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Datum: 18.11.2018 | Ort: Merida & Homun

Ein Morgenspaziergang durch Merida

Am nächsten Morgen geht es früh raus. Die Hamburger haben mit ihrem AirBnb-Host eine Fahrt zu den Cenoten von Homun organisiert. Nat der Australier ist auch wieder dabei.

Um halb acht laufen Wir los. Merida ist heute am Wochenende deutlich verschlafener als sonst. Es ist viel weniger Verkehr auf den Straßen und gelegentlich sitzt ein Rentner auf einem Klappstuhl vor seinem Haus und liest die Tageszeitung.

Wir brauchen beinahe eine halbe Stunde bis wir bei unseren Freunden sind. Wir haben nur die GPS-Koordinaten, nicht jedoch die Adresse. Jetzt stehen wir vor einem großen Eisentor in einer sehr großen weißen Mauer, die eine kleine Siedlung umgibt. Das Tor ist verschlossen. Wir sind nicht sicher ob wir am richtigen Eingang stehen und sehen uns ratlos um. Ich versuche Janina anzurufen, doch sie melden sich nicht.

Nach einigen Minuten stößt Nat zu uns. Jetzt wissen wir zumindest, dass die Adresse stimmt. Es dauert noch einmal ein paar Minuten, dann kommt Lennart zum Zaun gelaufen. Er ist sichtlich irritiert, dass der Zaun verschlossen ist und will gerade zurück zum Haus laufen, als ein Nachbar mit einem chicen Sportwagen angefahren kommt und das Tor per Fernbedienung öffnet.

Wir flitzen schnell in die kleine Gated Community hinein. Der Sportwagenfahrer schaut uns irritiert nach. Das Haus, in dem unsere Klassenkameraden untergekommen sind, steht am Ende der Straße, die nur durch dieses Tor befahrbar ist. links und rechts stehen Häuser, wie man sie auch in Deutschland in den besseren Wohnvierteln finden würde. Für mexikanische Verhältnisse sind sie sehr modern und auch recht groß. Jedes Haus hat einen Sportwagen in der Einfahrt. In der Mitte der Straße gibt es einen kleinen Park mit einer Sitzecke und mehreren riesigen Bäumen, die die umliegenden Häuser weit überragen.

Lennart stellt uns seinen Gastgebern vor. Sie sind ein junges Ehepaar und vor drei Jahren aus Mexiko Stadt nach Merida gezogen. Sie haben einen jungen Golden Retriever der munter um uns herum purzelt. Hundi darf heute allerdings nicht mit und muss, nachdem er glücklich auf ein paar Steinen gekaut hat alleine zurück in den Garten.
Der Rest von uns steigt in einen großen Familienvan und fahren zum Frühstücken.

Maya Frühstück in Merida

Wir halten in einem kleinen Lokal ein Stück außerhalb der Innenstadt von Merida. Das Gebäude besteht eigentlich aus zwei nebeneinanderliegenden Häusern und ist etwas nach hinten versetzt. Auf der geteerten Fläche davor stehen zahlreiche Plastik-Gartenstühle an Tischen mit orangen Wachstischdecken. Es gibt nur eine kleine Küche. Die Speisen werden allerdings an zwei Ständen zur Straße hin zubereitet. An einem machen zwei füllige Mexikanerinnen frische Taco-Fladen. Am Nachbarstand bereitet ein kleiner Mann Tacos in einer Geschwindigkeit zu, der man mit bloßem Auge kaum folgen kann. Das Restaurant ist gut von Einheimischen besucht.

Für mich gibt es ein Sandwich mit Rührei und Soße. Es ist wohl irgendeinen spezielle Pflanze darin. Außergewöhnlich schmeckt es allerdings nicht. Es ist das einzige vegetarische Gericht auf der Karte. Die anderen bestellen Tacos und Tortas. Das ganze wäre mir viel zu schwer als Frühstück. Dem Seufzen nach, das alle paar Minuten erklingt wenn jemand wieder etwas von seinem Teller vernichtet hat, geht es den anderen genauso.

Abschließend bestellen die Mexikaner ein Stück Käsekuchen für uns. Es ist richtiger Käsekuchen mit Cheddar oder einem ähnlichen Käse. Trotzdem ist der Kuchen süß. Es schmeckt nicht schlecht aber schon wirklich seltsam.

Der Weg zu den Cenoten von Homun

Wir steigen wieder in den Van und es geht los. Bisher hatten wir nur eine grobe Vorstellung davon, wie groß Merida ist und wir haben es deutlich unterschätzt.
Es geht vorbei an Wohnsiedlungen, Einkaufszentren und Vierteln mit wirklich schäbigen Häuschen. Aber die Straßen sind sehr gut ausgebaut und wir kommen schnell auf die Autobahn.

