Oben

Wie komme ich an mein nächstes Reiseziel, ist eine Frage, die einen auf Reisen andauernd beschäftigt. In Ländern mit gutem Internet lässt sich diese Frage zumeist mit einem Blick in die Suchmaschine seines Vertrauens klären. Schwerer wird es in Ländern mit eingeschränktem Internetzugriff, wie Kuba. Wir waren einen Monat in Kuba unterwegs und haben uns schlau gemacht, wie Wir und Ihr am besten ans Ziel kommen. Nachfolgend wollen wir dir die verschiedenen Optionen zu Reisen in Kuba vorstellen.

Busverkehr in Kuba

Das touristische Bussystem in Kuba ist gut ausgebaut und einfach zu nutzen. Der staatliche Anbieter Viazul hat feste Verbindungen zwischen verschiedenen Städten, die täglich verkehren – manche Strecken sogar mehrmals täglich.

Fahrpläne

Da inzwischen auch in Kuba die Digitalisierung so langsam einsetzt, könnt ihr die aktuellen Fahrpläne von Viazul auf deren Internetseite einsehen. Dort könnt ihr auch bereits Plätze reservieren und buchen. → Hier gehts zur Viazul Website

Außerdem hängen die Verbindungen in den Viazul-Stationen aus.

Hier ein Bild eines Fahrplans Stand Oktober 2018

Bushaltestellen und Büros von Viazul

Viazul hat in allen größeren Städten und Touristenzentren Büros oder Busstationen. Dort können Tickets reserviert werden (Bezahlung bei Reservierung!) und dort halten auch die Busse. Die Mitarbeiter an den Büros sprechen zumeist englisch, allerdings nicht alle, sondern vor allen die an den Schaltern.

Der Bus hält jedoch auch in kleineren Orten wie Playa Larga. Dort gibt es nur eine unscheinbare Bushaltestelle an der Hauptstraße. Tickets müssen vorab oder direkt im Bus erworben werden. Ein Büro gibt es hier nicht, auch Fahrpläne hängen nicht aus.

Fragt am besten in Eurer Casa Particulares wo die Viazul-Station ist oder prüft vorab ob sie in Eurer Orientierungs-App vermerkt sind. Beachtet dabei, dass Google Maps nur eingeschränkt funktioniert. Ihr braucht mindestens Offlinekarten und solltet euch wichtige Orte vorab markieren. Besser funktionieren Apps wie Maps.me oder Sygic Travel, die Informationen offline auf dem Handy speichern.

Die Stationen selbst sind häufig in einem desolaten Zustand. Klopapier solltet ihr unbedingt im Handgepäck haben. Auch ein Handdesinfektionsmittel schadet unter Umständen nicht.

Vor den Busstationen lauern meistens bereits “Touristenfänger”, die Euch Hotels, Casas, Taxi Collectivo oder Ausflüge andrehen wollen. Wir haben sogar die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiter in der Viazul-Station uns ein Taxi Collectivo aufschwatzen wollten.

Ablauf einer Reise mit Viazul

Eine Reservierung vorab sollte wenn überhaupt nur in der Hauptsaison (Nov-April) notwendig sein. Während unseres Aufenthalts im Oktober war keiner der Busse ausgebucht. Sicherheitshalber kann man Tickets entweder im Internet oder auch direkt in den Viazul-Büros ein paar Tage vor der Abfahrt kaufen.

Bereits bei der Reservierung wird der volle Fahrpreis fällig. Man bekommt einen gedruckten Beleg, auf dem die Strecke, Anzahl der Plätze und der Tag vermerkt sind.

Eine halbe Stunde vor Abfahrt des Busses muss man diesen Reservierungs-Beleg in der Busstation in ein Ticket tauschen. Dazu stellt man sich erneut am Schalter in der Viazul-Station an und bekommt pro Person einen neuen Zettel ausgedruckt. Auf diesem steht dann die Platznummer.

