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Datum: 12.10.2018 | Ort: Varadero

Am zweiten Tag auf Kuba schlafen wir immerhin bis um kurz nach vier. Wir bleiben allerdings bis kurz nach fünf liegen.

Viazul in Varadero

Gegen acht laufen wir los zu Viazul-Station. Viazul ist neben Transtur das große Busunternehmen Kubas. Hier werden Fernverbindungen zwischen den großen Städten angeboten.
Nach einem Fußmarsch von einer guten dreiviertel Stunde, der uns durch ganz neue Viertel von Varadero führt, erreichen wir in einer unscheinbaren Nebenstraße den Busbahnhof. Davor lungern Horden von Taxifahrern und Taxi-Collectivos, die und die Preise zu verschiedenen Zielen ungefragt entgegenschreien. Wir ignorieren sie.

Die Busstation ist seltsam. Vor dem blauen Gebäude, das von der Form etwas an eine deutsche Feuerwache erinnert, stehen unzählige Bänke aus Marmor auf einem verwilderten Rasen mit ungepflegten Büschen dazwischen. Im Eingangsbereich hängen Informationen aus, allerdings lediglich auf Spanisch. An einem heruntergekommenen Schalter steht eine Reihe von Leuten. Daneben ist ein Schalter an dem ein großes Schild mit der Aufschrift INFORMACION prangt. Wir stellen uns hin. Der Herr schaut uns an und deutet nach rechts. Wir stellen uns missmutig in der Schlange rechts am Schalter an. Als ich mich umblicke entdecke ich an einer Seitentür ein gutes Stück weiter rechts die Aufschrift Viazul. Wir stehen also offenbar am falschen Schalter.
Wir gehen durch die Seitentür und kommen in einen schwülen Raum mit Metallbänken, die an ein Fußballstadion, oder eine Bushaltestelle erinnern. Dazwischen stehen Zimmerpflanzen. An der Wand hängen leicht schrumpelige Tafeln mit Abfahrtszeiten für verschiedene Strecken. Es wirkt auf den ersten Blick etwas unübersichtlich.

Auf einer Bank sitzt eine älteren Dame in schwarzem Kleid und macht Kreuzworträtsel. Unter ihrer schwarzen Langhaarperücke lugt ihr schlohweißes Haar hervor. Max spricht sie freundlich auf Englisch an, erklärt, dass wir für den kommenden Mittwoch gerne eine Fahrt nach Trinidad reservieren wollen. Wir haben beide glaube ich nicht wirklich erwartet, dass sie Englisch sprechen würde, und sie tat es auch nicht. Wir sollen auf irgendjemanden warten, der zum Kassenhäuschen kommen würde, erklärt sie mit Händen und Füßen. Wann er kommen wird, bleibt dabei unklar. Ein weiteres Touristenpärchen kommt in den Raum und reserviert bei ihr in gebrochenem Spanisch eine Fahrt für morgen. Mehr als die Fahrten für morgen scheint sie auch nicht auf ihrem Block zu haben. Wir warten also. „Wir müssen endlich Spanisch lernen,“ stellt Max trocken fest.

Nach ca 10 Minuten kommt ein Herr und geht ins Kassenhäuschen. Halb in Englisch, teilweise mit dem Kalender vom Handy schaffen wir es uns verständlich zu machen, wann wir wo hinfahren möchten. Es gibt zwei Fahrten an diesem Tag – 7:25 und 14:30. Im Hinblick auf unseren noch immer gut funktionierenden Jetlag entscheiden wir uns für die frühere Fahrt. Die Fahrt kostet 20 CUC per Person, wie erhalten eine Bestätigung, auf der alle Informationen irgendwie draufstehen. Der Busfahrer würde dann unsere Namen bereits haben, erklärt der Herr in brauchbarem Englisch.

