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Datum: 30.10.2018 | Ort: Vinales

Arbeit muss ja auch mal sein

Für heute haben wir nach der gestrigen Action einen ruhigen Tag geplant. Nach dem morgendlichen Dehnen des Muskelkaters vom Vortag, das inzwischen zum festen Ritual geworden ist, gibt es Frühstück in der Unterkunft. Es ist gut, aber mit 5 CUC zwar das teuerste aber auch das kleinste Frühstück das wir bisher in einer Unterkunft hatten. Allerdings ist das jammern auf hohem Niveau, denn es gibt Spiegelei, Brot, Käse, extrem gutes Obst, einen Bananensmoothie, Kaffee, Tee und Kakao. Der Kakao ist allerdings leicht gesalzen – das als Hinweis, falls ihr mal hier sein solltet.

Nach dem Essen verziehe ich mich mit meinem Laptop auf die Terrasse, um die Eindrücke der letzten Tage aufzuarbeiten. Balu, der kleine Pekinese leistet mir dabei Gesellschaft und leckt meine Füße ab, bis er von Frauchen zu einer Auszeit verdonnert wird und dann im zusammengerollten Gartenschlauch eindöst.

So vergeht der Großteil des Nachmittags. Max arbeitet auch einige Zeit am Laptop, döst ein bisschen am Bett, dann leistet er mir auf der Terrasse Gesellschaft. Um doch noch irgendetwas zu tun heute, gehen wir in die Stadt. Primäres Ziel ist es Geld abzuheben. Als wir den einzigen Geldautomaten erreichen, den wir in Vinales kennen, steht vor der Bank bereits eine Menschentraube. Ein Typ hat vor der Bank, neben dem Geldautumaten einen Tisch, ein Mischpult und Boxen aufgebaut und schmeißt eine spontane Party. Sein Publikum steht zwar Großteils einfach herum und guckt, aber an Geldabheben ist gerade nicht zu denken.

Der botanische Garten von Vinales

Zum Essen ist es noch zu früh. Max hat die Idee einen Abstecher in den Botanischen Garten in der Nähe zu machen. Der Eintritt ist laut Internet nur 1 CUC, das macht die Reisekasse mit.

Wir kommen zu dem Garten und stehen erst einmal vor einem verschlossenen Tor. Aufgeschnittene Grapefruits hängen daran, eine schimmelt. Etwas unsicher ob geöffnet ist, betreten wir den Garten. Zwei Touristinnen, die gerade mit einem jungen Kerl reden, winken uns zu herein zu kommen. Die Beiden gehen und der junge Kerl kommt zu uns. Er begrüßt uns in gebrochenem, stark vernuscheltem Englisch. Er Trägt ein Cappy der deutschen Nationalmannschaft mit vier Sternen und dazu eine Jacke von Real Madrid.

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube er stellt sich als Antonio vor. Vielleicht geht mir auch einfach dieser Name nicht mehr aus dem Kopf. Er erklärt uns, dass die Führung und der Garten gratis sind, wir aber gerne am Ende im Restaurant noch etwas trinken oder ein Trinkgeld dalassen können. Eine faire Sache finden wir.

(Ich belasse es jetzt mal bei) Antonio beginnt uns durch den Garten zu führen. Bei vielen Pflanzen rattert er einfach die lateinische Bezeichnung herunter. Viele davon kennt man in Deutschland als Zimmerpflanzen. Ein paar Pflanzen hebt er allerdings besonders hervor, zum Beispiel den ‚Devils Tree‘, einen Baum mit knubbeligen Auswüchsen, die an Hörner erinnern. Aus ihm wird eine Art Aspirin hergestellt erklärt er.

Wir sehen verschiedene Obstbäume, von denen ich noch nie gehört habe und deren Namen ich mir so schnell nicht merken kann. Wir sehen aber auch Mangobäume, Kakaopflanzen, Kaffeebäume. Dazwischen macht Antonio immer wieder kleine Witze oder erzählt kompletten Blödsinn um zu testen, ob wir ihm noch folgen. sein absoluter Liebligswitz ist offenbar ein toter Baum auf den Bierdosen gesteckt sind. ‚Beer Plant‘ nennt er ihn stolz.

Er ist wahnsinnig bemüht seine Sache gut zu machen und uns für den Garten zu begeistern. Außerdem müssen wir unbedingt den Canchánchara probieren, einen Cocktail den man nur in diesem Park aus einer frischen Grapefruit bekomme. Es klingt gut, aber vor dem Abendessen auf nüchternen Magen schon wieder saufen ist mir persönlich gerade zu hart.

Am Ende der Führung bekommen wir noch einige Schoten gezeigt und ein Stückchen Ananas zum Probieren. Natürlich lassen wir Antonio ein Trinkgeld da.

Auch in Kuba wird es kalt

Danach gehen wir zum Abendessen. Max ist heute etwas unentschlossen was er will. Da es für mich vermutlich eh nur wieder Reis oder seltsame Pizza gibt, bin ich recht ambivalent. Am Ende landen wir im EL Olive, das mediterrane Küche verspricht. Ich gebe den Cannelloni mit Spinat eine Chance. Max isst Hühnerpaella. Es ist beides nicht schlecht aber etwas fade. Meine Portion hätte etwas größer sein können.

Danach chillen wir uns noch ein bisschen ins WLAN. Dann passiert jedoch etwas, womit wir in Kuba nicht direkt gerechnet haben. Wir frieren. Der Winter kommt eben auch nach Kuba. Yummy hatte erzählt, dass die Temperaturen bis 15°C fallen können. Jetzt im Moment hat es vermutlich noch gut und gerne 25°C. Nachdem wir uns inzwischen an Temperaturen um die 30°C gewöhnt haben ist das schon kalt. Frösteld gehen wir zurück in die Unterkunft. In Deutschland fällt derzeit der erste Schnee.

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