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Datum: 11.10.2018 | Ort: Varadero

Jetlag in Kuba und ein ungeplanter Nachtspaziergang

Der Tag beginnt früh. Um 2 Uhr nachts bin ich zum ersten Mal wach, um kurz nach 4 stehen wir auf. In Deutschland ist es bereits 10 Uhr. Meine Laune schwankt etwas zwischen komplett zerstört und abenteuerlustig. Doch wo wir schon wach sind, will ich auch des beste daraus machen. Wir packen unsere Kamera ein, um den Sonnenaufgang zu filmen. Draußen ist es noch komplett dunkel. Wir wissen nicht genau wo Osten ist. Wir wandern also im Dunklen durch die fast menschenleeren Straßen. Irgendwann landen wir an einer Schnellstraße und laufen diese ein Stück am Grünstreifen entlang. Es ist seltsam ein einer Autobahn entlang zu laufen und mein innerer Deutscher sträubt sich, andererseits ist der Grünstreifen an vielen stellen so ausgetreten, dass es hier recht normal zu sein scheint. Außerdem sind fast noch keine Autos unterwegs. Wir laufen eine gute halbe Stunde ziellos herum, finden allerdings keine Stelle bei der es sich wirklich lohnt stehen zu bleiben. Wo genau die Sonne aufgehen wird wissen wir auch nicht.

Hier findest du ein paar Tipps um einen Jetlag zu vermeiden.

Nach einiger Zeit kommen wir an eine Baustelle. Busse, die so aussehen, als habe man sie vor 20 Jahren verschrottet, karren Arbeiter heran. Wir laufen an ihnen vorbei und ernten irritierte Blicke. Der Himmel beginnt sich langsam zu verfärben. Wir suchen nun etwas schneller nach einer geeigneten Stelle. Immerhin wissen wir jetzt schon einmal die Richtung in der wir suchen müssen. Wir laufen die Hauptstraße von Varadero hinab. Rechts und links von uns sind noch alle Fenster dunkel. Irgendwann stehen wir wieder vor der Schnellstraße und überqueren sie. Noch immer sind kaum Autos unterwegs.

Neben der Straße fällt eine Betonmauer steil ab. Unten liegen große Beton-Tetraeder. „Wenn du da runterfällst, bist du tot“ erklärt mit Max mit theatralischer Miene. Skeptisch betrachte ich den kaum zwei Meter langen Hang. Im Dunklen wirkt er wirklich etwas bedrohlich. Ich mache meine Handytaschenlampe an. An manchen Stellen ist der Beton abgesprungen. Vorsichtig arbeite ich mich im Dunkeln mit Händen und Füßen auf halbe Höhe vor. Es geht einfacher als gedacht. Ganz hinunter auf die Polder komme ich allerdings nicht, dazu ist es unten zu glitschig.

Sonnenaufgang in Varadero

Wir bauen unsere Kamera auf. Die Morgendämmerung beginnt sich gerade orange zu verfärben. Es ist malerisch. Als die Dämmerung etwas weiter fortgeschritten ist, kommen ein Stück weiter Straße abwärts zwei alte Herren, klettern leichtfüßig den Hang hinab und stellen sich zum angeln auf die Polder. Ich komme mir ein bisschen verarscht vor von ihnen.

Oben an der Straße nimmt der Verkehr derweil zu. gelegentlich laufen Einheimische an uns vorbei, die auf ihre Mitfahrgelegenheit warten und werfen uns neugierige Blicke zu.

Der Sonnenaufgang ist immer noch malerisch. Man sieht von unserer Stelle aus die Küste Kubas und die Spitze von Varadero. Ich lehne mich an Max und genieße das Naturschauspiel.

Einkaufen in Varadero / Öffnungszeiten in Varadero: Teil 1

Nachdem die Sonne endgültig über dem Horizont aufgegangen ist, ziehen wir los um uns Frühstück und Wasser zu organisieren.
Die Straßen sind noch immer weitestgehend verweist. Die Restaurants haben noch nicht offen, die Supermärkte, an denen wir vorbeikommen, haben zu. Irgendwann kommen wir an das Centro Comercial Hicacos – dem Einfaufszentrum auf Varadero. Es hat noch zu. Es ist inzwischen 8:30. Um 9:00 öffnet es. Wir beschließen zu warten.

