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Datum: 18.10.2018 | Ort: Varadero & Trinidad

Der Wecker klingelt um 5:30 Uhr. Zum ersten mal wach bin ich um 2:30 Uhr. Max weckt mich um 5:10. “Du siehst müde aus,” stellt er fünf Minuten später fest, als ich gerade Zähne putze. Mein zerzaustes Spiegelbild und ich, würdigen ihn keines Blickes.

Wir machen uns fertig und laufen voll bepackt los. Hinten der Backpack, vorne der Daybag. Ich komme mir vor wie ein sehr schwangeres Kamel. Ich kann auch nur deshalb laufen weil ich sonst in alle Richtungen gleichmäßig umfallen müsste. Wir haben eindeutig noch zu viel Zeug dabei. Insgeheim nehme ich mir vor, keine Klamotten nachzukaufen, wenn etwas kaputt geht. Es ist faszinierend wie weit man sein Leben entrümpeln kann und trotzdem noch zu viel hat.

Es dauert keine fünf Minuten, da kommt zum Glück bereits ein Taxi. 5 CUC will er für die Fahrt zur Viazul Station. Für ihn ein Bombengeschäft am frühen Morgen. Für uns bedeutet es nicht mehr schleppen zu müssen. Das Taxi ist ein Kleinwagen, vermutlich aus den 60ern. Der Kofferraum ist mit unseren Backpacks voll, es gibt keine Gurte und die maximal 50 PS schnaufen ordentlich, um uns auf Tempo zu bringen.

Der Check In bei Viazul

Als wir die Station erreichen sitzen vor dem Haus schon etliche Kubaner auf dem Randstein und warten auf ihren Bus. Wir laufen an ihnen vorbei zu der Tür auf der Viazul steht. Im hinteren, schöneren Bereich, brennt nur auf einer Seite des Raumes Licht. Im dunklen Bereich sitzen vier Leute. Ein spanisch sprechendes Pärchen und zwei Mädels aus Deutschland. Alle sind noch zu müde für Konversation. Mehr als ein kurzes “wo fahrt ihr hin?” “Trinidad” “ah, wir steigen in Santa Clara schon aus” ergibt sich daher nicht.

Nach und nach füllt sich die Wartehalle. Irgendwann taucht die ältere Dame vom Vortag auf und schaltet erst einmal das Licht an. Ein ganzer Raum müder Menschen zuckt zusammen und richtet sich mit leisem Stöhnen auf. Die altere Dame setzt sich auf ihren Stuhl und schläft ein.

Derweil fährt draußen ein Bus vor. Er sieht aus als wäre die Lackfarbe der zentrale Bestandteil, der den Rost zusammenhält.
Der Kartenschalter wird geöffnet. Am Rande bekommen wir mit, dass sich auch Leute, die bereits ein Ticket haben noch einmal anstellen. Also stelle ich mich einfach auch mal an. Man weiß ja nie. Als ich dran komme, tippt der Herr irgendetwas in den PC. Der uralte Nadeldrucker kratzt vor sich hin und meine Reservierung wird in ein Busticket getauscht. Platz 4A und 4B haben wir zugeteilt bekommen. Ich nehme also mein neues Papier und setzte mich wieder zu Max.

Dann beginnt das Einladen. Jeder Koffer wird von der alten Dame mit einer Koffermarke versehen und ein Herr lädt sie ein. Wir haben unsere Rucksäcke vorsichtshalber in die Transporttaschen gepackt. Man weiß ja nie. Wir bekommen die Abrisse der Koffermarke und nach einigem Herumstehen können wir einsteigen.

Ein Herr beim Einsteigen kontrolliert unsere Tickets. Platznummer 4A und 4B müssten irgendwo in der Front des Busses sein. Verwirrt schauen wir uns um. Der einzige Platz der in Frage kommt wäre neben dem Kontrolleur, doch dort steht bereits ein Rucksack. Ich schaue Max ratlos an. Dem Fahrkartenkontrolleur wird das zu dumm und er raunzt uns unfreundlich auf spanisch an. Ich verstehe nur spanisch und schaue nun ihn verwirrt an. Er zetert vor sich hin und guckt böse. Da mir das noch immer nicht hilft meinen Platz zu finden folge ich Max, der notgedrungen nach hinten durchgelaufen ist. Ein deutsches Pärchen, das bereits hinten im Bus platzgenommen hat schaut uns in vorbeigehen an und meint „Wir haben uns auch einfach irgendwo hingesetzt“. So machen wir es dann auch. Der Bus wird nicht einmal halbvoll und bis wir tatsächlich abfahren vergehen noch mehr als 20 Minuten. Grund zum Stress gibt es also keinen.

