EBC – Mount Everest Basecamp Trek in Zeiten von Corona

Der ausführliche Mount Everest Base Camp Track Erfahrungsbericht für alle die genau wissen wollen, was sie erwartet.

Vorbereitung – Permits und Tims kaufen. 

Das Tourist Office von Katmandu liegt unweit von Thamel. Das große freistehende Backsteingebäude wirkt im Vergleich zum Rest der Stadt erstaunlich nobel. Wir betreten den Innenhof und fragen einen Wachmann, wohin wir müssen. Es ist leer hier. Kein Wunder hat Corona doch die Besucherzahlen in Nepal auf ein Minimum reduziert. Wir sind, wie es scheint, im Moment die einzigen Touristen im Gebäude. 

Die Eingangshalle ist groß und durch die dunkle hölzerne Wandverkleidung gediegen und finster. In der Mitte steht ein Schalter, davor ist Corona konform die Warteschlange mit Abständen am Boden aufgeklebt. 

Wir schauen uns ein wenig scheu und vor allem desorientiert um und treten an den Counter. Ein sehr offiziell wirkender Herr mit traditionell wirkendem Gewand verweist uns an einen Gang zu unserer Linken. Der gediegene Eindruck verschwindet schnell hinter Sperrholzwänden, Plexiglas und vergilbten Postern. 

Am letzten Schalter werden wir fündig. Zwei gutgelaunte Beamte sind gerade in ein Schwätzchen vertieft. Das Büro besteht mehr aus alten Werbepostern für die nepalesischen Nationalparks, als aus sichtbaren Wänden. Es gibt einen Computer, der neben dem Drucker schon beinahe modern wirkt, seine besten Zeiten aber wohl auch schon einige Jahre hinter sich hat. 

Die beiden scheinen sich zu freuen, uns zu sehen. Viel zu tun haben sie im Moment augenscheinlich nicht. In gebrochenem Englisch werden wir gefragt, was wir planen. Schnell wird klar: Er kann Englisch, sie hat die Ahnung.

Als Reisevollprofis haben wir doch glatt unsere Pässe vergessen, gestehen wir kleinlaut. Die beiden zucken mit den Schultern. Pässe brauchen sie nicht, solange wir die Passnummern wissen. Das wiederum ist kein Problem, wir haben alles digital. Wahrscheinlich könnten wir sie nach Jahren der Bürokratie inzwischen sogar schon auswendig. 

Man schiebt uns einen Zettel unter dem Plexiglastrenner durch. Es ist irgendein bedruckter Zettel, der in der Hälfte gefaltet wurde, sodass wir die weiße Rückseite beschreiben können. Wer ein Formular erwartet, der wird enttäuscht. Name, Herkunftsland, Passnummer und Alter (nicht Geburtsdatum) wird gewünscht. Zusätzlich das Geschlecht. Anscheinend ist auch das nicht offensichtlich und muss ordnungsgemäß auf dem Schmierpapier festgehalten werden. 

Wir zahlen 3000 NPR für den Parkeintritt und erhalten dann unsere Permits. Mein Name ist falsch geschrieben, aber ich reklamiere nicht. Ich gehe nicht davon aus, dass es so genau geprüft werden wird. Nur ungefähr 15 Minuten dauert die Prozedur insgesamt. Wir sind sehr angenehm überrascht, wie freundlich und unkompliziert das Ganze vonstattengeht. 

Tag 1 – Anreise nach Lukla?

Wir starten von Katmandu. Unser Flug ist für kurz nach 9 Uhr angesetzt. Als gute Deutsche starten wir bereits kurz nach 6 Uhr in unserer Unterkunft, die gegenüber dem Präsidentenpalast liegt. 

Über die App Patao rufen wir ein Taxi. Es dauert ein wenig, bis wir fündig werden. Selbst für nepalesische Verhältnisse ist es noch früh. Mit unserem ganzen Gepäck in den Maruti Alto zu passen ist gar nicht so einfach. Das Gefährt, kaum größer als ein alter Fiat 500 oder Suzuki Swift, bietet gerade so vier Personen und drei Rucksäcken Platz. Das Ein- und Aussteigen gestaltet sich ein wenig wie bei einem Clownsauto. 

Die Rushhour beginnt in Katmandu erst kurz vor 9, daher kommen wir schnell durch das sonst so verstopfte Straßennetz der unscheinbaren Millionenmetropole. 