Straßenhunde auf Kuba

Gegenüber ist ein kleiner Park. Wir setzen uns hinnein und schauen dem Treiben auf den Straßen zu, das langsam erwacht. Nach einigen Minuten kommt ein keines Rudel ziemlich heruntergekommen aussehender Hunde. Neugierig kommen sie zu uns und schnüffeln, ob wir Essen haben. Max plaudert sofort freundlich mit den Vierbeinern. Der größte im Rudel schmiegt sich freudig an sein Bein und hinterlässt dabei eine schlammige braune Spur.

Max stöhnt missmutig auf. „Hast du ein Taschentuch dabei?“ fragt er mich mit unglücklicher Miene. Ich schüttle halb zerknirscht, halb belustigt den Kopf. Max versucht sein Bein mit einem Blatt sauber zu bekommen. Doch der Schlamm hält sich hartnäckig. Das Rudel zieht weiter. Der jüngste, ein Halbwüchsiger mit von Räude zerfressenem Fell und Flöhen aber sehr nettem Gesicht bleibt jedoch und muntert uns und beobachtet uns neugierig.

Max wirft ihm sein Blatt zu. Der Kleine schnappt es sich enthusiastisch. Max wirft ein Stöckchen. Der kleine läuft begeistert hin, kommt jedoch enttäuscht zurück, als er feststellt, dass es kein Futter ist.

Wie geht man mit Straßenhunden richtig um?

Ich würde ihm zu gerne etwas geben, aber wir haben selbst nichts dabei. Mein Magen knurrt. Kurz nach neun gehen wir zum Shoppingcenter. Unser neugewonnener vierbeiniger Freund geht artig bei Fuß. Wir laufen ein wenig im Center herum, sehen uns alles an. Hundi ist begeistert dabei.

Einkaufen in Varadero / Öffnungszeiten in Varadero: Teil 2

Wir gehen in einen Supermarkt und sehen uns um. Der Markt ist groß mit langen Regalreihen. Sie sind gefüllt mit immer den gleichen Produkten. Drei Meter einer Tomatensoße in der fünf-Liter-Dose, ein Meter Ladenfläche je Putzmittel, die Auswahl ist gering und hätte wohl mit Leichtigkeit auch in einen Tante-Emma-Laden gepasst.

Wir sind bereits circa fünf Minuten im Laden, wollen eigentlich gerade mit zwei Flaschen Wasser zur Kasse gehen, als ein Angestellter auf uns zukommt und uns in gebrochenem Englisch mitteilt, sie hätten noch nicht geöffnet, wir sollen bitte gehen – oder wie er es ausdrückt: „No boss, No boss. We closed. You go“. Verdattert verlassen wir ohne unser Wasser den Laden. Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist inzwischen gut halb zehn. Wann der Laden tatsächlich aufmachen würde, ist nicht abzusehen. Hundi empfängt uns freudig. Als er jedoch unsere leeren Hände sieht, beschließt er sich anderweitig Begleitung zu suchen.

Unser Magen knurrt, wir haben Durst. Wir sind gerade etwas ratlos. Ziellos streifen wir durch die Mall. An einer Ecke ist ein Laden, der WLAN-Zugänge verkauft. Darin stehen bereits einige Leute. Wir gehen hinein, stellen uns an, warten bis wir an der Reihe sind. Als wir dran sind, erklärt Max auf Englisch, dass wir gerne zwei WLAN-Zugänge hätten. Die Dame am Schalter verzieht das Gesicht, sucht nach den richtigen Worten. „Not open, just people here“. zeigt auf sich ihre Kollegin und die anderen Leute im Laden. Nicht offen also. Wir verlassen den Laden fluchtartig, genervt, frustriert, irritiert. es ist kurz vor zehn. In der Mall laufen noch immer Leute mit Besen umher. Auf jeder Tür prangen groß die Öffnungszeiten ab 9:00.

Wir machen uns unverrichteter Dinge auf den Rückweg zu unserer Unterkunft. Die farbenfrohen Oldtimer können uns gerade nicht begeistern.

