwas aufschwatzen zu lassen.

Mit dem heutigen Auto ist noch deutlich schwerer über die Schotterpisten zu kommen. Zum Glück ist Alex ein sehr guter Fahrer und wir sitzen nur ganz selten und nur ganz leicht auf. Wenn der Fahrzeugboden wieder einmal an einem Stein oder Bobbel auf der Straße schrabbt verziehen wir alle leidend das Gesicht. Ein Jeap wäre wohl besser gewesen.

Wir sind heute später bei der Cenote Yaxbacaltun als bei unserem Besuch letzte Woche. Daher steht die Sonne nicht mehr gar so toll. Trotzdem leuchtet noch immer ein Teil der Cenote wunderschön azurblau.

Auch hier machen wir wieder Fotos und Videos, tauchen und schwimmen und hüpfen (ich nicht – weil es da immer noch dunkel ist) bis wir irgendwann zu erschöpft sind.

Auf einem Seil kann man gemütlich im klaren Wasser sitzen

Ein kurzer Abend mit Schnitzel

Dann fahren wir zurück nach Merida. Dort halten wir noch kurz zum Einkaufen bei Wallmart. Zu viert ist es noch mal etwas anderes durch so einen Markt zu laufen und uns fallen so manche Merkwürdigkeiten erst jetzt so richtig ins Auge.

Abends gibt es Schnitzel – also für die anderen, ich bin ja kein Carnivore – und die Stimmung ist sehr gut. Wir gucken uns die Bilder des heutigen Tages an und auch die Videos. So mancher Outtake, den ihr nie zu sehen bekommen werdet, sorgt für heiteres Gelächter. Viele davon gehen auf meine eher wenig grazilen Tauchfähigkeiten zurück. Ein paar recht nette Schnappschüsse sind dann aber doch auch dabei.

Das Schwimmen in den Cenoten war allerdings echt anstrengend und so hängen wir schon kurz nach acht Uhr abends in den Seilen. Wir machen noch einen Film in Netflix an, doch einer nach dem anderen entschuldigt sich und verschwindet ins Bett, ehe der Film zu Ende ist.

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