Der Terminal (Domestic) ist schnell gefunden. Nach einer kurzen Sicherheitskontrolle – den typischen großen Röntgenkästen, durch die alle Koffer geschoben werden, geht es weiter zum Check-in. Unsere Airline YetiAir ist der erste Check-in Schalter an der Tür. Statt einem hochmodernen Check-in mit Gepäckwaage und Fließband erwartet uns ein Schalter, der genauso gut in jeder deutschen Innenstadt stehen könnte, um Werbung für Parteien oder eine NGO zu machen. Nur laminiert ist hier mehr – so viel, dass wir nicht erst den Versuch starten, alle Hinweise zu lesen. 

Etwas konfus kramen wir unsere Pässe heraus und stellen uns in die Reihe. Nur ein Gepäckstück ist bei unserem Flug inklusive. Daher haben wir alles in unsere nun prallen Wanderrucksäcke gepackt, die wir erst wenige Tage vorher inThamels Läden gekauft haben. Das Personal ist allerdings etwas verwundert, dass wir kein Handgepäck haben. Anscheinend haben wir die Regeln zu wörtlich ausgelegt. 

Als wir unsere Tickets erhalten, sind wir verwundert. Statt kurz nach 9 geht unser Flug bereits um 7:25. Ohne uns darauf hinzuweisen, wurden wir kurzerhand umgebucht. Uns bleibt nur noch eine halbe Stunde bis zum Boarding. 

Eilig flitzen wir zu den Gates. Die nächste Sicherheitskontrolle erwartet uns. Diese ist ziemlicher Standard, bis auf die Tatsache, dass es separat Schlangen für Männer und Frauen gibt. Da wir keine Taschen mehr haben, erspart sich die Frage, ob wir Technik auspacken müssen. Die Schuhe fahren allerdings getrennt von uns durch die Sicherheitspassage. Dank der monströsen Wanderschuhe, mit ihren zahlreichen Bändern, Laschen und Ösen entsteht ein Stau hinter dem Securitybereich nach jeder Wandergruppe, der sich erst durch Einheimische mit Schlupfsandalen wieder auflöst.

In einer lächerlich kleinen Vorhalle der Gates kontrolliert ein Wachmann anschließend, dass auch wirklich nur Leute mit Ticket die Gates betreten. Wie er im Chaos der sich ihm entgegennehmenden Hände einen Überblick behält, ist uns ein Rätsel. Vermutlich gar nicht. 

Die Gate-Halle besteht wie an vielen kleineren Flughäfen nur aus einem einzigen Raum. Er gibt lange Bankreihen und drei kleine Schalter, getrennt nach Fluglinie, mit Monitoren darüber, die die nächsten Flüge anzeigen. Unser Flug steht als DELAYED an. Das Wetter in Lukla ist so schlecht, dass wir nicht starten können. 

Lukla gilt als einer der anspruchsvollsten Flughäfen der Welt. Gelegen zwischen steilen Gebirgsketten und mit einer starken Thermik, verlangt es Piloten viel ab, die nur knapp 200 Meter lange Landebahn zu treffen. Vorsicht ist daher besser als Nachsicht. Unser Flug von 7:25 wird daher auf 8:25 verschoben. Nun heißt es warten. Das Spiel wiederholt sich in der nächsten Stunde. Müde hängen wir in den Metallbänken, während sich die Halle immer weiter füllt und ein Flug nach dem anderen auf den Anzeigetafeln als verspätet oder sogar gestrichen angezeigt wird. Die Stunden vergehen. Neun Uhr, zehn Uhr, elf Uhr – das Personal am Schalter informiert uns schließlich, dass der späteste Flug kurz nach 12 ginge. Klart es bis dahin nicht auf, müssen wir es am nächsten Tag noch einmal versuchen. Unsere Zuversicht schmilzt dahin, als die russische Reisegruppe neben uns schließlich aufbricht und die Halle in Richtung Ausgang verlässt. Ihr Guide scheint besser informiert als die Flughafenmitarbeiter. Regelmäßig telefoniert er direkt mit Lukla. 

Eigentlich warten wir inzwischen nur noch darauf, dass der Flug endlich gestrichen wird und wir zurück in unsere Unterkunft fahren können, um ein Stündchen zu schlafen, als Bewegung in die Menge kommt. Gruppe um Gruppe springt auf und sprintet beinahe in Richtung Schalter, obwohl sich dort scheinbar noch gar nichts tut. Plötzlich kommen sogar die Russen zurückgeeilt. Ein Flugzeug ist in Lukla gestartet, unterrichtet uns ein anderer Reisendender aufgeregt. 