Die Fahrt mit Viazul von Varadero nach Trinidad

Die Straßen auf Kuba sind schlecht und voller Schlaglöcher. Die Fahrt ist extrem ruckelig. Mein Fitnesstracker zählt ganz begeistert 37 Stockwerke und 14.000 Schritte. So aktiv war ich beim Busfahren noch nie. Ein Gang des Busses quietscht ganz fürchterlich, die Kupplung ist wohl auch nicht mehr die Beste.
Draußen ziehen dabei schöne Landschaften vorbei. Es gibt riesige Kuhweiden, die häufig mit Kakteen oder zahlreichen großen Ananaspflanzen eingezäunt sind. Oft wurden auch frische Äste als Pfosten für die Zäune verwendet und haben inzwischen wieder ausgetrieben. Dort stehen nun lange Baumreihen in der Landschaft. Dort wo es sumpfiger wird, begleiten weiße Kraniche die Kühe über die Wiesen. Zunächst halte ich es noch für einen Zufall. Doch man sieht es regelmäßig. Ein Kranich und eine Kuh, die gemeinsam über die Wiese laufen.

Neben uns im Bus sitzt ein Mitfahrer, dem das frühe Aufstehen offenbar gar nicht liegt. Er verschläft beinahe die ganze Fahrt – allerdings hat er sich stündlich einen Wecker auf dem Handy gestellt. Er ist prinzipiell der letzte im Bus der davon wach wird und ihn ausschaltet. Ich schlafe auch ein bisschen, allerdings nie länger als eine Stunde am Stück.

Wir fahren durch Santa Clara und Cienfuego. Eigentlich hätten beide Orte auf unserer Reiseliste gestanden. Santa Clara wirkt etwas langweilig. Cienfuego hat eine schöne breite Hauptstraße mit einer Allee aus Bäumen. Wirklich reizen auszusteigen kann die Stadt uns allerdings nicht.

An einer Straßenecke in Cienfuego machen wir eine nette Entdeckung. Ein Handyladen bietet neben Reperatur und Verkauf von Handys auch die App-Installation als Leistung an. So lebt es sich also ohne flächendeckendes Internet.

Nach einer ordentlich langen Fahrt kommen wir endlich in Trinidad an. Zu kalt war es im Bus entgegen der Berichte, die ich gelesen hatte übrigens nicht. Eigentlich war er sogar recht angenehm temperiert für meinen Geschmack. Für den Durchschnittsmenschen wäre es daher vielleicht sogar ein bisschen zu warm.

Unser erster Eindruck von Trinidad ist: ‚Ach herje sind die Straßen scheiße‘. In Deutschland kennt man Kopsteinpflaster, hier kennt man längliche Steine die im Abstand einiger Zentimeter lose in den Boden gesteckt sind. Vielleicht waren die Straßen mal besser, aber ich wüsste nicht wirklich wie das mit dieser Konstruktion funktionieren sollte. Daher rattert, schaukelt und schnauft der Bus ordentlich als es den letzten Anstieg zur Bushaltestelle hinauf geht und wir werden kräftig durchgeschüttelt. „Jippy, Schrittziel erreicht!“ freut sich mein Fitnesstracker.

Der Busbahnhof von Trinidad ist relativ groß, es gibt einige Buchten in denen mehrere Busse halten können. Wir parken natürlich quer davor. Vor dem Busbahnhof warten bereits circa 50 Menschen, die gut erkennbar laminierte Ausdrucke mit Bildern von Wohnungen oder der Beschriftung Taxi in Händen halten. Ein Metalldraht fungiert als Absperrung, um sie erst einmal aus dem Busbahnhof draußen zu halten.

Wir steigen aus und holen unsere Taschen. Meine Hülle ist nass, vermutlich Kondenswasser. Ich bin sehr froh den Rucksack eingepackt zu haben, er ist nämlich nicht wasserdicht.

Öffentliche Toiletten in Kuba

Bevor ich mir die Horden von Touristenfängern antun kann, gehe ich auf die Toilette. Als ich sie betrete, hält die Putzfrau erst einmal die Hand auf: schon klar, ohne Trinkgeld läuft hier gar nichts. Ich gebe ihr einen CUC, vermutlich hätte es auch weniger getan, aber ich habe kein anderes Kleingeld zur Hand. Sie nickt zufrieden und zeigt auf eine der beiden Klokabinen. Die Kabinen sind vielleicht 120cm hoch und aus Alu. Mann kann sich im Stehen also problemlos darin unterhalten. Im Sitzen ist man gerade so verdeckt. Das Klo selbst ist sehr niedrig und hat weder Klobrille noch Klodeckel. Absperren kann man die Kabinen nicht, dafür gibt es aber die Putzfrau als Türsteherin im Preis inklusive. Eine Klospülung gibt es auch nicht. Die Putzfrau hat aber einen Eimer mit Wasser. Sauber ist es allerdings. Das Waschbecken vor der Toilette hat sogar fließend Wasser UND Seife!
In der anderen Kabine steht eine weitere Touristin, die mir freundlich auf Englisch erklärt, dass sie die einzige Klorolle hier habe. Sie gibt mir freundlicherweise ein Stück ab.

