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Klassenzimmer

Datum: 12.11.2018 – 17.11.18 | Ort: Merida

Montag

Jogging in Merida

Der erste Schultag beginnt früh. Max wirft mich aus dem Bett, wir hatten verabredet joggen zu gehen. Also stopfe ich mich selbst schlaftrunken in meine Sportklamotten und laufen los. Es ist mühsam, nicht nur, weil ich komplett aus dem Training bin, nein die Straßen von Merida eignen sich auch überhaupt nicht zum Laufen. Die Gehsteige sind ein einziger Slalom-Hüpf-Parkour und der Verkehr ist zu stark, um auf der Straße selbst zu laufen. Mehr als einmal müssen wir über eine Minute warten, um über eine Straße zu kommen. Inzwischen weiß ich, wir haben auch noch die Rushhour erwischt.

Welcome back to School

Nach dem Sport machen wir uns frisch und starten Richtung Schule. Es ist nicht weit. Vor einem grauen Gebäude bleiben wir stehen. Die Türen sind noch zu. Um 8:30 Uhr sollten wir da sein, es ist 8:25 Uhr. Nach einigen Minuten kommen eine Frau und ein Mann auf uns zu. Beide wirken extrem klischeehaft wie Pädagogen. Sie sind etwas über Dreißig. Sie hat einen Kurzhaarschnitt und trägt eine Haremshose und ein Oberteil aus grobem Stoff in verschiedenen Grün- und Rottönen, die vermutlich aus einem Öko-Textilladen stammen. Er trägt einen Jeans, T-Shirt und Vollbart und hat eine Kiste in den Armen. Sie grüßen uns auf spanisch, sperren auf und heißen uns auf einer Terrasse Platz zu nehmen.

Das Gebäude wirkt von der Straße aus sehr klein, ist innen aber deutlich größer. Es gibt zwei Klassenzimmer, einen kleinen Lichthof, Toiletten und einen große offenen Küche im Erdgeschoss. Die Küche ist von einem Tresen umgeben. Die Rückwand des Gebäudes fehlt, so dass die Küche zum Garten hin offen ist. Vor der Küche ist Schotter im Garten verteilt. Darauf steht ein kunterbuntes Sammelsurium aus Tischen und Stühlen. Der ganze Bereich ist mit Plexiglas überdacht, durch das die Sonne herein scheinen kann. Dahinter liegt der eigentliche Garten. Links und rechts stehen hohe Stauden von Strelizien, die hübsch gelb und rot blühen. In der Mitte des Gartens liegt ein Pool umgeben von Rasen.

Im hinteren Bereich des Gartens gibt es Liegestühle und eine Sitzecke. Es wirkt gemütlich.

Die Sitzecke im Garten ist lustig zusammengewürfelt

Unsere Mitschüler in Merida

Nach und nach füllt sich die Schule. Wir lernen ein weiteres Pärchen aus Deutschland kennen, die seit einem halben Jahr in Nordamerika unterwegs sind. Dazu kommt ein australischer Medizinstudent, Eine Kanadierin und eine Britin. Außerdem läuft noch ein älteres Pärchen herum, das sich jedoch etwas abseits von den jungen Leuten gesetzt hat und gemütlich Kaffee trinkt.

Der Einstufungstest – kommt mir spanisch vor!

Einer nach dem anderen wird nun aufgerufen und einzeln in ein Klassenzimmer gebracht, um die Vorkenntnisse zu prüfen. Als ich dran bin, bin ich ziemlich nervös. Ich komme in den Raum und fünf Leute sehen mich prüfend an. Mein Herz pocht und meine Hände werden feucht. Schüchtern schaue ich in die fremden Gesichter. Alle hier sind noch relativ jung, im Schnitt so um die dreißig.

“Hola” spricht mich der erste an. “Hola” antworte ich vorsichtig. Einer nach dem anderen beginnt Fragen auf spanisch zu stellen. Ich nehme zumindest an, dass es Fragen sind, ich verstehe nämlich überhaupt nichts. Sie versuchen mir etwas auf die Sprünge zu helfen. Ich kann erraten, dass sie wissen wollen, wie ich heiße und woher ich bin, aber mehr als raten ist es dann auch nicht. Etwas frustriert werde ich nach weniger als zwei Minuten wieder entlassen und gehe zurück zu den anderen. Zum Glück berichtet jeder, dass es ihm genauso geht.

Unsere erste Klasse

Ich lande mit Max, den anderen beiden Deutschen und dem Australier in einer Anfängerklasse. Unser Lehrer heißt Miguel, hat eine seltsame politische Einstellung, mag Fahrräder, hat einen Hund und schläft regelmäßig mit seinen Schülerinnen. Er macht seinen Job als Lehrer sehr ordentlich, ist nett und wir lernen schnell die ersten Sätze um uns vorzustellen.