Also geben auch wir unsere Plätze auf und stellen in die Menschentraube an den Schalter. 

Wir waren nicht der erste Flug, der sich heute verzögert hat, so sind wir auch nicht in der ersten Boardinggruppe. Doch die Maschinen landen und starten inzwischen im Takt von nur knapp 20 Minuten. In Gruppen von je 16 Personen werden die Wartenden schließlich auf die Maschinen verteilt. 

Schließlich sind auch wir an der Reihe. 

Ich habe nicht viel erwartet und meine Erwartungen werden nicht übertroffen. Die Maschine ist winzig. Modern ist sie auch nicht. Der Sitzplatz, der auf meinem Ticket steht, existiert nicht. Wir sollen uns einfach irgendwo hinsetzen, sagt die Stewardess. Wir setzen uns in die erste Reihe. Nur ein Stoffvorhang und eine Plastikfolie trennen meine Knie von den Piloten. Wir kören gedämpftes Lachen aus dem Cockpit. Angesichts des Wetters und der Flugstrecke ein beruhigendes Geräusch. 

Das laute Aufheulen der Rotoren lässt mich dennoch zusammenzucken. Es ist so laut, dass alle Gespräche in der Maschine jäh zum Erliegen kommen. Schon kurz nach dem Abheben schwankt das kleine Flugzeug merklich. Jede Böe jeder Windstoß bringt uns zum Schwanken. Immer wieder sacken wir einige Zentimeter weit durch. Der Anblick vor dem Fenster kann mich nur wenig ablenken, auch wenn er atemberaubend ist. 

Wir fliegen über grüne Bergkämme, steile Täler mit breiten Flüssen darin. Manchmal sind sie so nah, dass man das Gefühl hat, nur die Hand aus der Maschine strecken zu müssen, um über die Baumwipfel zu streichen. Abgelegene Häuser sprenkeln die Hänge wie buntes Konfetti. In der Ferne linsen erste Gipfel zwischen den Wolken hervor, deren Konterfei man bestenfalls aus Bergsteigermagazinen und Nepal-Reisebrochüren kennt. Doch das Brummen und das Schaukeln lässt mich kaum innehalten, um den Anblick zu würdigen. Stattdessen stopfe ich mir meine Ohrenstöpsel in die Ohren und drehe mein Hörbuch so laut, dass es den Lärm übertönt. 

Ein mitteilungsfreudiger Mitreisender, selbst wohnhaft in Lukla, weist schließlich, nach nicht einmal einer halben Stunde, die ganze Maschine lautstark darauf hin, dass man nun den Flughafen sieht. Uns bleibt kaum Zeit ihn zu erspähen, da steigen wir steil über einen letzten Gebirgskamm und gehen dann ebenso steil in einen Sinkflug über. Bevor ich weiß, wie mir geschieht, setzen wir mit einem Ruck auf, springen unsanft über einem harten Huckel auf der Landebahn und die sowieso schon ohrenbetäubenden Turbinen gehen lautstark in den Gegenschub. Ich bin zu perplex und wirklich Angst zu bekommen. Doch als wir die Landebahn bis ans Ende nach oben gerollt sind, sie hat eine nicht unerhebliche Steigung, und sich die Türen der Maschine öffnen, sind meine Knie ein wenig zittrig. 

Kaum sind wir ausgestiegen, wird die Maschine bereits von Neuem mit Reisenden vollgestopft. Die Taktung ist eng heute. Schon zieht die nächste Wolkenwand heran. 

Wir hingegen werden in einen schäbigen Raum getrieben, der mich mit dem unverputzten Beton, dem staubigen Boden und der rostigen Abtrennung in der Mitte eher an einen Kuhstall als an einen Flughafen erinnert. Unser Gepäck wird von einem Bollerwagen auf einen Gepäckrost geworfen.  Flughafenmitarbeiter wollen die Gepäckmarken sehen, welche Stücke wir schließlich nehmen, ist ihnen gleich. 

Während wir noch unsere Taschen suchen, quatschen uns von allen Seiten bereits übereifrige Guides und Porter an, die uns ihre Dienste feilbieten wollen. Beinahe fluchtartig verlassen wir das kleine Gebäude. Während Max mehr notgedrungen als enthusiastisch mit einem der Guides Kontaktdaten austauscht, halte ich nach einem Restaurant fürs Mittagessen Ausschau. 