Unterwegs kommen wir erneut an dem Supermarkt vorbei, der groß SOLO CUP an der Tür stehen hat. Wir versuchen dennoch unser Glück. Im Eingangsbereich steht eine große Tafel mit dem CUP-CUC-Wechselkurs. Das sieht vielversprechend aus. Wir kaufen einen 6-Pack 1,5-Literflaschen Wasser, Kekse und Vollkornzwieback. Das Wasser kostet 1 CUC je Flasche – halb so viel wie im Laden am Vortag. Zahlen können wir übrigens wie selbstverständlich in CUC – Die Preise im Laden sind soweit vorhanden überhaupt ausschließlich in CUC ausgezeichnet.

Stolz wie Oskar erfolgreich Nahrung gefunden zu haben, schleppen wir unsere Ausbeute in unsere Unterkunft. Ein bisschen versöhnt mit der Welt und Kuba futtern wir unser zwar spärliches, dennoch leckeres Frühstück.

An dieser Stelle fragt ihr Euch vielleicht, warum wir nicht einfach frühstücken gegangen sind. Ja, es gibt zahlreiche Restaurants in Varadero, die Frühstück anbieten. Es sieht auch alles ganz brauchbar aus und die Preise sind moderat (ca 1-2 CUC für Rührei oder Omlet). Auch unsere Unterkunft bietet für 5 CUC Frühstück an. Allerdings bringen wir beide aus Deutschland etwas Bürospeck mit und lassen es daher für den Anfang essenstechnisch ganz gerne mal etwas langsamer angehen, zumal die kubanische Küche nicht unbedingt durch ihre gesunde Kost besticht.

Der Strand von Varadero

Wir bleiben einige Zeit in der Unterkunft, spielen Handygames und dösen. Als die Mittagssonne nicht mehr ganz so arg herunterbrennt, packen wir unsere Sachen und gehen zum Strand. Der Weg dorthin ist nicht weit. Varadero ist ja nur 150m breit. An der zu Kuba geneigten Seite endet die Insel mit einer Schnellstraße, auf der nach Amerika zeigenden Seite kommt eine Baumreihe und dahinter der Strand.

Wir laufen die Straße hinab bis wir zwischen den Bäumen ankommen. Vor uns stehen Palmen und ein großer, leicht knorriger Baum mit großen Blättern, der den Strand beschattet. Dahinter liegt weißer Sand soweit das Auge reicht und der endlose azurblaue Ozean. Mir stockt der Atem bei diesem Anblick. Es ist wunderschön. Ich stehe also am recht leeren Strand, habe Freudentränchen in den Augen und kann gar nicht aufhören mich umzusehen. Ich bin noch ein bisschen mehr versöhnt mit Varadero.

Wir baden einige Zeit, das Wasser ist angenehm warm. Der Strand fällt nur ganz gemächlich ab und man kann auch noch sehr weit draußen stehen – genau das Richtige für mich. Wir planschen in den Wellen, ich baue einen Sand-Schneemann. Es ist toll. Dann hole ich für meinen Schneemann eine Blüte als Mütze. Plötzlich habe ich eine stehenden Schmerz im Fuß. Ich humple ein paar Schritte, setze mich in den Sand und nehme meinen Fuß unter die Lupe. Mehrere kleine stachelige Kugeln stecken darin. Ich ziehe sie vorsichtig heraus. Widerhaken hängen sich sofort in meine Finger. Jetzt bekomme ich sie nicht mehr von der Hand los. Es ist ein fürchterliches Gepfriemel, bis sich sie los habe. Bei genauerer Inaugenscheinnahme entdecken wir, dass es die Samen von Gräsern sind, die zwischen den Bäumen überall wachsen. Aua.

Kokosnüsse in Varadero kaufen

Nach dem Strand laufen wir noch etwas die Hauptstraße entlang. Plötzlich entdecken wir einen Laden, der junge Kokosnüsse, riesige Mangos und Kochbananen verkauft. Wir kaufen zwei Kokosnüsse (je 2 CUC). Als wir die Kokosnüsse bei herrlichem Sonnenschein unter Palmen trinken, gewinne ich langsam den Eindruck, dass es mir doch gefallen könnte, dieses neue Leben.

Zum Abendessen gehen wir ins gleiche Restaurant wie am Vortag – La Fondue. Die Suppe ist nach wie vor gut, die Bohnen im Salat schmecken wieder irgendwie ranzig – genau wie der Käse.

Unser Tag endet damit, dass wir bereits um sieben Uhr gegen die Müdigkeit verlieren und einschlafen.

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