Wir brauchen ein Kabel

Nach der Schule laufen wir noch kurz in die Stadt, weil Max ein Kabel möchte, um den Laptop am Fernseher anschließen zu können. Dank der Erklärung von Miguel, wo wir einen Laden finden landen wir schnell in einer kleinen Mall, mit dutzenden Händlern und Elektrozubehör. Irgendwie scheinen alle Läden so ziemlich das Selbe zu verkaufen. Max fragt einfach mal bei einem Stand nach. Mit dem Handy können wir schließlich erklären was wir suchen. Der junge Verkäufer schickt seinen Kollegen los das rote Kabel zu holen. Es ist dann auch das richtige.

Motivationsdifferenzen

Motiviert wie ich bin, setze ich mich nach der Schule hin, strukturiere mir den Stoff und die Grammatik und vertiefe mich für den restlichen Nachmittag in die neue Sprache. Max ist bereits beim Abendessen grummelig, als wir schließlich ins Bett gehen ist seine Laune ziemlich mieß. “Das macht so keinen Spaß” erklärt er.

Mir war ja bereits im Vorfeld klar, dass Max, der kompletter Autodidakt ist und zu Schulzeiten eher ein selten gesehener Gast war, gewisse Probleme mit der Schule haben dürfte. Dass er bereits am ersten Abend damit anfängt auf stur zu schalten, schockt mich dann allerdings doch etwas. Ich, die stets Streberin war, tu mich schwer das nachvollziehen zu können. Es wird nicht der letzte Konflikt zu diesem Thema sein, den wir in den folgenden Wochen austragen.

Dienstag

Der zweite Schultag ist toll, das Lernen am Vortag hat mir sehr viel gebracht und es macht Spaß sich bereits ein wenig in einer neuen Sprache verständigen zu können. Es sind zwar nur banale Dinge wie zu Fragen wo die Toilette ist, aber man bekommt ein Gefühl wieder selbst ein wenig mehr sein Schicksal in der Hand zu halten und weniger auf Fremde Hilfe angewiesen zu sein.

Nachmittags laufen wir durch die Stadt und arbeiten ein bisschen an unseren YouTube-Videos. Ich verkneife mir das Lernen bis auf eine Stunde und fühle mich miserabel dabei. Max ist jedoch deutlich entspannter als gestern.

Mittwoch

Der Umfall-Unfall im Garten

Der nächste Morgen beginnt entsprechend auch mit besserer Stimmung. Das Wetter ist jedoch nicht so gut drauf und es beginnt zu regnen als wir beim Frühstücken sitzen.

Wir machen uns fertig für die Schule. Unser Schlafzimmer ist in einem anderen Gebäude als das Wohnzimmer. Max geht kurz vor mir hinüber. Gerade steht er in der Schlafzimmertür und sieht mir entgegen. Ich flitze also los durch den Garten, um nicht nass zu werden. Ich ziehe den Kopf ein und spüre wie Regentropfen lauwarm auf meinen Kopf klatschen. Auf dem Beton im Garten haben sich bereits kleine Pfützen gebildet.

Als ich am hinteren Gebäude ankomme und einen Schritt auf den dortigen Estrich mache passiert es. Meine feuchten Füße finden auf den glatten Boden keinen Halt und schlittern ohne mich weiter. Ich falle hinten über. Ich merke nur, dass ich falle doch bin ich zu schnell, um noch reagieren zu können. Erst schlägt mein Po hart auf, dann knallt die Schulter auf den Boden. Zuletzt merke ich einen Schlag auf den Kopf.

Ehe ich die Situation begriffen habe kniet Max neben mir und zieht mich an sich. Er ist kreidebleich. “Ist alles okay?” fragt er immer wieder besorgt. Er begutachtet mich kritisch und hält mich dabei fest umschlungen, als würde er fürchten ich könnte sofort wieder umfallen.

Zum Glück habe ich mich beim Fallen leicht gedreht. So tut mir vor allem die Schulter weh. Dass ich auf den Kopf gefallen bin, stört mehr mein Ego als, dass es wirklich weh tut. Trotzdem bin ich ein bisschen neben der Spur. Ich befreie mich etwas unbeholfen aus Max Armen und rapple mich auf. Er lässt mich nur widerwillig los und beäugt mich weiter kritisch. “Es ist alles okay” versichre ich ihm betreten und reibe mir die Schulter. Er lässt mich trotzdem nicht aus den Augen, bis wir schließlich zur Schule aufbrechen. Er ist ungewöhnlich ruhig heute.

