Oben

Datum: Donnerstag 10.01.2019 | Ort: San Pedro

So schnell landet man in Honduras

Ich starte den Tag etwas verkatert. Nicht, dass ich gestern getrunken hätte, nein eine spontane Nachtschicht mit neuen Blogbeiträgen hat mich etwas geschlaucht. Zumal unser derzeitiges Zimmer weder Fenster noch Klimaanlage hat und ich wegen der schwülen Luft und den Ventilatoren schlecht geschlafen habe.

Max ist schon wieder viel wacher als ich und diskutiert gerade mit Freunden, mit denen wir uns zu einem Tauchkurs treffen wollen, wann das ganze denn stattfinden soll. Sie einigen sich recht spontan auf Mitte Februar. Jetzt müssen wir uns allerdings plötzlich mit Guatemala beeilen und zudem ist der Tauchkurs in Honduras, was bisher nicht in unserer Planung war. Zudem haben wir noch immer das Problem, wie wir Nicaragua umgehen sollen. Durch Honduras wollen wir derzeit auch nicht unbedingt reisen. Beides sind sicherlich wunderschöne Länder, aber sie liegen im Moment doch zu weit außerhalb unserer Komfortzone und auch der unserer Familien daheim. Wir beschließen sie für unsere nächste Weltumrundung zurückzustellen und nur einen kurzen Abstecher dort hin zu machen.

Die Reiseplanung nimmt Gestalt an

Jetzt stellt sich die Frage wie wir von Honduras nach Panama kommen sollen. Das Internet und ein halbes Dutzend Suchmaschinen wird zu Rate gezogen. Ich bin inzwischen auch wach, aber noch leicht überfordert mit dem Tag und dem Aktionismus am Morgen.

Ich liege im Bett mit dem Handy, Max sitzt mit seinen PC am Tisch und wir vergleichen Optionen. Auf einmal fängt Max an zu lachen. Ich schau überrascht auf “ was ist?” frage ich. Er dreht sich um und grinst über beide Backen. Mir schwant Übles. “Ich hab was gefunden.” Stolz präsentiert er mir seine Route: Guatemala, Honduras, Cayman Islands, Jamaika, Miami, Costa Rica.

Ich schaue Max irritiert an: “Das ist doch nie und nimmer in Budget” erkläre ich. Er zuckt die Schultern und grinst: “Aber geil wäre es schon, oder?”. Ich muss auch grinsen und nicke gequält.

Also wird das Internet erneut befragt und Alternativen und mögliche Hotels geprüft. Wenn wir nicht durch Nicaragua reisen wollen und wenn wir Jamaika bereisen wollen, dann ist es tatsächlich eine der sinnvollsten Lösungen.

Wir sitzen einigen Sekunden schweigend vor der Kalkulation. “Komm ich buch das jetzt” erklärt Max schließlich. Ich schlage die Hände vors Gesicht und seufze angesichts des Lochs, dass es in unsere Kalkulation sprengen wird. Aber es ist schon wirklich zu verlockend. “Notfalls müssen wir nebenbei eben noch etwas mehr arbeiten!” erklärt Max ermutigend. Ich seufze und nicke. Und so schnell steht die Planung bis Ende März.

Frühstück in San Pedro

Auf den Schock müssen wir erst einmal etwas essen. Unsere Gastgeberin hat uns eine Bäckerei eine Straße weiter empfohlen. Die Zimtschnecken dort sollen sehr gut sein. Mit 4,5 Beliz Dollar sind sie allerdings auch kein Schnäppchen.

Wir laufen die huckelige Schotterpiste entlang, die zur Hauptstraße führt. Bei jedem Schritt spritzt weißer Schlamm an den Beinen hinauf. Nach einigen Metern hält plötzlich ein Golfcart neben uns und ein älterer Herr mit breitem texanischen Akzent erklärt uns wir sollen aufspringen, er nimmt uns ein Stück mit.

Er erzählt uns gut gelaunt Anekdoten von seiner Zeit hier, die wir allerdings wegen des starken Akzents nur zur Hälfte verstehen Trotzdem unterhält man sich gut und er fährt uns sogar direkt bis zur Bäckerei.

Super leckere Zimtschnecken in San Pedro

Die Bäckerei ist von außen recht unscheinbar und auch innen sieht sie nicht aus wie eine deutsche Bäckerei. Sie wirkt eher steril wie eine Lebensmittelfabrik. Auf dem Tresen stehen einige wenige Behältnisse mit Gebäck. Die Zimtschnecken sind in einer transparenten großen Plastikdose. So richtig vielversprechend sieht das nicht aus.

