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Datum: Sonntag 13.01.2019 | Ort: San Pedro & Caye Caulker

Es geht weiter

Am Morgen werde ich davon wach, dass unsere Gastgeber im Wohnzimmer den Fernseher laut aufgedreht haben. Nachdem unser Zimmer nur wenige Meter entfernt liegt und die Tür offen ist, weil man sonst darin erstickt, werden wir ordentlich beschallt. Nunja es ist ja zum Glück die letzte Nacht hier. Max und ich klopfen beide auf Holz, dass unsere nächste Unterkunft wieder ein Fenster hat.

Wir stehen gemütlich auf und packen unsere Sachen. Max hat so ein bisschen die Planungswut gepackt und er will am liebsten bereits das nächste halbe Jahr vorbuchen. Zunächst einmal prüfen wir jedoch ob unser ESTA bewilligt ist, damit wir nach Jamaika über Miami fliegen können. Es ist bewilligt stellen wir erleichtert fest.

Jetzt fragt er mich welche Orte in Jamaika er alles buchen soll und wie lange wir an verschiedenen Orten in Guatemala bleiben. Überhaupt ist die Frage ob wir nur zehn Tage in den USA bleiben sollen oder doch lieber gleich einen Monat. Wohin könnten wir denn dann in den USA noch reisen. Ich sitze einige Zeit schweigend neben ihm und schaue ihm zu wie er Ortsnamen auf Google Maps liest. “Lass mich erstmal schlau machen, was wir vor Ort ansehen können und wollen, dann wissen wir auch wo wir hin wollen und für wie lange!”, schlage ich vor. Max versucht zu diskutieren und sucht ein Hotel in Kingston Jamaika heraus, das er unbedingt buchen möchte. Ich zucke die Schultern und nicke. Fünf Tage in Kingston werden wir schon irgendwie herumbekommen. Übrigens haben wir auch als Reiseblogger nicht den grenzenlosen Wissensschatz über alle möglichen Ziele, wir googeln das auch und fragen uns durch!

Weiterreise von San Pedro nach Caye Caulker

Gegen mittag fährt uns Willy zum Hafen. Als uns Juanita verabschiedet , könnte man den Eindruck bekommen, dass wir seit Jahren enge Freunde der Familie sind. Dabei haben wir uns kaum kennengelernt. Es fühlt sich trotzdem gut an. Wäre nur das Zimmer nicht so stickig, wäre es wohl eine unserer besten Unterkünfte gewesen.

Am Hafen müssen wir noch ein wenig warten, bis wir auf das Schiff können. Ich lese einen Zeitungsartikel über Kohlmeisen die Trauerschnäpper meucheln, da es in vielen Gegenden für die Vögel akute Wohnungsnot gibt. In Gegenden wie München können das vermutlich auch die meisten Menschen nachvollziehen. Max versucht derzeit ein tiefgreifendes Gespräch über Belize zu beginnen. Ich erzähle ihm von Gartenvögeln. Er gibt irgendwann auf

Die Fähre ist nur halb voll. Es sind viele Einheimische hier. Im Gang sitzt ein junger hochgewachsener Rastafari, der dutzende silberne Ketten und glitzernde Ringe trägt und versucht extrem lässig zu wirken. Als die Luke vor ihm im Boden nochmals geöffnet werden muss, ist ihm jedoch deutlich anzumerken wie unsicher er ist. Dabei muss er einfach nur seine Beine wegtun. Als die Luke wieder geschlossen wird, greife ich zu ihm hinüber und rette seinen Rucksack davor eingeklemmt zu werden.

Die Expressfähre hat ordentlich Tempo. Als sie los fährt habe ich das Gefühl in einem startenden Jet zu sitzen. Die strecke für die wir am Vortag mit dem Segelboot noch eine halbe Stunde gebraucht haben, machen wir heute in unter zehn Minuten. Am Vortag führen wir 6 bis 8 Knoten also zwischen ungefähr 12 – 15 kmh somit fährt die Fähre zwischen 40 – 50 kmh, falls es jemanden interessiert.

Unser erster Eindruck von Caye Caulker

Unser erster Eindruck von Caye Caulker ist etwas gemischt. Zunächst einmal müssen wir suchen wie wir an unser Gepäck kommen. Das ist etwas nervig und schlecht ausgeschildert. Aber so etwas sind wir gewohnt. Als wir endlich unsere Rucksäcke wieder haben, gehen wir auf die Insel. Bereits auf den ersten Blick fällt auf, dass mehr junge Leute unterwegs sind. Es fahren weniger Golfcarts. Dadurch ist die Insel leiser. Es gibt auch keine gepflasterten Straßen. Die Häuser sind bunter. Es gibt auch mehr Strandbars. In diesen Strandbars sind auch mehr Touristen. Ich habe den Eindruck, dass hier mehr Kurzurlauber sind und weniger Aussteiger, als auf San Pedro.

