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Heute möchte ich einmal keinen Reisebericht schreiben, sondern vielmehr eine Erfahrung die ich in den letzten 11 Monaten Weltreise durch Süd- und Zentralamerika gemacht habe mit euch teilen.

Ich möchte auch nochmal darauf hinweisen, dass es natürlich nicht für alle Reisenden und Backpacker gilt, sondern einfach für den Großteil der Touristen, die gerade Sehenswürdigkeiten auf der Welt „entdecken“. Reisende, Influencer und Backpacker die sich durch den Artikel angesprochen fühlen – dürfen natürlich sehr gerne ihr Verhalten überdenken und vielleicht wieder anfangen den Moment zu genießen anstatt für das perfekte Selfie oder Foto über Leichen gehen.

Warum reisen wir eigentlich?

Oft habe ich mir dabei die Frage gestellt „Warum reisen eigentlich Menschen?“ Ist es die Sehnsucht etwas Neues zu entdecken (wobei Neues gibt es ja auf unserer gut erforschten Erde wahrscheinlich nur noch in der Tiefsee) oder ist es vielmehr eine Art Selbstfindung auf der sich Menschen befinden die auf Reisen gehen oder ist es doch einfach nur Zeitvertreib? Aber mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen wo ich mir diese Frage gar nicht mehr stelle – den die Antwort habe ich in den letzten Monaten oft genug gesehen und gespürt. Es sind die Sozialen Medien! Viele der Menschen denen ich in den vergangenen Monaten begegnet sind, sind eigentlich nur wegen den Fotos gereist. Hauptsache ein schönes Foto und im Hintergrund Machu Picchu. Viele der Touristen die man an den Highlights der Erde entdeckt laufen wie Blind umher und machen Fotos von allen Dingen egal ob Baum, Wand, oder Selfie – alles wird auf Foto festgehalten und dabei vergessen viele das sie an einem zauberhaften Ort sind, den man im Leben vielleicht nur einmal besucht? Dabei stelle ich mir immer wieder die Frage ob diese Menschen irgendwann vor ihren TV oder Laptop sitzen und sich die Fotos von Palmen und. Co ansehen oder ob diese Daten einfach auf irgendeiner Festplatte bzw. Cloud verstauben?

Zudem vermitteln uns, genau aus diesen Grund, die Sozialen Medien ein ganz falsches Bild vom Leben anderer Menschen. Ich beobachte den Influencer Markt sowie die ganzen Sozialen Medien aus beruflichen und privaten Interesse nun schon seit mehr als 10 Jahren ganz genau und musste für mich feststellen, dass die meisten Instagram und Facebook Accounts ein total falsches Bild von uns selbst nach Außen transportieren. Menschen posten nur noch ihre Highlights und genau deswegen denken andere Follower und Freunde das ein Leben nur noch aus Highlights besteht, denn wer postet schon ein Bild von sich wenn er mit Magen-Darm-Grippe im Bett liegt oder wenn ihm grad wieder eine Pizza im Ofen verbrannt ist, weil er gerade damit beschäftigt war sich auf Instagram zur Schau zu stellen?