Wir bestellen und halten kurz darauf unsere Zimtschnecken in der Hand. Aussehen tun sie schon einmal gut. Wir packen sie ein und laufen damit los Richtung Strand. Als ich in meine hinein beiße hält mit Max die Kamera vor die Nase. Und so schnell landet man schmatzend im Internet. Aber die Zimtschnecke ist es auf jeden Fall wert!

Der Strand von San Pedro

Wir möchten uns Simkarten besorgen. Das Unternehmen hat ein Büro in der Mitte der Stadt neben der Polizei.

Da es uns an der Hauptstraße zu voll ist, gehen wir den Strand entlang. Ein richtiger Strand ist es nicht, weil man an den meisten Stellen nicht ins Wasser kann. Es gibt nur Sand und dann eine niedrige Kaimauer. Alle hundert Meter führt ein Steg ins Wasser, der allerdings eher für Boote als zum Baden gedacht ist .

Wir laufen die Kaimauer entlang und schauen neugierig ins Wasser. Einige Ausläufer des Riffs scheinen bis hierher zu gehen, denn es schwimmen zahlreiche Riffbewohner in unserer unmittelbaren Nähe herum. Wir sehen Seenadeln, Barrakudas, kleinere Fische mit Streifen und einen Rochen.

Dann bleibt Max plötzlich stehen und deutet direkt an der Mauer nach unten. “Schau mal eine Schnecke” sagt er. Ich schaue nach unten und bin sofort aus dem Häuschen. Das ist nicht einfach eine Schnecke, es ist ein Seehase, eine Aplysia. Diese werden in der neurologischen Forschung gerne eingesetzt um Konditionierung und Reflexe zu erforschen. Wir hatten früher mal eine in unserem Meerwasseraquarium und ich habe sie geliebt, aber einer der Fische hat sie getötet. Es war ein schlimmer Tag für mich. Umso mehr freue ich mich jetzt dieses Exemplar in freier Wildbahn zu sehen. Dann kommt eine Welle und die Schnecke fällt leblos von der Mauer. ich schau ihr einige Sekunden betrübt beim Dümpeln zu und geh dann schnell weiter.

Einige Meter weiter sitzt eine weitere Aplysia an der Mauer und mampft munter Algen. Sie ist handgroß, dunkelgrün und hat schwarze Ringe. Ein hübsches Tier!

Simkarten in Belize

Wir gehen weiter. Unsere Simkarten bekommen wir sehr schnell und unkompliziert und die Dame, die sie uns verkauft richtet sie uns auch gleich noch ein. Im Fernsehen in Verkaufsraum läuft derzeit eine Nachrichtensendung, die darüber berichtet, dass die Rinderfarmer mit den Drogenbaronen zusammenarbeiten.

Tauchen und Schnorcheln auf San Pedro

Wir gehen weiter und machen uns schlau wegen Bootstouren. Wir klappern ein Dutzend Anbieter ab, aber die Preise sind überall ähnlich. Ein halber Tag kostet etwa 50 US$ und ein ganzer Tag ungefähr 125 US$ bis 150 US$, je nachdem, was man sehen will. Wir diskutieren lange und vergleichen auch noch Anbieter im Internet. Schließlich buchen wir eine Tagestour. Dadurch, dass wir so lange beratschlagt haben, bekommen wir nun nur noch einen Platz auf dem Boot für übermorgen.

Die Summen die wir heute ausgegeben haben liegen mir langsam schwer im Magen. Als wir abends noch mit Freunden auf Caye Caulker reden und die uns erzählen, dass die Touren dort günstiger sind, bin ich daher noch deutlich frustrierter, als ich es im Normalfall gewesen wäre.

Günstig Essen in San Pedro

Gegen fünf gibt es das erste richtige Essen an diesem Tag. Wir finden zufällig einen kleinen günstigen asiatischen Imbiss. Dort wird eigentlich nur Essen zum Mitnehmen gekocht und er sieht wirklich etwas schäbig aus. Aber es stehen neben einigen alten Kühltruhen auch zwei Holztische darin. Wir bekommen das Essen in Mitnehmboxen, essen aber trotzdem im Laden.

Dann treten wir den Rückzug an. In der Dämmerung werden die Mücken aktiv und dann will man erst einmal nicht mehr draußen sein.

X