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Datum: 10.10.2018 | Ort: München-Varadero

Abreise aus Deutschland

Der Tag beginnt kurz vor 6 mit einem klingelnden Wecker. Anders als an anderen Tagen fällt es mir nicht sehr schwer aus dem Bett zu kommen. Es ist gar nicht wirklich Vorfreude, eher Aufregung die mich heute Nacht schlecht schlafen ließ und mir schwer im Magen liegt.

Max neben mir grummelt er habe heute Nacht ganz fürchterlich geschlafen. Unsere Laune ist eher gedrückt. Der wenige Schlaf und die vielen Abschiede der letzten Tage liegen uns schwer in den Knochen.

Wir gehen unsere Packliste nochmals durch, prüfen die Wohnung.
Chris, ein Freund der uns zum Flughafen fahren soll, kommt eine viertel Stunde früher als verabredet. Mit zerknirschter Miene steht er da und sieht uns beim Packen zu. Er hat uns Donuts zum Frühstück mitgebracht. Wir sind gerührt aber viel zu aufgeregt um etwas zu essen.

Chris’ kleiner Suzuki Swift ist mit drei Personen und vier Rucksäcken vollgepackt bis unters Dach. Die Fahrt verbringe ich größtenteils schweigend auf dem Rücksitz während die Männer vorne über geschäftliches diskutieren.

Draußen ist es nebelig. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Die Straße verschwindet noch im Kegel der Scheinwerfer im dunstigen grau. Wir wissen zwar wo es hingehen soll aber wir sehen noch nicht was vor uns liegt. Mir gefällt die Metapher.

Als wir am Flughafen ankommen geht langsam die Sonne auf. Im Zwielicht packen wir unsere Koffer auf einen Gepäckwagen, machen noch ein paar Fotos, dann können wir den Abschied nicht weiter hinauszögern. Es fließen ein paar Tränen. Ich muss mich zusammenreißen, wie eigentlich immer seit einigen Tagen, um nicht loszuschluchzen.

Wir drücken Chris zum Abschied und gehen mit hängenden Schultern zum Check In.

Der Check In und der Security Check verlaufen reibungslos.

Wenig später sitzen wir am Gate, gerädert, rastlos, ausgelaugt. Ein bisschen fragen wir uns vermutlich beide, warum wir das eigentlich machen. Wir kennen allerdings beide die Antwort: Rauskommen aus dem Hamsterrad.

Wir machen ein paar Selfies, posten unseren Abflug auf Facebook und Instagram. Danach sind wir beschäftigt Nachrichten von Freunden zu beantworten die sich verabschieden. Das wehmütige Gefühl wird dabei nicht weniger.

Die nächsten zwei Stunden verbringen wir abwartend, meist schweigend. Dann wird unser Flug aufgerufen. Wir sehen uns vielsagend an. Der Point of no return ist gekommen. Um uns herum drängen sich nervöse und gut gelaunte Urlauber.

Ich greife nach Max Hand. Er lächelt mich aufmunternd an und drückt meine Hand sanft. Hand in Hand laufen wir den Gateways hinab.

Fliegen mit Eurowings

Dem Flugzeug sieht man an, dass man in einem Low Budget Flug ist. Es ist nicht schäbig, aber es ist auch nicht dafür ausgelegt den Fluggast in irgendeiner Weise zu imponieren.

Wir haben einen Platz am Notausgang. Da ich sonst nichts zu tun habe, studiere ich die Evakuierungsanleitung und erkläre Max, wie die Tür im Notfall geöffnet wird.

Uns gegenüber nimmt eine Stewardess Platz.

Neben uns sitzt eine russische Familie mit einem Halbwüchsigen und einem Säugling.

Wir fahren sehr lange mit dem Flugzeug umher, bis wir auf dem Rollfeld sind. Derweil nimmt am Infomonitor vor uns die Entfernung zu Varadero um zwei Kilometer ab.
Wir kommen mit der Stewardess ins Gespräch. Sie erzählt uns ein bisschen von ihrem Job. Wir erzählen ihr von unseren Reiseplänen. Sie ist beeindruckt, will am liebsten mitkommen. Nach dem Start verschwindet sie die meiste Zeit. Der Flug verläuft reibungslos, ohne große Turbulenzen. Trotzdem ist mir ein bisschen schlecht vom Geschaukel. Das Boardentertainment kostet 10 € extra, hat aber einige Filme, die ich noch nicht kenne. Vier an der Zahl schaffe ich, obwohl ich dazwischen immer wieder Pausen mache.

