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Abmeldung aus Deutschland – unser Erfahrungsbericht!

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Nachdem Max ja bereits über die Vor- und Nachteile einer Abmeldung aus Deutschland geschrieben hatte – war es nun an der Zeit unsere eigne Abmeldung im Bürgerbüro Landshut vorzunehmen.

Unsere Abmeldung aus Deutschland – ein Erlebnisbericht von Martina

Es ist Donnerstag, die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern. Es ist einer dieser lauen Herbsttage an denen man mit einer Winterjacke schwitzt und einer Übergangsjacke friert. Die Bäume färben sich bereits goldbraun und ihr Laub tanzt auf dem seichten Herbstböen. Es wird Zeit aufzubrechen.

Zu Füß machen wir uns auf dem Weg zur Meldebehörde der Stadt Landshut. Es sind noch dreizehn Tage bis unser Flug geht. Am Wochenende feiere ich eine kleine Abschiedsfeier mit meiner Familie auf einem Bauernhof.

Gut gelaunt ziehe ich meinen kleinen Rollkoffer hinter mir her. Mein Rucksack steht schon gepackt zuhause und wartet darauf endlich auf Reisen zu gehen. Ich trage heute meine Herbstschuhe mit Absätzen und meine Füße schmerzen ein wenig. Ich freue mich darauf bald nur noch in Turnschuhen unterwegs zu sein. Neben mir läuft Max und wir besprechen, was wir noch alles erledigen müssen vor der Abreise. Versicherungen abmelden, Inventur aller Unterlagen und des Gepäcks, damit auch ja alles eingepackt ist, Lebensmittel aussortieren, Wohnung ausräumen und durchputzen. Wir haben noch gut Programm vor uns.

Wir kommen zur Meldebehörde. Der Herr am Eingang ignoriert uns gekonnt, aber wir kennen uns inzwischen ja bereits aus. Es ist nicht viel los. Wir ziehen eine Nummer und warten. Ein junges Pärchen aus dem osteuropäischen oder türkischen Raum scheitert daran sich am Schalter auf englisch helfen zu lassen. Der Herr mittleren Alters versteht offenbar kaum englisch und antwortet auch stur auf deutsch. Zum Glück spricht sie gebrochen deutsch. Sie kommen irgendwie klar. Neben uns rollt eine junge Mutter gelangweilt ihren Kinderwagen hin und her und schaut dabei missmutig immer wieder auf die Anzeigetafel mit der Wartezeit an der Wand. Wir warten.

Nach etwa zehn Minuten kommen zwei Beamtinnen offenbar aus der Kaffeepause zurück und gehen in den Raum. Danach geht wenigstens ein bisschen was vorwärts. Weitere zehn Minuten später kommen schließlich auch wir dran.

Max ist bereits entnervt vom Warten. Ich freu mich endlich dran zu sein und darauf meine Familie im Anschluss zu besuchen.

Zu früh gefreut: Abmeldung erst 7 Tage vor Ausreise möglich!

Wir gehen in eine der zahlreichen Boxen. Eine etwas niedergeschlagen wirkende Frau begrüßt uns einsilbig. Wir erklären unser Anliegen uns Abzumelden. Sie erklärt uns, dass das nicht geht. Wir sollen bitte sieben Tage vor dem Termin der Ausreise wiederkommen – genaugenommen sechs Tage, da der siebte Tag vor Abreise ein Feiertag ist.
Max dementiert, diskutiert, sie resigniert. Wir kommen so nicht weiter. Uns bleiben nur drei Optionen: Wiederkommen, jemanden mit Vollmacht vorbeischicken oder uns jetzt vor-abzumelden, dann bekommen wir aber die Abmeldebestätigung erst nach unserer Abreise zur neuen Adresse zugesandt. Wir haben keine neue Adresse und brauchen die Abmeldebescheinigung für die Versicherungen.

Frustriert und unverrichteter Dinge verlassen wir das Amt. Max regt sich auf. Ich finde es doof, freu mich aber darauf heim zu fahren. Max regt mich auf. Max geht heim, ich geh zum Bahnhof. Es war keine positive Erfahrung. Ich warte eine halbe Stunde auf meinen Zug und lasse dann Landshut und seine Behörden hinter mir. Max kommt am Tag darauf nach. Das Wochenende wird schön.

Versuch Nummer 2 – Klappt die Abmeldung aus Deutschland diesmal?

