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Gastbeitrag von wiranderswo! Vielen Dank an Theresa und Manuel für den tollen Beitrag! Wir hatten es leider nicht geschafft den Lake Atitlan zu besuchen – daher haben wir die Beiden gebeten uns mit einem Gastbeitrag zu unterstützen! Danke hierfür!

Bei Spagetti Napoli auf einer Terrasse direkt am Wasser könnte man fast denken, wir sind in Italien am Gardasee gelandet. Doch weit gefehlt – wir sitzen am Lake Atitlan, dem zweitgrößten See Guatemalas, der gesäumt ist von vielen kleineren und größeren Maya Dörfern, die alle ihren eigenen Charme haben. Der See liegt in einem Krater, der vor vielen tausenden Jahren bei einem Vulkanausbruch entstanden ist. Schon der erste Blick auf den See in seiner gigantischen Berg- und Vulkankulisse überzeugt uns. Wir verlängern unseren Aufenthalt direkt nach Ankunft in San Pedro, einem der größten Orte, die um den See liegen.

Blick über den See

Auch wenn uns auf dem Weg dorthin wird uns noch von dem Ort abgeraten wird – zu überlaufen, Partys all night long, die Backpacker Metropole am Atitlán See, empfinden wir es komplett anders. Die Straße direkt am Dock ist zwar nur auf Touristen ausgelegt – Restaurants, Cafés, Souvenir-Shops und fliegende Händler, die ihre selbstgeknüpften Armbänder an den Mann bringen wollen – doch insgesamt unserer Meinung nicht zu überlaufen. Kämpft man sich den steilen Weg aus dem Zentrum nach oben, wird der Ort von Minute zu Minute autenthischer. Frauen und Kinder in traditionellen Maya-Kleidern, Männer, die mit ihren Sonnenhüten am Straßenrand im Schatten sitzen und das Treiben beobachten und bunte Obststände an den schmalen Hauseingängen.

Lanchas – Taxiboote, für die man besonders starke Nerven braucht

Die umliegenden Orte am Lago de Atitlán sind über den See mit sogenannten „Lanchas“ verbunden. Lanchas sind die Taxi-Boote – Modell Nussschale – die es in zwei Varianten gibt: Entweder sind kaum Passagiere an Bord, dann fetzen die Boote mit Highspeed über den See, sodass es bei jedem Wellenhüpfer einen dumpfen Schlag auf den Rücken gibt. Alternativ dazu die langsame Variante, bei der das Boot wegen Überladung an Passagieren und Gepäck langsam über den See schleicht, um ein Überschwappen des Wassers über den Bootsrand zu vermeiden. Wir können uns nicht entscheiden, welche Variante uns lieber ist.

Santa Cruz – ein indigenes Mayadorf mit Vulkanblick und einem tollen sozialen Projekt

Einen tollen Ausblick auf den See und den dahinter aufragenden Vulkan San Pedro haben wir von Santa Cruz. Hier ist noch kaum Tourismus eingezogen – ein indigenes Mayadorf, das noch relativ ursprünglich wirkt. Vom Pier aus schlängelt sich die Straße ungefähr einen Kilometer steil bergauf, doch der schweißtreibende Aufstieg in der Mittagssonne lohnt sich!

Besonders gut gefällt uns hier das soziale Projekt CECAP, das jungen Menschen die Möglichkeit bietet, in verschiedene Berufe wie Näher/in, Koch/Köchin und Co zu schnuppern und entsprechende Ausbildung zu bekommen. CECAP ist die Kombination aus Restaurant und einem kleinen Souvenirshop, in dem hübsche Accessoires (teilweise aus „Abfallprodukten“ wie alten Reis- oder Zementsäcken) verkauft werden, die unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Übrigens: hier haben wir tatsächlich das beste Pepián in Guatemala gegessen.

Indian Nose – das Mayagesicht am Rande des Atitlán Sees

Am Rande des Atitlán Sees ragt eine Felsformation auf, die mit ein bisschen Fantasie aussieht, wie ein liegendes Indianergesicht. Zum Sonnenaufgang nehmen wir uns die „Indian Nose“ vor. Schon um 3:00 Uhr klingelt unser Wecker – uff! Doch: wir wollten es so. Also rein in die Wanderklamotten und Aufstieg in der absoluten Dunkelheit über staubige, steile Pfade. Auf der kleinen Plattform angekommen sind wir überwältigt von dem mit tausenden Sternen besetzten Himmel. Bei kaltem Wind und heißem Kaffee, den unser Guide auf einem kleinen Feuer gekocht hat, warten wir, dass es langsam hell wird.

Mit jeder Minute, die verstreicht, kommen die Umrisse der sechs Vulkane, die man von hier oben sehen kann besser zum Vorschein. In weiter Ferne sieht man den Vulkan Fuego im 10-Minutentakt Lava in die Luft spucken. Und dann kommt der Moment, als die ersten Sonnenstrahlen über den Bergen zum Vorschein kommen – ein absoluter Gänsehautmoment und sicher eines der Highlights unserer Reise!

San Marcos – Hippiedorf und Heimat vieler Aussteiger und „Hängengebliebener“

Für unsere letzte Nacht am Lago Atitlán setzen wir mit dem Taxi-Boot über nach San Marcos. Es ist gemütlich hier, ein alter Mann mit Dreadlocks begrüßt uns im engen Gang, der vom Pier in den Ort führt mit „Hey man! Welcome to paradise!“. Die Menschen sind alle von einem besonderen Schlag. Es ist Heimat vieler Aussteiger, die hier seit Jahren hängen geblieben sind. Gefühlt gehört man dazu, wenn man mindestens eine dieser Bedingungen erfüllt: Dreadlocks, Mandala Tattoos, Federn in den Haaren – gefühlt gehört hier her, wer Yogi, Guru oder Shamane ist. Wir fühlen uns einerseits sehr wohl und doch irgendwie fehl am Platz. Der Ausblick von unserem Zimmer im Hostel ist jedoch unschlagbar – ein perfekter letzter Blick auf den See und San Pedro, bevor es für uns weitergeht nach Antigua Guatemala.

Über wiranderswo

Theresa und Manuel sind seit Januar 2019 in der Welt unterwegs. Jobs und Wohnung gekündigt und alles auf „Neuanfang“.

Gestartet sind sie mit einem One-Way-Ticket nach Mexico, unterwegs Richtung Süden.
Einen richtigen Plan gibt es nicht – „Treiben lassen und das Leben genießen“ lautet die Devise.

Auf ihrem Weltreise Blog könnt ihr den Abenteuern  der beiden folgen. Die schönsten Bilder ihrer Erlebnisse gibt es auf ihrem Instagram Kanal.