Du willst unseren Erfahrungsbericht zu Fliegen mit Eurowings lesen?

Einreise in Kuba

Als wir das Flugzeug in Matanzas verlassen, kommt uns eine Wand schwüler Luft entgegen. Personal in gelben Warnwesten steht auf der Gangway und sieht uns ungeduldig entgegen. Der Flughafen selbst ist schmucklos, einfach. Es gibt keine Anzeigetafeln oder Lautsprecherdurchsagen, nur eine Wand mit Türen und Nummern und mehrere lange Schlangen davor.

Was gibt es bei der Einreise nach Kuba zu beachten?

Wir reihen uns ein und warten. Die Warteschlangen bewegen sich so langsam, dass ich erst nach zwanzig Minuten merke, dass überhaupt gelegentlich Leute aufgerufen werden.

Ein Herr deutet, dass wir auch die Schlange für die Einheimischen nutzen sollen. Wir wechseln also die Reihe. Weitere lange Minute verstreichen. Gelegentlich bringt ein Mitarbeiter des Flughafens Leute vorbei und stellt sie vor unsere Schlange.

Wir haben uns vorgenommen langsam zu reisen, erinnern wir uns gegenseitig mehrmals. Nach 40 Minuten sind wir endlich dran und beinahe resigniert.

Die Einreise und der Security Check laufen problemlos ab. Auch unsere Koffer finden wir beinahe auf Anhieb wieder. Wir holen sie aus ihren Flugzeugsäcken und laufen vollbepackt Richtung Ausgang. Fast draußen, hält uns eine Dame in Uniform auf und fordert uns auf unsere Gepäck-Tags vorzuzeigen. Verdutzt halte ich ihr meinen zerknautschen vor die Nase, den ich eben abgerissen hatte und nun eigentlich in den nächsten Mülleimer entsorgen wollte.

Max beginnt nervös seine Taschen zu durchsuchen. Als er den Zettel dort nicht findet, schmeißt er mir seinen Rucksack vor die Füße und eilt zurück zum Gepäckband. Ich schaue die Dame zerknirscht an. Sie beobachtet Max mit einer Mischung aus strengem Ernst und heimlicher Belustigung. Mit einem gespielt grimmigen Knurren und einer tadelnden Handbewegung zeigt sie Max nachein paar Minuten vergeblicher Suche, dass er gehen kann.

Mit dem Taxi vom Flughafen nach Varadero

Wir flüchten aus den Flughafen und sagen dem ersten Taxi zu das wir sehen. Den Preis verhandeln wir nicht. Mit 35 CUC ist er komplett überteuert (zum Vergleich, die Fahrt nach Trinidad mit dem Bus kostet 20 CUC pro Person)

Das Taxi rast auf der fast leeren Landstraße dahin. Neben der Straße stehen Palmen. Ein riesiger Geier sitzt am Randstreifen. Wir sehen das Meer. Es ist sehr hübsch. Die Häuser am Straßenrand sind allesamt etwas heruntergekommen. Mein erster Eindruck von Varadero ist gemischt. Ich weiß nicht genau was ich davon halten soll. Einerseits ist es hübsch und idyllisch, andererseits touristisch und irgendwie abgefuckt (verzeiht den Ausdruck).

Unsere Unterkunft in Varadero

Die letzten Meter zu unserer Unterkunft müssen wir wegen Kanalarbeiten laufen. In der kompletten Straße hat jedes Haus ein ‚Room for rent‘ an der Tür stehen. Wir kommen an die Haustür. Eine alte Dame sitzt auf der Veranda in einem Schaukelstuhl. Sie bedeutet uns zur anderen Türe zu gehen und holt ihre Tochter oder Schwiegertochter. Auf dem Gartenweg sonnt sich eine ganze Gruppe kleiner Eidechsen. Sie sind oben braun unten weiß. Als wir kommen springen sie auf, rollen ihren Schwanz ein und flitzen davon. Dabei stemmen sie sich mit ihren kleinen Beinchen erstaunlich weit hoch – eher wie ein Maus als eine deutsche Eidechse. Sie sind fürchterlich niedlich wie sie da mit ihren Ringelschwänzchen aufgescheucht herumsausen.