Wir fahren fast eine Stunde, bis wir schließlich erst auf einer sehr langen Landstraße und dann in einem kleinen Dorf landen. Es sieht nett aus, etwas schäbig und es gibt sehr viele Hubbel auf der Straße, die Autos zum langsamer fahren bringen sollen. Es ist eine Kunst mit dem Van über die Hubbel zu kommen ohne aufzusitzen.

Das zweite Problem sind die Touristenfänger, die an jedem Hubbel stehen und versuchen einem eine Tour aufzuschwatzen. Mit den Touristenfängern kosten die Cenoten ein vielfaches mehr werden wir aufgeklärt. Unser Host macht sicherheitshalber die Zentralverriegelung zu. Das erweist sich kurz darauf auch als gute Entscheidung, als einer der Guides draußen versucht die Beifahrertür aufzureißen.

Kleine Kinder auf Fahrrädern versuchen uns zu anderen Guides zu lozen. Ein Guide versucht sogar die Straße zu blockieren und schwenkt ein Schild, dass die Durchfahrt verboten sei. Wären wir alleine hier gewesen, wir wären definitiv auf mindestens eine der Maschen hereingefallen. Doch unsere mexikanischen Begleiter lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und sind maximal ein bisschen genervt.

Kurz nach dem Ort biegen wir auf eine Schotterpiste ab, die schon ein ordentliches Können von Fahrern abverlangt. Beinahe zwei Kilometer lang sitzen wir schweigend im Auto und zittern ob wir aufsitzen.
Dann kommen wir an ein Häuschen vor dem Autos zwischen den Bäumen herumlaufen.

Die Cenote Yaxbacaltun

Hunde und Enten kommen uns entgegen und begutachten uns neugierig.

Wir zahlen unsere 30 Pesos Eintritt und ziehen uns in einer kleinen Hütte mit Toiletten um. Dann gehen wir zur Cenote. Ich habe keine Ahnung was mich erwartet. In Drahtkäfigen auf dem Weg dort hin leben eine verletzte Boa und ein Krokodil. Es ist ziemlich traurig diese so zu sehen.

Dann kommen wir an einen Brunnen. Es ist kein Brunnen im herkömmlichen Sinne, sondern ein Loch in der Decke der Cenote. Wenn man hineinschaut sieht man 20 Meter hinab in die Höhle und je nachdem wie die Sonne gerade steht leuchtet alles azurblau. Das Blau ist wahnsinnig hypnotisch.

Wir gehen weiter und kommen an eine Metalltreppe. Das Ding sieht nicht wahnsinnig stabil aus, aber auch nicht so, als würde es ausgerechnet jetzt kaputt gehen. Vorsichtig und mit beiden Händen fest am Geländer gehe ich hinab. Es ist ein kleines bisschen rutschig.

Die Treppe endet an einer nicht wirklich schönen quadratischen Betonplattform. Von hier aus sieht man erstmals das ganze Ausmaß der Höhle. Sie ist geformt wie eine Halbkugel bei der die obere Spitze fehlt. Durch dieses Loch kamen wir herein und durch dieses Loch scheint auch jetzt die Sonne hell herein.

In der Höhle fliegen Vögel und Fledermäuse herum. Als ein größerer Schwarm startet und unterhalb der Öffnung kreist, fühle ich mich ein bisschen wie in deiner Szene aus Batman.

Um die Betonplattform herum ist Wasser. Dort wo die Sonne hin scheint leuchtet es strahlend azurblau. Dort wo die Sonne nicht hinkommt ist es finster.

Es sind bereits einige Mexikaner in der hier. Die meisten Tragen lange Klamotten und Schwimmwesten. Eine junge Frau steht gerade am Rand der Plattform und diskutiert mit einigen Leuten im Wasser, die sie überreden Wollen sich an einem Seil ins Wasser zu schwingen. Sie sieht nicht sehr enthusiastisch aus. Als wir uns anstellen, drückt sie uns das Seil in die Hand und schaut uns abwartend zu. Die Männer schwingen zuerst hinein. Das Wasser unterhalb der Absprungstelle ist dunkel und das finde ich nicht so verlockend. Aber ich möchte nicht so unentschlossen herumstehen wie die Mexikanerin. Darum beiß ich die Zähne zusammen und mime meinen besten Tarzan.

Das Wasser schlägt kalt über mir zusammen. Ich pruste als ich auftauche und schwimme so schnell wie möglich ins Licht. Das Wasser ist nicht wärmer hier, aber man kann alles sehen bis an den Grund der Cenote einige Meter unter mir. Das ist schön.

