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Nie wieder Flugangst

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Etwa 10% der Menschen leidet unter Flugangst. Weitere 14% fliegen nur mit deutlichem Stress und Unbehagen.

Ich kenne nur wenige Leute die gute Beifahrer sind. Ich kenne allerdings viele Leute mit Höhenangst und Angst vor geschlossenen Räumen. Manchmal hat man auch im Vorfeld von einem Flugzeugunglück gehört und steigt daher nur mit einem mulmigen Gefühl in ein Flugzeug ein. Angst beim Fliegen ist  oft ein Zusammenspiel von vielen ungünstigen Faktoren, die in dieser einen Situation zusammenkommen.

Doch Flugangst zu haben bedeutet nicht, sich damit abfinden zu müssen niemals wieder ein Flugzeug besteigen zu können. Wie bei allen Ängsten kann man auch Flugangst aktiv bekämpfen.

Was ist Flugangst?

Die Symptome einer Flugangst können stark variieren. Manche Leute haben ein Gefühl von Atemnot und Enge in der Brust. Auch das Gefühl ohnmächtig zu werden, Herzrasen, schwitzige Hände, Zittern, Schwindelgefühl und Muskelkrämpfe können alles körperliche Symptome einer Flugangst sein.
Darüber hinaus haben manche Menschen ein Gefühl von Hilflosigkeit und Einsamkeit oder des Ausgeliefert-seins in dieser Situation.
Andere Menschen vermeiden das Fliegens komplett oder versuchen mit Alkohol und Tabletten die Situation erträglicher zu machen. Manche Leute werden aggressiv und ungeduldig und versuchen dadurch ihre innere Anspannung an ihren Mitmenschen abzureagieren.

Diese Symptome sind völlig normal für eine Phobie, einer Gruppe von Ängsten, zu denen auch die Flugangst gezählt wird. Die Symptome müssen Dir nicht peinlich sein. Angst ist nicht rational. Das ist auch gut so. Rationale Entscheidungen sind viel zu langsam, um uns in Notfällen retten zu können. Deshalb ist unser Gehirn darauf ausgelegt in Notfallsituationen zu reagieren, ohne dass es das vorher mit seinem Piloten – also dir – abstimmen muss. Wenn du stürzt, fängst du dich mit den Armen ab, wenn du erschrickst, versteinerst du und wenn du zu nahe an einen gefährlichen Abgrund gehst, dann bekommst du Angst und gehst wieder weg. Das alles hat deinen Vorfahren das Leben gerettet.

Wie geht man mit der Angst vor dem Fliegen am Besten um?

Bestimmt hast du schon einmal jemanden gesehen, der starke Angst vor Spinnen hat. Auch Angst vor Spinnen ist eine Phobie. Ein mehr oder weniger gut gemeintes “stell dich nicht so an” hilft da leider gar nichts und kann die Angst sogar noch verstärken. Der Druck die Angst vor den Mitmenschen verstecken zu müssen bedeutet für den Betroffenen oft zusätzlichen Stress.

Vermutlich weißt du, dass Fliegen viel sicherer ist als Autofahren. Das alleine reicht aber nicht aus um dein Gehirn davon zu überzeugen die Alarmsirenen auszuschalten.
Das Flugzeug auf Dauer zu meiden ist auch keine Option. Erstens wird deine Angst dadurch nicht weniger. Ganz im Gegenteil kann die Angst sogar noch größer werden, wenn du es ihr erlaubst dein Leben zu lenken. Zweitens ist Fliegen nun mal die einfachste Methode sich über weite Strecken auf dieser Erde zu bewegen und da du diesen Reiseblog liest, bin ich sicher, dass du das wahnsinnig gerne selbst tun würdest.

Doch Flugangst kann man effektiv bekämpfen. Wir zeigen dir hier einigen Methoden wie das geht.

Wie bekämpft man Flugangst?

Wenn man eine Angst bekämpfen möchte, muss ist es wichtig sich mit ihr zu befassen. Expositionstherapie beruht darauf sich Schritt für Schritt immer mehr in die Situationen, die Angst machen zu begeben und damit dem Gehirn langsam beizubringen, dass sie harmlos sind.