Weil es noch zu früh ist um einzuchecken gehen wir in ein Strandlokal in der Nähe. Es ist etwas günstiger, als die Lokale in San Pedro. Max bestellt sich Kartoffelbrei mit Bohnenmus und Hühnchen. Es klingt zwar etwas eigenwillig, er findet es aber gut. Ich bestelle mir ein Sandwich. Er genehmigt sich einen Gin Tonic zum Essen und grinst glücklich, als er ihn in Händen hält.

Wenn schon die Hotelrezeption furchtbar ist…

Nach dem Essen gehen wir zu unserem Hotel in Caye Caulker. Es sieht von außen chick aus. Die Rezeption liegt allerdings außerhalb des Hotels in einem anderen Gebäude. Das ist seltsam. Dort sitzt eine kleine Frau an einem etwas chaotischen Tisch in einem dunklen Kämmerchen. Als Max freundlich erklärt er habe reserviert, wird er abgekanzelt mit den Worten es sei noch zu früh, Gepäck können wir da lassen. Wir sollen in einer halben Stunde wieder kommen. Mit einem freundlichen Lächeln wäre das alles wunderbar, aber der genervte Blick und die Art wie sie es sagt, überraschen uns doch ein wenig.

Wir setzen uns ein wenig auf eine Bank in der Nähe und warten. Nach einer knappen halben Stunde gehen weitere Urlauber in das Häuschen der Rezeption. Sie werden abgekanzelt, dass sie noch nicht an der Reihe wären und Max wird herzitiert. Dann führt uns die Dame ins Hotel. Der schöne Eindruck schwindet mit jedem Meter.

Der erste Eindruck von unserem Hotel in Caye Caulker

Der Eingangsbereich ist seltsam dunkel. Ein Brunnen mit Beleuchtung spuckt verkalkt nur noch ein Rinnsal aus. Dann geht es durch einen engeren Bereich. Über unseren Köpfen hängen Klimaaggregate an den Wänden, auf der linken Seite ist eine Baustelle die halbherzig mit dreckigen Tüchern verhangen ist.

Dann kommt ein Innenhof. Er ist ziemlich dunkel und in der Mitte steht eine Bar aus Holz. An ihr hängen einige Mitarbeiter an ihren Handys und schauen nicht einmal auf, als wir vorbeigehen. Es steht Klopapier und Reinigungsmittel auf dem Tresen. Im Gang zu den Zimmern steht ein Korb mit dreckigen Handtüchern. Die Dame die voran geht, geht zu dem Zimmer direkt neben der Bar. An der Türe muss ein Code eingegeben werden. Sie fragt ohne ihre Stimme zu senken die Mitarbeiter an der Bar nach dem Türcode. Eine Mitarbeiterin antwortet ihr indem sie den Code durch den halben Hof brüllt – Safty first und so. Dann gehen wir ins Zimmer. Die Dame vom Hotel zeigt auf den Kühlschrank und das WLAN Passwort. Um 10 Uhr müssen wir aus dem Zimmer wieder heraus sein. Damit verschwindet sie wieder.

Wir schauen uns etwas verdrossen um. Zum einzigen Fenster kann das Personal am Tresen herein gucken, also ziehen wir die Vorhänge zu. Das Zimmer ist okay, abgewohnt und lieblos zwar, aber wir hatten schon schlimmere (Warte Morgen ab! Aber hey, ich habe ihm eine Chance gegeben). Trotzdem fühlen wir uns beide etwas unbehaglich. “Für 70€ hatte ich mehr erwartet” erklärt Max. 70 € pro Nacht sind wirklich viel zu teuer für dieses Hotel. “Tja, ist halt Caye Caulker” seufz Max und zuckt die Schultern.

Ich setze mich aufs Bett und es knistert komisch. Als ich mir die Matratze näher ansehe, wird mir auch schnell klar weshalb. Unter dem Spannbettlaken kommt noch ein synthetischer Schonbezug. Darunter ist die Matratze in eine Plastikfolie eingeschweißt. Atmungsaktiv ist etwas anderes.

Wir besichtigen Caye Caulker

Von den ersten Eindrücken etwas deprimiert, machen wir uns auf die Insel zu erkunden. Wir sehen bei einem Ersten Rundgang deutlich mehr Hotels und Bars als Wohnhäuser. Dafür sehen wir das Kraftwerk von Caye Caulker. In einem kleinen Gebäude wird Öl verbrannt. Überall stehen volle Fässer. Zusätzlich liegen leere Fässer herum und tropfen auf den Boden. Hier ist es ohrenbetäubend laut und stinkt. In einem Haus nur wenige Meter entfernt spielt ein Kleinkind mit Hundewelpen.