Sechs Tage vor Abreise laufen wir wieder zum Meldeamt. Es ist ein schöner Herbsttag. Ich möchte übers Wochenende ein letztes Mal meine Familie besuchen und ziehe gut gelaunt meinen kleinen Rollkoffer hinter mir her. Die letzten Utensilien für die Reise sollten noch diese Woche kommen. Spontan hatten wir gestern Abend noch Flugzeughüllen für den Rucksack bestellt.

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Wir laufen durch einen kleinen Park. Die Bäume leuchten herbstlich und das Licht schimmert wunderschön durch die Blätter. Ich trage schon wieder die Schuhe in denen mir die Füße weh tun. Ich grübel vor mich hin, ob ich sie wegwerfen oder doch behalten soll, für die Zeit nach der Reise. Max hängt eigenen Gedanken nach. Gelegentlich macht sein Handy Pling. Jedes Mal ist es ein weiterer Kumpel der sich fürs Wochenende zum Grillen selbst einlädt. Genaueres verstehe ich aber nicht, denn mein Koffer rattert so laut und unter meiner dicken Wollmütze höre ich schlecht. Es klingt aber nach einem erfreulichen Wochenende und ich freue mich für ihn.

Wir kommen zur Meldebehörde. Die Feuerwehr steht hinterm Haus. Ich denke mir nichts dabei. In Landshut gibt es dauernd Kanalarbeiten und der Boden ist nass.
Max ist allerdings plötzlich sehr angespannt. Ich versuche ihn zu beruhigen.

Der Mann am Eingang der Behörde ignoriert uns beim reinkommen. Egal, wir kennen uns ja aus. Wir gehen zum Meldeschalter. Die Leute sitzen bereits bis auf den Gang. Die Anzeigetafel ist schwarz. Im Raum dahinter ist es dunkel. Max stellt die schnelle Diagnose: Stromausfall. Wir gehen zum Info-Mann am Eingang. Er schaut uns mit hochgezogener Augenbraue an. Der Strom sei seit einer halben Stunde weg, das wird heute nichts mehr mit Abmelden. Sie hatten einen Notfalltest, bei dem auf Notstrom umgestellt wurde und jetzt kommen sie nicht mehr auf den Hauptstrom. Sowieso sei aber eine Stunde vor Feierabend – also vor Mittag – viel zu spät wenn wir sicher drankommen wollten. Wir sollen doch bitte am nächsten Tag um 7:30 Uhr wieder kommen. Ich finde bereits die Aussage ermüdend.

Wo bleibt die Digitalisierung der Meldebehörde in Deutschland?

Frustriert und mit hängenden Köpfen treten wir den Heimweg an. Max regt sich über deutsche Behörden auf und schwört nie wieder nach Deutschland kommen zu wollen. Ich schreibe meiner Mutter, dass ich erst einen Tag später kommen kann. Sie ist jetzt auch frustriert. Am Heimweg halten wir bei einem Bäcker und Max bekommt ein Teeblatt (Blätterteiggebäck) zum Frühstück. Seine Laune bessert sich dadurch drastisch.

Versuch Nummer 3 und auch die letzte Möglichkeit!

Es ist früh. Der Wecker geht an und zwei gut gelaunter Radiomoderatorinnen versuchen einen aus dem Bett zu quatschen. Mit einem resignierten “hilft ja nix” rollt sich Max neben mir aus dem Bett. Ich seufze laut innerlich und rolle mich selbst aus dem Bett. Bekleidet mit meinem flauschigen grünen Bademantel schleiche ich ins Bad. Mein Spiegelbild sieht mir missmutig entgegen.
Ein Blick aus dem Fenster genügt um mich zu überzeugen eine dicke Strumpfhose unter die Hose anzuziehen.

Bewaffnet mit einer Wintermütze, Schal und Winterjacke gehe ich los. Max trägt eine Hoodie und eine Mütze. Zu mehr Zugeständnissen zum deutschen Herbst ist er nicht mehr bereit. Es dauert genau drei Minuten bis er mir erklärt, dass er friert.

Meinen Koffer habe ich daheim gelassen. Irgendwann habe ich den Glauben daran verloren einfach zum Amt zu gehen und dann meine Familie zu besuchen zu können. Ich trage meine ältesten Turnschuhe. Ein Riemen ist bereits ausgerissen, das gleichmäßige Zickzack der Schnürsenkel ist jäh unterbrochen. Sie entsprechen nicht im Geringsten dem, was ich normalerweise in der Stadt oder auf einer Behörde anziehen würde. Es ist mir egal. Mit hochgezogen Schultern, die Hände in der Tasche hetze ich hinter Max her, der mit schnellen Schritten versucht gegen die Kälte anzugehen. Mir wird warm, trotzdem ist mir noch kalt. Es ist ein unangenehmes Gefühl.