Therapie gegen Flugangst im Flugzeug

Früher war die in Vivo-Exposition die verbreitetste Methode, um Flugangst anzugehen. Bei dieser Art der Therapie gehen Personen mit Flugangst, meist in Begleitung eines Therapeuten zunächst an den Flughafen, sehen sich Flugzeuge an, steigen auch in ein am Boden stehendes Flugzeug, gehen vielleicht einmal ins Cockpit oder lernen einen Piloten kennen. Irgendwann fliegen sie dann eine kurze Strecke in einem Flugzeug mit. Während der ganzen Zeit bespricht der Therapeut mit seinem Klienten, wie die Abläufe sind und welche Dinge gerade Angst machen, um diese zu üben.
Da man bei dieser Therapie die Situation bereits sehr gut kennengelernt, wissen Menschen mit Flugangst dann auch genauer was sie erwartet und haben gelernt mit ihrer Angst umzugehen.
Ganz billig ist diese Methode allerdings nicht, denn sie benötigt viel Zeit, Personal und eben auch ein Flugzeug,

Die Lufthansa bietet eine solche Therapie in Kooperation mit erfahrenen Coaches an. Dadurch haben Menschen mit Flugangst die Möglichkeit in echten Flugzeugen und mit echtem Personal zu üben.

Flugangst in der virtuellen Realität therapieren

Für Menschen die wirklich starke Flugangst haben, ist jedoch allein die Vorstellung eine Therapie in einem echten Flugzeug zu machen schon so schlimm, dass sie lieber gar keine Therapie machen.
Gerade für solche Menschen ist eine Therapie mittels virtueller Realität bestens geeignet.
Man trifft sich sich dann beispielsweise in einem netten kleinen Büro weit abseits des Flughafens, beispielsweise an einer Universität. Der Klient bekommt eine 3D-Brille aufgesetzt und erlebt so einen Flug vom Boden aus.
Eine Steigerung davon wäre ein Flugsimulator, bei dem man nicht nur den Flug über die 3D-Brille sieht, sondern auch auf einem Wackelstuhl sitzt, der die Bewegung des Flugzeugs nachstellt.

Die Therapie in der virtuellen Realität hat viele Vorteile. Die Situation kann gut kontrolliert werden, beispielsweise wird der erste Übungsflug sicherlich ganz ruhig und ohne Turbulenzen verlaufen. Außerdem kann man bei der virtuellen Exposition jederzeit abbrechen, wenn die Angst zu schlimm wird.

Die Universität Würzburg bietet eine solche Therapie an.

Ich werde häufig gefragt, ob denn eine Therapie in der virtuellen Realität wirklich effektiv sein kann. Immerhin weiß man ja, dass man nicht wirklich in einem Flugzeug ist.
Wie bereits erwähnt ist Angst aber nicht rational. Wenn man Angst haben kann, obwohl man weiß, dass nichts passieren kann, kann man auch seine Angst verlieren, obwohl man weiß, dass nichts passieren kann.
Ich selbst habe an einer Studie zur Therapie von Spinnenphobie in der virtuellen Realität im Studium mitgearbeitet und auch meine Bachelorarbeit dazu geschrieben. Ich war immer wieder selbst überrascht wie gut es funktioniert hat. Ein gutes Beispiel ist auch eine Freundin, die mittels virtueller Realität eine Therapie gegen Höhenangst gemacht hat. Nach ihrer Therapie ist sie beim Spazierengehen auf jede Parkbank und jeden Baumstumpf geklettert, so freute sie sich keine Angst mehr zu haben.