Diese und mehr skurrile Erlebnisse in Kuba haben wir für dich hier gesammelt: 5 Dinge, die du an Kuba nach deinem Urlaub hassen wirst

Unsere Casa Particulars in Trinidad

Als ich das Klo verlasse finde ich Max umringt von einer Horde menschen, die ihm ihre laminierten Handouts unter die Nase halten. Er unterhält sich ganz angeregt mit ihnen. Natürlich sind alle Wohnungen komplett zentral, haben moderne Klimaanlagen, sind direkt in der Nähe und gut zu Fuß zu erreichen und gratis WLAN gibt es NATÜRLICH auch überall.

Mir persönlich ist es recht egal wo wir landen, ich gehe eh davon aus, dass wir uns einige Unterkünfte ansehen werden. Daher folgen wir dem nächstbesten, einem jungen Kerl und ich hoffe inständig, dass er nicht zuweit ab vom Schuss wohnt, denn mein Gepäck ist nach wie vor schwer.

Er stellt sich uns vor. Der Name ist für deutsche Ohren allerdings so ungewöhlich, dass ich ihn mir nicht merken kann. Er zeigt in gelegentlich in die ein oder andere Richtung und nennt Schlüsselpunkte der Stadt. Der Weg zu ihm heim ist fast komplett mit fürchterlichen Steinen gepflastert, über die man bei jedem Schritt fällt. Vermutlich ist das Teil des UNESCO-Kulturerbe und eine lukrative Einnahmequelle für das örtliche Krankenhaus. Als wir in die Straße abbiegen in der unser Begleiter wohnt wird schnell klar: Das ist keines der besseren Viertel.

Das Haus ist unscheinbar von außen, innen aber schön und gepflegt. Wir haben zwei Zimmer zur Auswahl, beide sollen je 20 CUC pro Nacht kosten. Max, der mit mehr kalkuliert hatte, findet es super. Die Zimmer sind relativ klein und finster, die Klimaanlage ist aus der Steinzeit, aber sie wirken brauchbar. Also bin ich einverstanden zu bleiben. Wie lange wir bleiben halten wir uns aber erste einmal offen. Unser Gastgeber stellt uns seine Frau vor. Sie ist einen Kopf größer als er und hat ein sehr ansteckendes Grinsen. Beide sind vermutlich noch gut unter 30. Im Haushalt wohnen außerdem der gemeinsame Sohn und ihre Mutter.

Wir duschen und richten uns in unserem Zimmer kurz ein, dann gehen wir Essen. Wir hatten ein nettes Restaurant in einer alten Mauer auf dem Herweg entdeckt.Kurze Zeit später wissen wir allerdings, dass das Essen dort mehr als enttäuschend ist.

Erste Eindrücke von Trinidad

Nach dem Essen laufen wir ein bisschen durch die Stadt. Das fürchterliche Kopfsteinpflaster ist allgegenwärtig. Die Straßen haben Löcher, Wasserrinnen und Fußfallen ohne Ende und man kann sich hier an den meisten Stellen nur bewegen, wenn man den Blick streng nach unten richtet. Es dauert ein paar Tage, bis man heraus hat, wie man am besten unbeschadet herumläuft.

Was auffällt ist, dass in Trinidad im Vergleich zu Vinales viele Einheimische Leben. Es ist wirklich eine lebendige Stadt. Die Straßen sind voll, laut und bunt. Straßenmusiker sehen wir allerdings keine. Am Plaza Mayor gibt es dafür Unmengen an Leuten, die einem Taxis und Pferdetouren andrehen wollen.

Zurück in der Unterkunft lernen wir Faith kennen. Sie ist Amerikanerin und spricht etwas Spanisch. Unser Gastgeber hat sie gerade ebenfalls am Busbahnhof aufgegabelt. Er erklärt uns nun, welche Ausflüge man in der Gegend machen kann. Faith dolmetscht für uns. Wir entscheiden uns am nächsten Tag eine Fahrradtour nach Playa La Boca und Playa Ancon zu machen. Faith möchte mit den Pferden eine Tour zu einem Nationalpark mit Wasserfall machen.

Wir gehen zum Abendessen in die Stadt. Das Lokal ist schön, das Essen ist enttäuschend.

Zurück in der Unterkunft versuche ich zu schlafen. Obwohl ich hundemüde bin, tue ich fast kein Auge zu. Die Klimaanlage macht auf niedriger Stufe gefühlt gar nichts, im besten Fall heizt sie noch und es wird wahnsinnig schwül. Auf höherer Stufe wird es eiskalt und selbst mit zwei Decken friere ich noch erbärmlich. Von der Lautstärke, die an eine Waschmaschine im Schleudergang erinnert will ich gar nicht anfangen. Daher schlafe ich in dieser Nacht so gut wie gar nicht.

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