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Datum: 14.10.2018 | Ort: Varadero

Eigentlich hatten wir geplant unseren Jetlag heute mal zum Guten zu nutzen und nochmals den Sonnenaufgang zu filmen. Doch natürlich haben wir genau heute verschlafen. Kurz vor sechs wache ich auf. Zu spät um noch zu dem tollen Aussichtspunkt zu laufen. Zudem hätten wir dafür aufstehen müssen. Wir beschließen den Tag etwas ruhiger angehen zu lassen und bleiben bis 8 liegen. Gegen 9 machen wir uns auf den Weg zum Einkaufszentren mit WLAN-Hotspot, um mal wieder ein Lebenszeichen nach hause zu senden. Ich versuche erst gar nicht hinein zu kommen. Nicht einmal bei Max funktioniert das Internet heute richtig. Aber es reicht, um ein paar Nachrichten abzusetzen und den Wikipedia Artikel über Martanza aufzurufen. Nach kurzer Lektüre beschließen wir diesen Programmpunkt auszulassen.

Der Strand von Varadero: Teil 2

Mittags gehen wir an den Strand. Das Wasser liegt azurblau vor uns. Beinahe still ist es heute, lediglich die Oberfläche kräuselte sich leicht. Ich baue eine kleine Sandburg.
Wir planschen, schwimmen, tauchen und machen Selfies im Wasser. Ein junger Mexikaner bittet uns ein Foto von ihm zu machen. Er ist aus Mexico City. Wie Max hat er eine GoPro mit Sprachsteuerung. Die zwei verstehen sich sofort wortlos in der Freude über ihre schönen Spielzeuge. Weil es gar so toll ist machen wir gleich noch ein Gruppenfoto. Da stehe ich also an der Seite zweier erwachsener Männer, die beide vollkommen enthusiastisch ihre Kameras anbrüllen. Ich bin mir nicht ganz sicher wie ich damit umgehen soll.
Wir versuchen einige Insider-Infos über Mexiko Stadt von unserem neuern Bekannten zu bekommen, aber er spricht zu schlecht English und flüchtet überfordert.

Als wir weiter baden, berührt etwas meine Hand im Wasser. Ich bin ungefähr eine Millisekunde davon entfernt kreischend aus dem Meer zu flüchten. Da sehe ich den Übeltäter unter Wasser. Es ist einen kleinen Fisch. Er ist ca. 15 Zentimeter lang, schmal, silber und hat große schwarze Augen und eine schwarze Spitze an der Rückenflosse. Er starrt meinen Fuß an. Ich starre ihn an. Ich denke an die Fische in Kambodscha, die an jeder Straßenecke den Touristen für ein paar Dollar die Hornhaut von den Füßen knabbern.
Der Fisch beäugt meinen Fuß weiter. Zwei Artgenossen gesellen sich zu ihm. Ich warte nur darauf, dass sie sich auf mich stürzen. Ihre Münder sehen allerdings recht harmlos aus.
Hin und hergerissen zwischen Neugierde und Angst beobachte ich die drei. So richtig interessant scheinen diese meinen Fuß dann aber doch nicht zu finden – außer wenn ich mich bewege. Das Rätsels Lösung ist, dass sie im Sand, den ich aufwirble nach Futter suchen. Damit komme ich klar. Wir sind jetzt Freunde. Irgendwann scharen sich ca 10 Fische im mich. Ich fühle mich sozial akzeptiert.

Die Sonne steigt weiter und zwingt mich schließlich meinen Schwarm zu verlassen. Wir gehen zurück ins Hotel. Gerädert von der Sonne und dem Meer dösen wir am Bett. Dort schlägt Max auch meinen bisherigen Solitärrekord. Ich bin nachhaltig frustriert. Ein ordentlicher
Sonnenbrand tut sein übriges. Daher bin ich nun etwas grummelig und verbringe deutlich zu viel Zeit damit zu versuchen Max’ Rekord zu schlagen. Vergeblich.

Sonnenuntergang in Varadero

Am späten Nachmittag ziehen wir wieder los um den Sonnenuntergang zu filmen. In erster Linie wollen wir ihn natürlich angucken. Aber die Kamera stört dabei ja nicht. Max akute Sandphobie und mit dem Sonnenbrand neuerworbene Angst vor der Sonne gestalten den Aufbau allerdings etwas schwierig. Der erste Ort wäre schattig genug, allerdings sieht man dort die Sonne nicht, der zweite hat zu viele Leute, der dritte zu wenig Schatten.
Nachdem die Kamera endlich steht, die Decke endlich liegt und irgendwie alles voll Sand ist, wollen wir romantisch den Sonnenuntergang genießen. Es dauert genau drei Minuten, da zieht eine große Wolke vor die Sonne. Nach und nach verlassen die Leute den Strand und siehe da, die Kamera steht genau vor einem Schleichweg zum nächsten Hotel. Alle Leute laufen uns direkt durchs Bild. Der Durchgangsverkehr ist nicht nur lästig sondern auch unromantisch. Wir brechen ab. Hunger haben wir inzwischen sowieso.

Abendessen in Varadero

Wir gehen wieder in das Lokal La Vacaria, in dem wir vor zwei Tagen den Kampf Hahn gegen Katze verursacht hatten.
Als wir da sind ist es bereits dunkel. Wir wählen einen Platz aus an dem das Licht kaputt ist und vegetieren müde im Halbdunkel vor uns hin. Ich bestelle das vegetarische Paella Menü, Max das Hühnchen. Noch bevor unser Essen kommt schauen eine Katze und zwei Hunde an unserem Tisch vorbei.

Das Paella Menü besteht aus einem Kaltgetränk, einer sehr guten Gemüsesuppe, einer Paella und einem Kaffee. Die Paella ist zwar nur ein gelber Gemüsereis, aber sie ist mit Unmengen von Knoblauch gewürzt. Nach inzwischen drei Tagen ohne wirklich Geschmack am Essen bin ich extremst davon angetan. Die Portion ist sehr groß. Unser junger Kellner spricht zwar rudimentär Englisch, ist aber dermaßen unsicher dabei, dass er sich kaum an unseren Tisch traut. Dabei sind wir eigentlich echt nett.
Zur Nachspeise gibt es einen echten kubanischen Espresso (laut Karte). Eigentlich bin ich kein großer Kaffeetrinker, trotzdem finde ich ihn gut. Er schmeckt sehr herb vorne auf der Zunge aber kaum bitter im Hals und überhaupt nicht sauer. Er erinnert mich etwas an dunkle Schokolade.

(Keine) Ermüdungserscheinungen

Auf dem Heimweg läuft sich Max in den Flip-Flops eine Blase. Außerdem hat er einen ziemlichen Sonnenbrand. Ich fürchte mein Reisepartner zeigt erhebliche Auflösungserscheinungen und das ausgerechnet hier, wo ich doch so schnell keinen Ersatz auftreibe. Naja was tut man nicht alles als guter Backpacker: zusammenflicken und hoffen, dass er noch ein bisschen hält.

Ich liege bis beinahe zwei Uhr Nachts wach – kubanische Zeit. Vermaledeiter Espresso. Erschöpft aber wach, wälze ich mich von rechts nach links. Als abzusehen ist, dass es mit dem Schlafen in absehbarer Zeit nichts wird, hole ich mein Handy. Nur fünf Stunden nach den Zubettgehen habe ich Max Solitärrekord gebrochen und kann endlich schlafen.

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