Vor dem Einladen des Gepäcks, wird jede Tasche, die in den Bauch des Busses geladen wird mit einer Gepäckmarke versehen. Hebt euch davon unbedingt den Abriss auf.
An manchen Viazul-Stationen ist es notwendig diese Gepäckmarke für 1 CUC zu erwerben oder entsprechendes Trinkgeld zu geben. Dies entspricht nicht der offiziellen Firmenpolitik. Man kommt jedoch nicht daran vorbei, da das Personal resolut darauf besteht.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Platznummern auf den Tickets häufig falsch sind und ignoriert werden können. Martina hatte beispielsweise einmal den Platz des Busbegleiters als Platznummer. Dieser weigerte sich aber, ihr seinen Platz freizumachen. Häufig sind die Plätze im Bus nicht einmal nummeriert, ihr könnt euch also setzen wohin ihr wollt.

Zustand der Busse von Viazul

Die Busse sind nicht unbedingt modern. Es sind Fernbusse chinesischer Hersteller, die ordentlich rosten. Die Beinfreiheit ist nicht gerade komfortabel aber normalerweise ausreichend.

Die Klimaanlage in den Bussen ist häufig zu kalt oder zu warm eingestellt. Wir empfehlen daher unbedingt den Zwiebellook für die Fahrten, um sich entsprechend schnell an oder ausziehen zu können. Denkt auch daran genug Wasser einzupacken. Auch ein Fächer kann ganz hilfreich sein.

Stellt Euch darauf ein, dass es ruckelig wird. Die Straßen in Kuba sind extrem baufällig.

Ich habe niemanden gesehen, der während der Fahren die Bustoilette genutzt hat und würde mich nicht unbedingt darauf verlassen, dass diese funktionieren

Preise für Viazul

Viazul ist unserer Erfahrung nach die billigste und einfachste Methode um in Kuba von A nach B zu kommen. Für eine Fahrt von Varadero nach Trinidad zahlten wir 20€ pro Person. Die aktuellen Preise könnt ihr jedoch teilweise online auf der Viazul Website einsehen.

Taxi Collectivo

In älteren Reiseblogs werden Taxi Collectivo als Fortbewegungsmittel Nummer 1 angepriesen. Wir haben jedoch durchweg nur schlechte Erfahrungen mit den privaten Fahranbietern gemacht. Diese sind inzwischen sehr gut vernetzt und extrem auf Gewinnmaximierung aus. Einen Erlebnisbericht dazu findet ihr hier → Martinas Reisetagebuch

Wo finde ich Taxi Collectivo

Die Frage ist eher, wo finde ich sie nicht. Ihr werdet es nicht schaffen eine Straße entlang zu laufen, in einer Casa Particulares zu wohnen oder einen Bus von Viazul zu buchen, ohne ein Taxi Collectivo angeboten zu bekommen. Taxi Collectivo sind wirklich überall. Sie sind für viele Kubaner ein einfaches Mittel an CUC zu gelangen. → Unterschied CUC CUP

Verdient ein Arzt in Kuba gerade einmal ca. 1-2 CUC pro Tag, so kann ein Fahrer mit einer Fahrt von drei oder vier Stunden bei entsprechend zahlungskräftiger Kundschaft leicht 60 CUC oder mehr verdienen. Daher wird dieses Verkehrsmittel extrem von allen beworben und gibt auch ordentlich Vermittlungsprovision.

Ablauf einer Reise mit Taxi Collectivo und Preise

Zunächst wird Euch irgendwo ein Fahrer ansprechen. Ihr werdet den Preis verhandeln für die Strecke. Wenn er Euch exklusiv fahren soll, zahlt ihr normalerweise den Preis, den er für ein volles Auto bekommen würde. Ansonsten solltet ihr Euch schlau machen, was die gleiche Strecke mit Viazul kostet. Auf diesen Preis lassen sich Fahrer normalerweise immer herunterhandeln. Dann jedoch wird der Fahrer selbst das Auto gar auffüllen. Die Fahrer mit denen wir gesprochen haben, begannen die Verhandlungen stets mit der doppelten bis dreifachen Summe des Viazul.

Ihr vereinbart mit dem Fahrer Zeit und Ort der Fahrt. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings groß, dass er mehr als eine Stunde zu früh oder zu spät kommt, da er sich nach den wünschen aller Mitreisender richtet. Entsprechend kann es passieren, dass ihr auch nach dem Einsteigen nur einige Straßen weit fahrt – oder einige Orte weiter – und dann stundenlang auf weitere Mitfahrer warten müsst – Rumstehen kostet den Fahrer nichts.