Wir laufen wieder durch den Park. Die Sonne scheint flach durch die Bäume und verspricht einen schönen Tag. Ich bin nicht überzeugt.
Während wir dahinhasten, malen wir uns Szenarien aus, was heute schon wieder schief gehen könnte. Wir kommen auf erschreckend viele Möglichkeiten. Die Stimmung nähert sich der Außentemperatur.
Vor dem Amt steht ein Stromgenerator. Uns schwant übles. Im Amt brennt das Licht. Immerhin.

Die Dame am Eingang ignoriert uns. Wir kennen uns aber aus inzwischen. Es sind viele Leute hier, sie sitzen auf den Treppen und stehen auf den Gängen herum. Max zieht eine Nummer. 56.

Ein Blick auf die Anzeigetafel verrät, dass gerade die Nummer 14 aufgerufen wurde.
Wir verlassen mit unserem Zettel das Amt und gehen beim Bäcker nebenan erst einmal frühstücken. Müde starren wir in unsere Handys und erzählen uns gelegentlich welche Artikel wir gerade lesen. Ich finde einen netten Meme mit einem Yoda mit Beautifilter.

Lange halten wir es nicht beim Bäcker aus, die innere Furcht die Nummer zu verpassen ist einfach zu hoch. Wir gehen also zurück. Gerade wird die Nummer 24 aufgerufen.
Max versucht mich zu überzeugen doch gleich Passbilder zu machen. Ein Blick auf mein missmutiges Spiegelbild, das mir trotzig mit seinen Augenringen entgegen blickt überzeugt mich davon, dass das eine doofe Idee ist.

Wir setzen uns ins Erdgeschoss. Wir sehen zwar die Aufruftafel nicht, aber es müffelt hier dafür nicht so und wir haben einen Sitzplatz. Dafür haben wir kein Internet. Nachdem ich mehrmals erfolglos versucht habe meine Time-line in Facebook zu lesen, gebe ich auf und beschließe mir einen Kaffee zu holen. Der Kaffeeautomat schluckt mein Kleingeld, behält seinen Kaffee aber für sich. Ich starre ihn eine Minute ratlos an. Er ignoriert mich.

„gut“ gewartete Automaten im Bürgerbüro Landshut

Die Dame am Eingang schaut mich mitleidig an, als ich den trotzigen Automaten melde. Ihr Blick bestätigt mich darin heute keine Passbilder mehr zu machen. Ich bekomme mein Kleingeld zurück. Ich trau mich nicht es ein zweites Mal zu probieren. Ich hätte gerade aber wirklich gerne einen Kaffee.
Um mich herum telefonieren Leute in drei Sprachen. Es klingt wichtig. Ich frage mich warum sie Netz haben und ich nicht.

Nachdem wir zwei Stunden gewartet haben, leeren sich die Gänge langsam. Später erfahren wir, dass zu diesem Zeitpunkt bereits seit einer halben Stunde keine neuen Nummern mehr ausgegeben werden, obwohl das Amt erst zwei Stunden später schließt.

Wir nähern uns dem Ziel?

Wir beschließen ein Stockwerk nach oben zu ziehen, um die aufgerufen Nummern besser im Auge zu haben. Dadurch muss ich nervöser Mensch auch nicht mehr alle zehn Minuten aufspringen und die Treppe nach oben laufen um zu schauen welche Nummer aktuell dran ist. Meine Armbanduhr lobt mich bereits für meinen heutigen Sportsgeist.
Unsere Nummer rückt näher und näher, die Anspannung wird immer größer. Max erklärt mir ich soll gleich das Reden übernehmen, er ist mit den Nerven durch.

Bisherige Wartezeit im Einwohnermeldeamt Landshut: 3 Stunden!

Unsere Nummer blinkt auf der Anzeige auf. Ich springe auf und stolziere erhobenen Hauptes an der langen Reihe der Wartenden vorbei, die und neidisch nach sehen.

