Oben

Natürlich war uns bereits im Vorfeld unserer Reise klar, dass wir zum ein oder anderen Zeitpunkt krank werden werden. Die hygienischen Bedingungen in vielen Ländern liegen weit unter denen in Deutschland. Iin den Tropen können sich Krankheitserreger sowieso besser vermehren. Viele Keime sind auch schlichtweg neu für unser Immunsystem, so dass wir keine Resistenzen aufweisen. Daher haben wir uns impfen lassen, soweit es möglich war. Außerdem haben wir eine gute Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Eine ordentliche Reiseapotheke vervollständigte die Vorbereitungen.

Es begann in Panama

Eines Abends waren wir in Panama beim Essen. Martinas Pizza kam halb roh an den Tisch, der Teig war nicht annähernd durchgebacken. Nach dem Probieren, ließ sie das Essen zwar zurückgehen, doch anscheinend reichte schon das, um ihr den Magen zu verderben.

Noch am selben Abend bekam sie Durchfall und einen ekligen Geschmack im Mund.

Zwei Tage mit Brezeln und Cola später, hatte sie zwar noch immer den Geschmack im Mund und gelegentlich Magenschmerzen, doch sie war wieder fit genug weiter zu reisen.

Ein Arztbesuch in Bogota Kolumbien

Es folgte beinahe ein Monat an Ausflügen und Touren. Martina war weitestgehend fit, doch hatte sie weiterhin immer mal wieder Magenschmerzen und dieser grässliche Geschmack im Mund wollte nicht verschwinden. Inzwischen hatte er sich sogar als eine Art Mundgeruch manifestiert – Unangenehm nicht nur für Martina, und auch peinlich in sozialen Situationen. Mundwasser und Kaugummis wollten dagegen einfach nicht helfen.

Da auch die Magenschmerzen etwas schlimmer wurden, beschloss Martina in Bogota einen Arzt aufzusuchen. Sie ging in die First Aid international Klinik. Diese Klinik hat sich auf Touristen spezialisiert und der polnische Arzt dort spricht fließend Englisch und Deutsch.

Zunächst mussten wir unterschreiben für die Konsultation 150US$ zu bezahlen. Im Vergleich zu anderen Kliniken in Kolumbien ist diese Summe sehr hoch, aber die Standards dort sind auch höher als in anderen Kliniken.

Es wurden Blut, Urin und Stuhl auf Erreger getestet. Der erste Verdacht lautete Giardien oder Amöben. Keines davon wollte sich bestätigen. Auch die Blutwerte wiesen keine Unregelmäßigkeiten auf.

Martina wurden mit Verdacht auf einen Darmpilz zwei Medikamente  gegen Pilze verschrieben. Diese verschafften ihr nach wenigen Tagen Linderung.

Wieder krank in Peru

vier Wochen später begannen Martinas Symptome erneut. In einer Konsultation via Whatsapp regte der kolumbianische Arzt an, die Behandlung mit dem Pilzmittel fortzuführen. Als dies nur wenig half, ging Martina in das O2 Medical Network in Cusco, einer Klinik, die ebenfalls auf Touristen spezialisiert ist.

Dort gibt es eine deutsche Ärztin, die wir zuvor online gefunden hatten.

Martina brachte ihre Ergebnisse aus Kolumbien mit zu dem Termin. Zunächst viel der Ärztin ins Auge, dass Martina nicht auf Typhus untersucht worden war. Es wurde daher ein Bluttest vorgenommen. Typhus käme für viele der Symptome in Frage. Martina ist zwar gegen Typhus geimpft, doch bietet diese Impfung nicht gegen alle Stämme einen 100% Schutz.

Martinas Blutwerte zeigten zwar eine erhöhte Konzentration an Antikörpern, die dafür sprechen, dass sie in Kontakt mit der Krankheit gekommen war, doch waren diese noch unterhalb des Grenzwertes, der eine Infektion anzeigt.

Da sich keine eindeutige Diagnose fand, wurde Martina mit dem Verdacht einer Magenschleimhautentzündung wieder entlassen. Sie bekam einen Magenschutz und Darmbakterien verschrieben.