Der beste Foto Spot in Varadero

Hoch motiviert verlassen wir die Busstation. Ich werfe einen Blick über die Schnellstraße. Von hier aus hat man einen tollen Blick über sowohl die Spitze von Varadero als auch die Spitze von Kuba. Dunst liegt am Horizont über dem stillen Ozean und lässt Himmel und Wasser zu einer einzigen blauen Fläche verschwimmen. „Davon brauche ich ein Foto“ erkläre ich Max. Wir gehen zur Straße und entdecken etwas unterhalb einen Jetsky-Händler. Das Gelände außen herum ragt ein gutes Stück ins Meer hinnein. Auf einer Seite grenzt es eine kleine Bucht von der restlichen Brandung ab. Der Ausblick hier ist umwerfend. Das Wasser ist zwar dreckiger als auf der Standardseite von Varadero, aber noch immer klar genug, um einen kleinen Fischschwarm dabei beobachten zu können, wie er einen Tintenfisch frisst. Der Ort scheint beliebt bei Feierwütigen zu sein, denn in dem zerfurchten Gestein am Ufer liegen überall Scherben

Internet in Varadero

Wir machen uns auf den Rückweg zur Unterkunft. An der Hicacos Mall machen wir halt. Wir kaufen zwei WLAN-Zugänge, um uns mal wieder zuhause zu melden und ein erstes Bild auf Instagram zu posten. Irgendetwas muss man schließlich auch dafür tun, um sich selbst Blogger zu nennen. Ich brauche geschlagene 10 Minuten, um das erste mal eine stehende Verbindung zu bekommen. Max neben mir schimpft derzeit, dass seine Emails so langsam laden. Ich schaffe es 7 Textnachrichten in WhatsApp abzusenden und vier zu empfangen. Max checkt derzeit Emails, Google Analytics, posten mehrere Bilder auf Instagram und chattet mit vier Leuten gleichzeitig. Ich hingegen bleibe kaum mehr als eine Minute am Stück im Netzwerk und brauche jeweils wieder mindestens drei Versuche um wieder hinein zu kommen. Als Max‘ Stunde Verbindungszeit aufgebraucht ist, bleiben mir noch immer 50 Minuten. „Mein Internet war wirklich sau langsam.“ Stellt Max missmutig fest. Ich lache gequält auf und drücke ihm meinen Karte mit meinem WLAN-Zugangscode und dem Restguthaben in die Hand.

Der restliche Rückweg wird ein Spießroutenlauf von Schatten zu Schatten. Die Sonne knallt mit ihrer ganzen Wucht vom Himmel und reizt unsere bereits angebrannte Haut noch weiter. Komplett ausgelaugt von der Hitze und Sonnenbrand kommen wir im Hotel an. Nach einer kurzen Dusche fallen wir aufs Bett und schlafen ein.

Abendessen in Varadero

Am späten Nachmittag raffen wir uns zu einem erneuten Strandspaziergang auf. Wir verbinden das Schöne mit dem Nützlichen und laufen den Strand ein gutes Stück hinab zu einem Restaurant, das wir am Morgen gesehen hatten, das La Vacaria.
Während wir auf das kubanische Essen warten, schließt Max Freundschaft mit zwei Katzen, die dort herumstreunen. Derweil werden wir skeptisch von einem Hahn und einer besonders großen Ringelschwanz-Eidechse beäugt. Es ist faszinierend wie all diese Tiere hier nebeneinander herumlaufen und sich dabei vollkommen gegenseitig in Ruhe lassen. Es gibt in dem Lokal kein einzelnes vegetarisches Essen, nur ein vegetarisches Menü. Ich bestelle mir daher Gemüsereis (3 CUC), Reis mit Bohnen (1,5 CUC) und frittiertes Gemüse (0,5 CUC). Das gekochte Gemüse war aus. Ich bekomme drei stattliche Portionen – Reis mit Paprika und Stangenbohnen, Reis mit schwarzen Bohnen und einen riesen Portion frittierte Kochbananen. Eine ausgewogene Ernährung geht anders, aber ich werde gut satt. Max isst Hühnchen und ist davon sehr angetan. Die Katzen, die noch immer um uns herumschleichen und das ein oder andere flaxige Stück abbekommen, sind ebenfalls sehr angetan. Seltsam wird es als der Gockel die Katzen vertreibt und sich selbst ein großes Stück Hühnerfleisch sichert. Die Henne, die er im Schlepptau hat, trägt gar ein Stück Knorpel davon, das sogar der Katze zu groß war. Wir sehen dem kannibalistischen Pärchen verdutzt nach.

Wir laufen am Strand zurück. Hinter uns geht die Sonne langsam unter und färbt den Strand orange, pink und lila. Ich strahle über beide Backen, weil der Anblick so schön ist.

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