Als wir wieder am Strand ankommen sehen wir ein paar Bäume mit Hängematten und setzen uns auf eine. Direkt kommt ein Mann und fragt, ob wir die Hängematte mieten möchten. Wir lehnen ab und ziehen weiter.

Wie beschließen lieber in Richtung The Split von Caye Caulker zu gehen. Je näher wir kommen, desto mehr Touristen laufen herum. Am Split liegen und sitzen einiger herum und trinken Bier. Ein paar wenige sind auch im Wasser. Die Musik hier ist so laut, dass man sich kaum unterhalten kann. Ich glaube ich bin zu alt für den Scheiß.

Trotzdem ist es spannend zu sehn, wo der Hurricane Hattie 1961 die Insel in zwei Hälften geteilt hat. Es verläuft eine tiefe Furche zwischen den beiden Teilen. Man kann erahnen wie viel Kraft dafür notwendig gewesen sein muss.

Wir gehen nochmals zurück zum Hotel, wo wir auch bleiben bis es Zeit zum Abendessen wird. Dann gehen wir los. Max hat einen kleinen Asiaten in Tripadvisor gefunden, der gute Bewertungen hat.

Go Slow

Auf dem Weg dahin werden wir plötzlich von hinten angequatscht. Wir laufen zu schnell erklärt uns ein älterer Herr. Auf Belize gilt “Go slow”. Wir plaudern ein bisschen. Er kommt ursprünglich aus New York und hatte auch ein wenig gebraucht, um sich an das Tempo hier zu gewöhnen. Er gibt uns ein paar Tipps in welche Lokale wir gehen können. Wir bedanken uns und verabschieden uns. Er hält Max am Arm zurück und erklärt sein Gehalt komme erst Dienstag, ob wir ihm nicht ein wenig über die Runden helfen könnten. Max zückt den Geldbeutel, doch waren wir gerade erst beim Geldautomaten und haben nur große Scheine. Der Herr wiegelt ab, vielleicht nächstes Mal. Ich weiß gerade nicht, was ich davon halten soll.

Das asiatische Restaurant ist nicht sehr weit entfernt. Die Besitzerin gibt uns die Karten. Bei der Bestellung wird es allerdings kompliziert, denn sie spricht anscheinend kaum Englisch. Auch mit dem Hindeuten auf der Karte kann sie nicht so viel anfangen. Zudem stellt sie ständig Rückfragen auf einer Sprache die wir nicht verstehen – vermutlich chinesisch. Max bestellt sein Essen und sie rennt davon und schreit etwas in die Küche. Dann kommt sie wieder und wir bestellen zwei Wasser. Sie macht auf dem Absatz kehrt und geht zum Kühlschrank und bringt uns direkt das Wasser. Dann bestelle ich Gemüsereis und sie läuft direkt wieder in die Küche. Es ist etwas befremdlich.

Das Essen lässt nicht lange auf sich warten. Während wir Essen dreht die Gastwirtin den Fernseher auf. Es läuft ein Stierkampf. Ich seufze. Max schaut zuerst noch mit einer gewissen Neugierde zu, denn er hatte noch nie einen gesehen. Diese wandelt sich jedoch schnell in Unverständnis und Fassungslosigkeit ob der sinnlosen Grausamkeit. “Das Tier auf deinem Teller ist vermutlich auch nicht angenehmer gestorben”, gebe ich zu bedenken.

Währenddessen steht die Wirtin vor dem Fernseher und kichert vergnügt.

Wir zahlen und flüchten so schnell wie möglich aus dem Laden. “Solche Situationen kannst du dir echt nicht ausdenken, “ erklärt Max und schüttelt fassungslos den Kopf.

Unser Fazit nach einem Tag Caye Caulker

Wir machen noch einen kleinen Nachtspaziergang und laufen ein wenig im Ort herum. Am Strand kaufe ich mir bei einem alten Rastafari mit Gemüsestand noch einen Smoothie.

Als wir zurück zum Hotel laufen ist Max etwas geknickt. Er hatte vorab viele Reiseberichte zu Caye Caulker gelesen. Diese waren nunmal etwas zu sehr idealisiert, so dass er sich große Hoffnungen gemacht hatte. “Was sollen wir jetzt die ganze Zeit hier machen?” fragt er unglücklich. Ich denke an all meine Tagebucheinträge die noch hochgeladen werden wollen, an all die Reiseberichte die noch auf der To Do Liste stehen und zucke die Schultern: “ Uns fällt schon etwas ein!”

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