Ein älterer Herr mit leicht nervöser Art empfängt uns an einem extrem großen und extrem zugestellten Eckschreibtisch. Eine Wand seines Büros ist komplett vollgestellt mit Ordnern auf denen groß die Jahreszahl 2016. Aktuellere Ordner gibt es nicht. Wir erklären unser Anliegen uns aus Deutschland abzumelden da wir auf Weltreise gehen. Er fragt uns verunsichert, ob wir ihn verarschen. Wir verneinen irritiert. Er sieht uns skeptisch an. Eigentlich wollen sich alle in Deutschland anmelden, belehrt er uns. Wir bekräftigen, dass wir ins Ausland gehen. Er beginnt uns darüber aufzuklären, dass Deutschland sehr schön ist. Max und ich werfen uns vielsagende Blicke zu. Daraufhin beginnt mit gekräuselter Stirn Formulare herauszusuchen. Max versucht die Situation aufzulockern und macht eine spitze Bemerkung es gehe ja vor allem um die GEZ.

Und dafür haben wir über 3 Stunden gewartet?

Der Herr legt sofort alle Formulare beiseite, rollt mit seinem Schreibtischstuhl ganz nah zu uns heran und erklärt mit eindringlichem Blick, dass wir uns nicht nur wegen der GEZ abmelden können. Ich interveniere, halte ihm unser Flugticket unter die Nase und erkläre er könne sich gerne unseren Blog ansehen.

Er erklärt er wisse gar nicht so genau was ein Blog ist, es sei für ihn das gleiche wie ein Block. Zur Bestätigung kramt er einen Block mit Notizzetteln heraus. Wir versuchen ihn mit einfachen Worten zu erklären was ein Blog ist. Er holt sein Handy, ein graues Tastentelefon, vermutlich etwa aus der Anfangszeit des legendären Nokia 3210 heraus und präsentiert es uns stolz. Das Gerät fasst für mich in einem Bild zusammen, was auf dieser Behörde alles schief läuft. Er brauche es damit seine Frau ihn erreicht, wenn er Brot kaufen muss. Ich bin in diesem Augenblick sehr stolz auf meine Mutter, die inzwischen WhatsApp bedienen kann. Das erzähle ich ihm aber nicht. Vielleicht hätte ich ihm erklären sollen, dass man einen Blog auch auf einem Pc lesen kann. Wir belassen es dabei freundlich zu nicken.

Digitalisierung – Fehlanzeige!

Er legt uns die Formulare vor in denen wir nur den bisherigen Wohnort, Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Umzugsdatum und zukünftige Adresse eintragen müssen. Bei der zukünftigen Adresse wird es schwierig, wir haben ja keine. Er drängt uns die Adresse des ersten Airbnb anzugeben, in dem wir in Cuba wohnen. Ich weiß nicht was diese Adresse bringen soll. Er möchte aber alles ordentlich im PC eingeben können. Es scheint ihm ein ernste Anliegen zu sein. Er prüft die Angaben auf dem Formular mit unseren Personalausweisen gegen. Dann stempelt er Formular und Durchschlag ordentlich ab und überreicht uns je eine Version. Mit einem zufriedenen Lächeln erklärt er dass wir nun abgemeldet sind. Eingegeben werde das ganze aber erst am Tag des Umzugs in den PC.

Das bedeutet genau zwei Dinge:

  1. hätten bei unserem ersten Besuch auf dem Amt bereits die Abmeldung fertig machen können, hätte man sie vordatiert.
  2. hätten wir bei unserem zweiten Besuch auf dem Amt die Abmeldung fertig machen können, er hatte den Pc nämlich gar nicht gebraucht.

Ich sage nichts. Ich schaue auf die Uhr und stelle fest, dass ich meinen Zug vermutlich verpassen werde.

Wir verlassen also das Amt fluchtartig und hetzen nach Hause – Kein Siegesbild, kein WhatsApp Status, kein gemeinsames Mittagessen. Die Euphorie darüber eine finale Hürde vor der Abreise genommen zu haben, stellt sich nicht wirklich ein, sondern geht in der Hektik unter. Als ich zuhause angekommen, bin ich grade so knapp in der Zeit dass ich innerlich schon damit abgeschlossen habe den Zug zu erreichen es aber trotzdem noch probiere. Ich hetze also ins Haus, suche Max noch ein paar Unterlage heraus, packe meinen kleinen Rollkoffer und hetze aus der Haustür.

Mein Handy macht pling und es meldet sich eine Mitfahrgelegenheit abseits der Bahn. Eine halbe Stunde später sitze ich in einem Auto, zwei Stunden später sitze ich bei meinen Eltern zuhause auf der Terrasse .

Der Tag war erfolgreich, ich bin hier, die Sonne scheint. Trotzdem fühle ich mich schlecht. Es war alles so unnötig, so profan. Es ist als hätten Bürokratie und Alltagsstress meinen Erfolgsmoment und meine Abschiedszeit geklaut.

Fazit: irgendwie machbar. Happy End aber nich happy.

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