Der Hund des Hauses, ein Yorkshire-Terrier lässt uns nicht zum Zimmer bevor wir ihm nicht ausgiebig den Bauch kraulen.

Die Unterkunft sieht anders aus als auf den Bildern. Ich bin ein bisschen verwirrt ob wir auch richtig sind. Unser Zimmer ist nicht luxuriös nach europäischen Standards, aber für uns mehr als ausreichend. Es gibt ein Bett, bei dem man leicht den Lattenrost spürt, das aber toll aussieht, aufwendig aus Holz gefertigt, mit geschnitzten Schnörkeln, gebogenen Beinen und glänzendem Stoff um Kopfteil.

Die dazu passende Kommode mit riesigem Spiegel steht an der Wand. An der Decke hängt ein goldener Kronleuchter. Es gibt einen Ventilator neben dem Bett, eine Klimaanlage und einen Fernseher. Ich teste den Fernseher aus Neugier. Er hat vier Kanäle. Auf drei laufen Talkshows auf dem vierten eine Doku in der dauernd der gleiche Baum und das gleiche alte Wagenrad gezeigt wird.

Das Bad ist rot gefliest und zweckdienlich. Die Armaturen haben ihre beste Zeit hinter sich und wirken auf den ersten Blick etwas schäbig. Im Gegensatz dazu stehen dann jedoch wieder die aufwändigen Fliesen und das Waschbecken aus echtem Stein. Es ist ein Kontrast der uns hier noch öfter begegnen wird, zwischen antik nobel und alt abgeranzt.

Einkaufen und Abendessen in Varadero – Der erste Versuch

Nach dem Einchecken gehen wir los um Getränke zu organisieren. Etwas verloren stehen wir auf der Hauptstraße. Wir gehen los Richtung Festland. Der einzige Supermarkt den wir finden hat ein Schild an der Tür, dass er nur CUP akzeptiert, die Einheimischen Währung. Wir haben nur CUC und ziehen unverrichteter Dinge wieder ab.

Wir laufen die Straße zuruck und gehen im La Fondue essen. Für mich gibt es auf der Karte eine Vorspeisensalat und eine Suppe. Mehr Vegetarisches haben sie nicht. Max ist Schwein mit Käse. Die Suppe ist gut. Der Salat besteht aus geraspeltem Kürbis, Bohnen aus der Dose und Avocado. Dazu ein paar Stücke Käse. Die Avocado ist gut.

Wir fragen den Kellner wo wir Wasser kaufen können und er verweist uns auf einen Laden gleich um die Ecke. Während wir beim Essen sitzen fängt es an zu regnen – erst ein bisschen, dann irgendwann sintflutartig. Ein Ende des Regens ist nicht in Sicht. Irgendwann wird es uns zu doof zu warten und wir flitzen zu dem Laden. Der Regen ist warm und nass. Als wir beim Laden ankommen sind wir bereits gut durchweicht. Auch hier steht wieder ein Schild an der Tür SOLO CUP. Wir probieren es trotzdem, gehen in den Laden, fragen ob wir mit CUC zahlen können.

Die Kassiererin und ihr einheimischer Kunde schauen uns an als wären wir doof. Sie reden kurz miteinander, der Kunde erklärt das sei kein Problem. Wir zahlen 2 CUC pro Flasche kaltes Wasser. Da Preise nicht ausgeschrieben sind und wir später Wasser günstiger bekommen, zahlen wir dabei wohl auch einen gewissen Touristenzuschlag mit.

Regen in Varadero

Draußen haben sich indes große Pfützen gesammelt. Wir eilen zurück zur Unterkunft. Plötzlich nimmt der Regen noch weiter zu. Wir stellen uns vor einem Hotel unter und sehen zu wie die Straße, die vor dem Hotel eine Senke hat, langsam im Wasser versinkt.

Es hört schier nicht auf zu schütten. Als es wenigstens mal ein bisschen nachlässt, nutzen wir die Gelegenheit zurück zur Unterkunft zu eilen.

Als wir dort ankommen sind wir komplett tropfnass – also fast. Meine Hose hat unterhalb meines Pos einen trockenen Streifen. Ich komme mir vom Wetter etwas gedisst vor.

Wir gehen duschen und fallen anschließend erschöpft ins Bett. Es ist gerade einmal 19:00 Uhr Ortszeit – ein Uhr nachts in Deutschland. Wir schlafen sofort ein.

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