Erneuter Arztbesuch in Cusco und endlich eine Diagnose

Leider zeigten die beiden verschriebenen Mittel keinerlei Wirkung. Zwei Tage nach dem letzten Arztbesuch verschlechterte sich Martinas Gesundheitszustand schlagartig. Erbrechen, Übelkeit und Schüttelfrost kamen zu den bisherigen Symptomen hinzu.

Nachdem sie eine Nacht auf dem Boden des Hotelbadezimmers kampiert hatte, ging sie am nächsten Morgen wieder zum Arzt.

Es wurde erneut Blut und Stuhl untersucht. Der Verdacht auf Amöben sollte sich nun bestätigen. Zudem waren nicht näher definierte Bakterien und nach wie vor grenzwertige Typhuswerte nachzuweisen.

Martina wurde daher stationär aufgenommen.

Stationärer Krankenhausaufenthalt in Cusco Peru

Zunächst war kein Zimmer frei, daher wurde sie kurzerhand für zwei Stunden mit einer Decke auf einem Sofa im Gang einquartiert.

Dann bekam Martina ihr Zimmer.

Das Zimmer in der O2 Medical Network Klinik war ein Einzelzimmer im vierten Stock. Es verfügte über zwei Betten, einen tollen Ausblick über die Berge rund um Cusco und einen großen Flachbildfernseher mit Netflix und Amazon Zugang.

Martina machte es sich gemütlich. Mit Winterjacke, Mütze und zwei Decken war sogar der Schüttelfrost erträglich.

Kurz nachdem sie sich in ihrem Zimmer einquartiert hatte, bekam sie das erste Essen – Zwieback. Außerdem wurde sie an den Tropf angeschlossen. Ein Medikament gegen Parasiten, Breitbandantibiotika und literweise Kochsalzlösung gab es im Wechsel.

Abends wurde ihr erneut kurz übel. Sie bekam Vomex – Ein Medikament das Übelkeit lindert aber auch extrem müde macht, und schlief die Nacht durch.

Am nächsten Morgen fühlte sie sich bereits etwas besser. Wieder wurden ihr den ganzen Tag über literweise Flüssigkeiten in den Arm gepumpt. Als sie gegen Abend aufstand, musste sie sich allerdings erneut übergeben. Ihr wurde ein Mülleimer gereicht. Kotztüten, wie man sie aus deutschen Krankenhäusern kennt, gibt es in der Klinik leider nicht. Sie bekam erneut Vomex und schlief erneut die Nacht durch.

Nachdem sie sich übergeben hatte, wurde ihr Aufenthalt um eine Nacht verlängert.

Nun bekam Martina, die Vegetarierin endlich Reis und Quinoa zu essen. Der Wackelpudding der dazu gereicht wurde war nicht vegetarisch. Im Quinoa fanden sich Hähnchenstücke. Außerdem bekam sie Äpfel als Nachspeise, die sie laut ihrer Ärztin gar nicht essen durfte. So richtig funktionierte die Diätauswahl in der Küche wohl nicht.

Am nächsten Tag wurde sie bereits wieder entlassen. Sie bekam allerdings einen ganzen Beutel an verschiedenen Tabletten mit, den sie nach und nach leeren sollte.

Wie waren die Zustände im peruanischen Krankenhaus

Der erste Eindruck von Krankenhaus und Personal war sehr gut. Weder das Gebäude, noch die Einrichtung machen  einen modernen Eindruck, doch es ist ordentlich.

Die Details von Dingen die nicht optimal laufen fielen erst nach und nach ins Auge. Hier einige Beispiele:

  • Nur die dünne Decke, die unter dem Bettzeug liegt, wurde augenscheinlich zwischen den Patienten gewaschen, das Bettzeug (das keine Bezug hatte) jedoch nicht.
  • Es gibt keine Kotztüten
  • Martina bekam regelmäßig Essen, das für sie nicht geeignet war
  • Einen Abend schrie ein Mann vor dem Krankenhaus 15 Minuten um Hilfe
  • Das Personal war eindeutig überlastet
  • Martinas Notrufknopf funktionierte nur manchmal
  • An einem Abend wurde vergessen Martinas Infusion zu wechseln
  • Bei einer anderen Gelegenheit wurde an der Infusion ein Teil geöffnet, damit die Flüssigkeit in einen darunterliegenden Messbecher laufen kann, es wurde allerdings vergessen es zu schließen, deshalb lief die Infusion aus.