Therapie im Gedanken oder unter Hypnose

Es braucht jedoch nicht immer eine 3D-Brille oder ein echtes Flugzeug. Oft reicht es schon aus, sich im Gedanken in die Situation des Fliegens zu versetzen. Zunächst fängt man mit wenig angsteinflößenden Situationen an und steigert sich dann über die einzelnen Sitzungen langsam, bis man bei den Situationen ist, vor denen man wirklich Panik hat. Am besten geschieht auch das unter fachmännischer Anleitung eines Coaches oder Therapeuten. Denn, salopp gesagt, wenn du wüsstest was du tust und wüsstest wie du mit deiner Angst umgehen sollst, dann würdest du gerade keinen Artikel darüber lesen.

Eine Steigerung der Therapie im Gedanken ist die Therapie in Hypnose. Diese ist sehr ähnlich, jedoch wird das Bewusstsein dabei noch stärker durch einen Trancezustand auf die Situation fokussiert. Viele Leute sind auch immer wieder skeptisch ob Hypnose funktioniert. Auch hier kann ich dir versichern, ich habe es schon gemacht und auch schon am eigenen Leib erfahren. Wenn du einen guten Therapeuten hast und ein kleines bisschen Vorstellungsvermögen, dann funktioniert es auch.

Informationstherapie gegen Flugangst

Wenn du eher der rationale Typ bist und mit Vorstellung und Therapie wenig anfangen kannst, gibt es für dich auch den Ansatz der Informationstherapie. Meistens wird diese jedoch nur unterstützend zur Expositionstherapie eingesetzt.  Ein Pilot oder Flugingenieur erklärt dir dabei die Physik der Strömungsmechanik, die Funktion eines Flugzeugs und die Auswirkung verschiedener Ausrichtungen des Seiten- und Höhenruders. Die Idee dahinter ist, dass man nur fürchtet was man nicht kennt.
Du erfährst dort, dass das Licht flackert, kurz bevor das Flugzeug los fährt, weil dann von externem Strom auf Batterie umgeschalten wird. Du erfährst, dass das seltsame Schnarren kurz vor der Landung vom öffnen der Fahrwerksluke und dem Ausfahren der Räder kommt. Du erfährst dass im Jahr 2017 über 4.100.000.000 (4,1 Mrd) Passagiere weltweit geflogen sind. Dort wird man dir auch erzählen, dass es 2017 keinen einzigen Absturz einer Linienmaschine in Europa gab. Du erfährst vielleicht, dass auf sehr langen Flügen manchmal bis zu vier Piloten an Bord sind, damit sie sich beim Fliegen abwechseln und auch zwischendurch schlafen können. Und vielleicht erzählt man dir auch, dass der höchste Flughafen der Welt auf 4411 m liegt.

Mehr Infos zum Thema Fliegen findest du übrigens auch hier: Das erste Mal Fliegen: Was muss ich beachten?

Fazit: Wie bekämpft man Flugangst?

Es gibt zahlreiche wirksame Therapien gegen Flugangst.
Das schlimmste was du mit deinen Ängsten machen kannst, ist ihnen nachzugeben und Situationen in denen du Angst hast zu meiden. Vermeide stattdessen unbedingt den Fehler zu denken, du wüsstest es selbst am Besten, wie du mit deiner Angst umgehen sollst. Auch wenn es deine Angst und dein Kopf ist hol dir Hilfe. Bei einem gebrochenen Arm gehst du ja auch zu einem Arzt, obwohl es dein Arm und dein Schmerz ist. Dein Gehirn ist im Endeffekt auch nur ein Organ.
Wie sinnvoll Fliegen in Zeiten des Klimawandels ist, das möchte ich an dieser Stelle nicht diskutieren.
Wenn du aus vielfältigen Gründen nicht fliegen möchtest, dann ist das auch in Ordnung.

Aber wenn dein Traum die Welt zu sehen daran scheitert, dass du viel zu viel Angst hast in ein Flugzeug zu steigen, dann gib dir selbst einen Ruck und hol dir Hilfe. Denn auch Träume müssen fliegen lernen.

Unser größtest Abenteuer im Flugzeug war übrigens ein Flug mit Lion Air: Fliegen mit Lion Air: Ein Erfahrungsbericht

Und wenn du noch keine Flugangst hast, aber gerne eine hättest, dann schau doch mal hier: Die 5 gefährlichsten Airlines

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