Der Kampf um das perfekte Foto

In den letzten 11 Monaten habe ich Highlights wie die Iguazu Wasserfälle in Brasilien bzw. Argentinien, Buenos Aires, die Hochebenen von Bolivien, den Amazonas, den Cotopaxi und Chimborozo, Chingaza Nationalpark, den Arenal Vulkan in Costa Rica, den Acatenango in Guatemala aber auch Wasserfälle in Jamaika erlebt und Eines haben diese wunderschönen, faszinierenden und einzigartigen Orte immer gemeinsam, irgendwo steht irgendwer und versucht gerade ein Selfie zu machen bzw. ein Foto das man später dann auf Instagram teilen muss. Egal ob es mit der Hand gemacht wird oder auch mit diesen lustigen Selfiesticks, die Anstrengungen die sich diese Menschen unterziehen scheinen immer unendlich zu sein. Bis das Auge in der richtigen Höhe ist und die Lippen richtig sitzen vergeht immer einiges an Zeit! Mittlerweile gibt es bei sehr vielen Sehenswürdigkeiten extra Plätze wo man anstehen kann um dort dann ein Foto machen zu können. So wirken Orte die eigentlich von Touristenmassen nahezu überrannt werden dann doch ein bisschen wie ein Lost Place und man selbst wird zu einem Entdecker, aber Jeder der dort selbst war, weiß wie das Foto eigentlich entstanden ist. Kein Entdecker, Kein Abenteurer nur Jemand der auch mal 10 Minuten in der Schlange stehen möchte um wenigstens ein Entdecker auf dem Foto zu sein. Natürlich werden diese Selfie-Stellen bei den Sehenswürdigkeiten auch immer von einem Ordnungshüter überwacht das niemand zu viele Fotos macht und somit die wunderschöne Kulisse für sich beansprucht. Hierbei werden aber oft die Menschen vergessen die einfach nur die Kulisse genießen möchte. Sehenswürdigkeiten sind mittlerweile für die moderne Welt ausgelegt. Die ganzen Wanderwege und Strecken sind nach dem Motto „Schnell, Schnell, paar Fotos und Tschüss“ aufgebaut.

Manche Menschen begeben sich sogar in echte Lebensgefahr um ein Foto von sich machen zu können das vielleicht 10 Likes mehr bekommt in Instagram als das was vielleicht nicht lebensgefährlich gewesen wäre. In der Vergangenheit hörte man immer öfter in den Medien das Menschen ums Leben gekommen sind, weil sie versucht haben irgendwelche Klippen und Hänge zu erklimmen um ein tolles Selfie zu machen.

Als Digital Nomade, der regelmäßig den Ort wechselt, bin ich mittlerweile auch eher davon genervt, wenn bei den Sehenswürdigkeiten wieder ein ewiger Stau ist, weil Jemand gerade den kompletten Ort oder Weg wegen eines Selfies versperrt! Natürlich will man Erinnerungen haben – aber bitte nicht auf die Kosten der Menschen die den Moment genießen wollen.

Mir ist klar das man wieder lernen muss eher den Moment zu genießen als für das perfekte Foto zu kämpfen. Wir haben die ersten 3 Monate auch immer unzählige Selfies und Fotos gemacht, aber es wird besser, wenn man sich klar wird, dass es ein besonderer Moment im Leben ist. Mir ist auch klar, dass man ein Foto später durchaus als Erinnerung haben möchte, aber mir ist auch klar geworden das der Wind, der Duft, der Moment und der Ausblick in echt doch wesentlich geiler ist als das perfekte Selfie. Solche Momente und Erinnerungen sind die Momente die man in seinem Leben nicht vergisst und wir verbringen diese Momente mit dem Smartphone um das perfekte Bilder mit Jemanden zu teilen der dir nur folgt, weil du irgendwann einmal ein Bikini Bild gepostet hast oder er ein Follow / Unfollow Spiel treibt um doch ein paar Follower mehr zu generieren.

Daher unsere Frage: Was bringt dir ein Foto, wenn du den Moment nicht mal mehr genießen kannst?

Was wollen wir mit diesem Beitrag bezwecken?

Wir wollen einfach nur einmal das Ansprechen, was Oma & Opa und Mama und Papa zu dir wahrscheinlich auch sagen würden. Genießt den Moment, Genießt den Augenblick – genießt das Leben! Das findet man im Smartphone nicht und auch nicht in 1500 Instagram Likes! Dein Leben spielt sich im Kopf ab, dein Leben hast du nur einmal und du versuchst es mit anderen Menschen krampfhaft zu teilen?

Natürlich nehmen wir uns von dieser Situation mit den Sozialen Medien nicht aus – aber wir arbeiten an uns und sind uns bewusst das wir wahrscheinlich nur einmal im Leben eine Weltreise machen werden und diese sollten wir in vollen Zügen genießen.