Keines dieser Dinge ist tragisch. Im Vergleich zu anderen Kliniken in Peru sind das auch Luxusprobleme. es soll nur zeigen, dass man nicht mit einer zu hohen Erwartungshaltung in ein Krankenhaus gehen sollte.

Generell war es bisher Martinas angenehmster Krankenhausaufenthalt. Vor allem das Einzelzimmer mit dem Netflix-Fernseher war toll. Als ehemalige Kassenpatientin in Deutschland, hat sie schon unter deutlich schlechteren Bedingungen im Krankenhaus gelegen.

Wie funktioniert das mit der Auslandskrankenversicherung

Die ersten Arztbesuche musste Martina alle vorstrecken. Sie bekam am Ende der Behandlungen eine Rechnung. Diese beglich sie zumeist in bar. In Boota wurden wir sogar vom Praxisverwalter persönlich zu einem nahegelegenen Geldautomaten gefahren. Der Grund dafür ist, dass viele Banken in Südamerika horrende Gebühren für Kreditkartenzahlungen verlangen. In Apotheken kann man jedoch normalerweise mit Karte zahlen. Auch die Medikamente musste sie zunächst selbst kaufen.

Ihre Diagose, Rezepte und Rechnungen konnte sie anschließend bei der Krankenkasse online einreichen. Zwar ist das Formular sehr umständlich und der Prozess eher kontraintuitiv, doch sie erhielt jedes Mal ihr Geld wieder (ausgenommen die letzten beiden Rechnungen, diese stehen zum derzeitigen Zeitpunkt noch aus – Erstattung der Diagnose per Whatsapp fraglich). Die Bearbeitungszeit der Krankenkasse beträgt derzeit allerdings etwa vier Wochen.

Sobald klar war, dass Martina im Krankenhaus bleiben würde, kontaktierte das Krankenhaus jedoch direkt die Krankenkasse. Hier musste Martina nichts mehr selbst zahlen. Allerdings meldete sich eine Dame von der Versicherung telefonisch bei ihr um zu klären, ob die Angaben des Krankenhauses mit der tatsächlichen Behandlung übereinstimmen. Hier lohnte es sich auch, dass sie in einer Klinik war, die geübt im Umgang mit Reisekrankenversicherungen ist.

Inzwischen ist Martina wieder seit einigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Sie nimmt brav ihre Tabletten, ist zwar noch nicht wieder ganz fit, aber wir sind zuversichtlich, dass sie bald wieder komplett auf den Beinen ist.

Krankenversicherung: Allianz über STA Travel

Kliniken und Ärzte:

  • First Aid International, Bogota
  • O2 Medical Network, Cusco

Wie steckt man sich mit Typhus, Amöben und ähnlichen Erregern an?

Die einfache Erklärung ist man hat Pech, denn die Erreger können eigentlich überall sein. Häufige Übertragungswege sind:

  • Salat
  • Ungeschältes rohes Obst und Gemüse
  • Verunreinigtes Wasser
  • Verunreinigtes Besteck und Geschirr
  • Hand zu Mund Infektionen über Händeschütteln, Türklinken etc.

Wie man sieht, kann man sich nur bedingt vor einer Ansteckung schützen. Gute Lokale sind zu bevorzugen, Leitungswasser sollte nur abgekocht getrunken werden und auf Obst und Gemüse sollte man schälen oder abkochen. Doch auch das bietet keinen 100% Schutz. Außerdem sind Langzeitreisen kaum möglich, wenn man nur in teure Lokale geht und kein Obst oder Salat isst.  

Entsprechend sind Reiseerkrankungen, wie sie Martina Hatte nun mal ein Risiko, das man eingehen muss, wenn man fremde Länder besucht. Zum Glück sind die meisten Krankheiten mit  guter medizinischer Versorgung bei ansonsten gesunden Menschen relativ schnell überstanden.