Katerstimmung in der Schule

In der Schule herrscht ebenfalls betretene Stimmung. Die beiden anderen Deutschen und der Australier waren letzte Nacht saufen und haben einen Kater. Sie sitzen ziemlich blass im Unterricht und sind recht wortkarg. Mir ist kalt und ich habe mich in meine Regenjacke gekuschelt. Ein bisschen Kopfschmerzen habe ich nun doch. Miguel unser Lehrer steht etwas frustriert vor der Klasse und weiß nicht so recht, was er heute mit uns anfangen soll.

Den restlichen Tag bin ich nicht wirklich zu gebrauchen und ich kuschle mich aufs Sofa. Der Fernseher hat Netflix. Ich weiß nicht wessen Account es ist, aber er funktioniert.

Donnerstag

Auch der Donnerstag beginnt wieder mit Schule. Wir arbeiten Nachmittags ein bisschen, viel zu erzählen gibt es jedoch nicht.

Freitag

Der letzte Tag der ersten Spanischwoche. Miguel unsere Lehrer legt sich nochmals richtig ins Zeug und wir beenden den Schultag voller Zuversicht der Sprache noch her zu werden.

Unsere Klasse im Garten der Schule

Wir gehen Abends aus – Restaurant

Für Abends verabreden wir uns mit ein paar Klassenkameraden in einem Restaurant. Es heißt Hermana Republika und soll wohl so eine Art Geheimtipp für Merida sein. .

Wir laufen ungefähr 20 Minuten dorthin und stehen dann vor einem unscheinbaren kleine Laden. Es gibt eine Bar, der Boden hat Schachbrettmuster, es stehen kleine Tische herum. Die Decke ist sehr hoch. Als wir den Laden betreten, merken wir jedoch wie groß er ist.

Hinter dem Zimmer, das man von außen einsehen kann folgt ein weiteres, dann ein Garten und dann ein weiteres Gebäude, das zum Garten hin offen ist. Unsere Schulkameraden sitzen im Garten. Im hinteren Teil spielt eine Band ziemlich laut Elvis-Songs. Der Sänger ist ziemlich gut.

Wir begrüßen die Runde. Es sind die beiden Hamburger Janina und Lennart (ig: vonstpauliumdiewelt) und der Australier Nat aus unserer Klasse. Dazu kommen noch die Britin Victoria und die Kanadierin Chanel. Es ist eine lustige Gruppe. Victoria erklärt uns, was für sie zu einem richtigen britischen Frühstück gehört. Sie mag besonders den Erbsenbrei Mashy Peas (gesprochen “Muschi pees”). Als wir sie darüber aufklären wie missverständlich das für einen Deutschen ist, läuft sie erst einmal tief rot an. Wir lachen alle herzlich.

Das Essen hier ist gut, aber die Portion dürfte größer sein. Das Bier ist allerdings günstig.
Max und ich sind jedoch keine Biertrinker und kommen daher nicht wirklich auf unsere Kosten.

Ein Teller

Mein Abendessen – hübsch aber etwas wenig

Wir gehen Abends aus – Kneipe

Als die anderen noch in eine Bar weiterziehen wollen, sind alle außer uns gut angetrunken. Die Bar in der wir landen ist gestopft voll. Es läuft laute Salzamusik und im vorderen Bereich tanzen alle. Der hintere Bereich besteht auch hier aus einem offenen Garten. Auch dort stehen die Leute dicht an dicht.

An den Wänden sind tolle Graffiti, in den Bäumen sind bunte Lichter. Wäre es nicht so verdammt laut und voll wäre es richtig nett. Wir fühlen uns etwas deplatziert. Die anderen sind dicht genug um sich noch wohl zu fühlen.

Wir beschließen den geordneten Rückzug anzutreten und gehen heim ins Bett.

Selbst die leeren Tische waren voll, die Besitzer waren lediglich beim Rauchen.

Samstag

Wir schlafen heute aus – Das heißt Max schläft bis um sieben. Wir haben geplant heute eine kleine Stadttour zu machen. Mit den Leuten aus unserer Klasse klappt es nicht, also ziehen wir alleine los. so richtig Lust auf Museen haben wir nicht, daher bummeln wir vor allem durch die Läden. Schließlich landen wir in einer der Prachtstraßen von Merida und dort in einem riesigen Wallmart. Das ist dann auch ganz nett.

Am frühen Abend maldet sich Janina, die Hamburgerin und frag, ob wir am nächsten Tag mit zu den Cenoten nach Homun fahren wollen. Da sagen wir nicht Nein!