Wir hatten auch den Fall, dass wir auf der Strecke umgeladen wurden. Das heißt, selbst wenn Euer erstes Collectivo gut aussieht, kann es sein, dass ihr unterwegs noch in eine überfüllte Klapperkarre umgeladen werdet.

Zahlen solltet ihr erst bei Ankunft am Zielort, um eine Handhabe zu haben, wenn die Fahrer euch irgendwo ewig halten oder Euch in zu fürchteriche andere Fahrzeuge umzuladen wollen.

Zustand der Taxi Collectivo

Die meisten Taxi Collectivo sind Fahrzeuge aus den 50er oder 60er Jahren. Entsprechend sind sie zwar nette historische Fahrzeuge, verfügen aber nicht über Airbags und Sicherheitsgurte. Nachdem wir bei einer Stadtrundfahrt einen Getriebeschaden mit einem Oldtimer hatten, würde ich auch für den weiteren technischen Zustand nicht meine Hand ins Feuer legen. Allerdings sind die Fahrer gut vernetzt und fall ihr liegen bleibt, sollte er schon irgendwo eine Weiterfahrt auftreiben können.

Allerdings fanden wir die Fahrer unserer Oldtimer nicht unbedingt sympathisch und sie legten auch nicht unbedingt Wert auf die Fahrsicherheit.

Außerdem werden die Fahrzeuge wenn möglich auf Anschlag vollgestopft. Gewinnmaximierung steht hier im Vordergrund. Ob ihr Beinfreiheit habt oder Euch Euren Sitzplatz mit eurem Backpack teilen müsst oder bei einer Vollbremsung von einem Koffer erschlagen werdet, dass wisst ihr vorher nicht.

Weitere Fortbewegungsmittel auf Kuba

Auch in Kuba kann man Leihwägen mieten. Allerdings kosten diese rund 60-70€ am Tag. Mit etwas Verhandlungsgeschick, sollte man für diesen Preis auch ein Collectivo oder Taxi inklusive Fahrer für einen Tag bekommen.

Zudem sind die Kubaner fürchterliche Verkehrsteilnehmer (Geisterfahrer-Fahrrad auf der Autobahn auf der mittleren Spur z.B.) und die Straßen in einem desolaten Zustand. Daher haben wir uns entschlossen diese Option nicht zu testen.

Gerade auf Strecken quer durchs Land sind auch Innlandsflüge in Kuba eine Option. Auch können einige Ziele wie die Isla de la Juventud ohne Flugreise gar nicht erreicht werden. Hier gibt es zahlreiche Anbieter online, die ab ca. 100 CUC Flüge anbieten.

Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten. Wegen schlechter Technik und Flugzeugmangel fallen Flüge häufig kurzfristig aus, sind stark verspätet oder die Passagiere werden statt in ein Flugzeug in einen Bus gesetzt. Falls ihr einen Inlandsflug plant, plant das definitiv mit ein. Vor allem wenn ihr einen internationalen Anschlussflug habt, solltet ihr stets so kalkulieren, dass ihr den Flug auch noch mit dem Taxi erreichen würdet.

Des Weiteren gibt es einige Pauschalreiseanbieter, die feste Touren anbieten. Diese sind zwar teurer und meist nur in Verbindung mit einem Hotel buchbar, die Busse – Beispielsweise von Transtour- sind dafür moderner und in einem besseren Zustand und ihr müsst Euch um nichts kümmern.

Transport auf Kuba

Der Transport auf Kuba ist inzwischen deutlich einfacher als noch vor ein paar Jahren. Das Land hat sich auf die Touristen eingestellt. Zuverlässig ist der Transport nicht immer, aber es ist normalerweise kein Problem von A nach B zu kommen.
Durch die vermehrte Nachfrage sind jedoch auch die Schattenseiten des Tourismus inzwischen erwacht und man sollte sich auf organisierte Abzocke, aufdringliche Angebote und Geldschneiderei einstellen.

Wer jedoch die Geduld nicht verliert, sich gut vorbereitet, genug Puffer einplant und gut verhandelt, der wird auch da landen wo er hin will!

X