In der Cenote sind mehrere Seile aufgehängt. Als Deutsche nehme ich natürlich sofort an, dass das Absperrungen sind. Doch das Gegenteil ist der Fall. Sie sind da, damit man sich gemütlich darauf setzen kann und nicht die ganze Zeit schwimmen muss.

Kleine Fische schwimmen im flachen Wasser und knabbern einen an wenn man einige Zeit ruhig stehen bleibt.

Wir machen Fotos und Videos unter Wasser und es ist die optimale Kulisse um eine Unterwasserkamera so richtig auszunutzen. Das Wasser ist wahnsinnig klar. Erst als wir einige Zeit an den Steinen am Ufer sitzen, lösen sich dort Algenpartikel und driften durchs Wasser.

Die anderen entdecken noch einen Sprungturm und hüpfen begeistert von dem knapp zwei Meter hohen Holzgestell. Es ist im dunklen Teil des Wassers, daher setze ich mich lieber auf eines der Seile und schwebe gemütlich im Wasser vor mich hin.

Überblick über die Höhle aus Richtung Sprungturm

Wir bleiben beinahe zwei Stunden. Dann bieten die Mexikaner an noch zu einer anderen Cenote zu fahren. Wir sind gespannt und laufen zurück zum Auto. Wir rattern wieder ein gutes Stück auf dem fürchterlichen Schotterweg durch den Wald und kommen an ein weiteres Kassenhäuschen.

Die Cenote Bal-Mil

Um in die Cenote zu gelangen geht es auf einer Holztreppe ein gutes Stück einen natürlichen Spalt unter die Erde hinab. Dann landet man in einer Kammer. Sie ist deutlich kleiner als die letzte Höhle. Nur an einer ganz kleinen Stelle kommt Sonnenlicht in die Höhle. Es reicht nicht um die Höhle oder das Wasser zu erleuchten. Daher ist die Höhle mit elektrischem Licht ausgestattet. Als wir unten sind, schaltet oben jemand für einen Moment das Licht aus. Sofort wird es um uns herum schwarz. Es ist gruselig.

Wenn man in die Höhle hinab kommt steht man auf einer Insel aus Geröll und Tropfsteinen. Sie ist umgeben von eher flachen Wasser. Nur in einem Teil der Höhle ist es wirklich tief. Dort geht es auch noch ein Stück tiefer in die Erde hinein. Es ist stockdunkel dort. Viel zu gruselig für mich und auch die abenteuerlustigen Männer schwimmen nur ein kleines Stückchen in diese Richtung.

Das Wasser ist eh viel kälter als in der vorangegangenen Höhle und so bleiben wir nicht lange. Als eine weitere Reisegruppe kommt, wird es sowieso viel zu eng hier, denn groß ist sie nicht.

Die Cenote Chulul

Wir fahren also weiter. Eigentlich wollen unsere mexikanischen Bekannten uns einen Cenote zeigen, die ein flacher See ist. Stattdessen landen wir jedoch in einer weiteren Höhle. Die Cenote ist größer als die vorherige und beinahe so groß wie die erste. Jedoch gibt es hier kaum Wasser zum Baden. Auch sie ist mit elektrischem Licht ausgeleuchtet. Dafür kann man in ihr zwischen Stalaktiten herumlaufen.

An einer Stelle ist ein Felsvorsprung abgesperrt. Dort sind zwei Handabdrücke an der Wand, wie man sie von Steinzeitmalerei kennt. Genauere Informationen zu den Handabdrücken gibt es nicht. Vermutlich wurden sie noch nicht genauer erforscht. Vielleicht hält diese Höhle unter ihrer Kalkschicht noch so einige Geschichten verborgen, die nur darauf warten erforscht zu werden. Nunja, die Archäologen künftiger Generationen brauchen ja auch noch Arbeit.

Heimfahrt

Das Schwimmen in der ersten Cenote war anstrengender als wir dachten. Inzwischen sind wir alle recht still. Als die Frage aufkommt, ob wir zur nächsten Cenote fahren wollen, beschließen wir, dass es für heute reicht und wir fahren zurück nach Merida.

An der Straße die nach Merida hinein führt kommen wir an einer großen Polizeikontrolle vorbei. Alle Zufahrtsstraßen in die Stadt werden im Zuge des Kriegs gegen die Drogenkriminalität kontrolliert, erklären die Mexikaner.

Wir fahren zurück zum Haus der Mexikaner, verabschieden uns von der ganzen Truppe und laufen zurück in unsere Unterkunft. Dort sitzen wir den halben Abend fasziniert vor den Bildern des heutigen Tages .


Zusammenfassung der Zenoten die wir in Homun besucht haben