Lukla ist nicht groß. Es ist kaum mehr als eine Hauptstraße, an der sich der touristische Kern drängt. Am Ende ist es eher Zufall, dass wir unsere Unterkunft finden. Das Hikers In wirbt mit einer Dachterrasse. Eigentlich wollen wir erst einmal mittagessen, doch als der etwas überrasche Inhaber feststellt, dass sich tatsächlich mal wieder Gäste zu ihm verirrt haben, bekommen wir nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern auch eine umfassende Beratung zum Treck und eine Führung durch die Zimmer. Die sind zweckmäßig eingerichtet, die Betten gemütlich und es gibt eine warme Dusche. Für einen Preis von nur 1000 NPR sind die Zimmer mit angeschlossenem Bad absolut zufriedenstellend. Unser Gepäck bleibt in den Räumen und wir bleiben über Nacht. 

Die für den Tag angedachte Wanderung nach Phakding verschieben wir auf den Folgetag. 

Nach einer heißen Dusche machen wir einen kleinen Spaziergang durch das Dorf. Die Menschen grüßen freundlich. Kinder in jedem Alter grinsen und zu und die Hunde, die vor jedem Haus liegen, freuen sich über Streicheleinheiten. 

Schließlich landen wir in einem Café. Der Kaffee dort ist grässlich, doch die Inhaberin, eine alte Dame, die sich kurzerhand auf einem Gartenstuhl zu uns gesellt, erzählt uns ungefragt einiges über die Region. Vor kurzem stieg eine 60-köpfige Gesellschaft bei ihr ab, die die höchste Modeschau der Welt am Base Camp abhielt. Drei der Teilnehmer machten schon kurz nach der Anreise schlapp und mussten mit Sauerstoff versorgt werden. Auch Reinhold Messner wohnte schon bei ihr. Mit seinen Star-Allüren hinterließ er allerdings nicht den besten Eindruck. Es ist unterhaltsam. Erst als sie anfängt, uns über unsere Unterkunft auszufragen, uns zu bequatschen auf der Tour in der Unterkunft ihrer Schwester einzukehren und auf dem Abstieg unbedingt bei ihr zu übernachten, treten wir einen höflichen, aber etwas fluchtartigen Rückzug an. Wir verstehen sie trotzdem gut. Ihr Haus sollte um diese Jahreszeit ausgebucht sein. Doch wie überall stehen die meisten ihrer Zimmer schon seit Monaten leer. 

Viel früher als sonst fallen wir an diesem Tag ins Bett. Das zeitige Aufstehen, die Wartezeit und die Aufregung haben ihre Spuren hinterlassen, die Höhe von fast 3000 Metern gibt uns den Rest. Unsere Unterkunft hat uns einen Porter-Guide organisiert, der uns am nächsten Morgen abholen soll. 

Tag 2: Lukla – Monjo

Der Tag startet früh. Doch als wir um 6:30 wie vereinbart zum Speiseraum trapsen, ist er noch abgesperrt. Erst 10 Minuten später wird uns etwas verschlafen geöffnet. Wir essen ein leichtes Frühstück: Porige und Apfelpfannkuchen. Eier oder Wurst vor einer Wanderung sind tödlich, das weiß jeder, der schon einmal in den Bergen war. 

Um kurz nach 7 kommt schließlich unser Guide. Lhakpa war schon 8-mal auf dem Gipfel des Mount Everest. Weitere 4-mal musste er unterwegs abbrechen, weil die Touristengruppen nicht fit genug waren, oder das Wetter ihnen einen Stich durch die Rechnung machte. Daneben hat er schon zahlreiche andere Gipfel der Region erklommen, bewaffnet mit Seil, Eispickel und Steigeisen. Seine Vita ist beeindruckend, seine Englischkenntnisse dafür eher Basic. Unsere Wanderung ist für ihn nicht mehr als ein netter Spaziergang. Wir sind trotzdem froh einen freundlichen, mehr als ortskundigen und hilfsbereiten Begleiter dabeizuhaben, der uns noch dazu ein paar Kilos Gepäck abnimmt. Ob wir ihn wirklich bräuchten, lasse ich mal dahingestellt. Aber gerade in diesen Zeiten, in denen der Tourismus in Nepal völlig wegbricht, schadet es nicht ein paar Devisen mehr im Land zu lassen. 

Der Weg beginnt gemütlich. Die größte Herausforderung sind die steinernen Stufen, die durch heftige Regenfälle in der Nacht glitschig sind und unseren neuen Gummisohlen kaum Halt bieten. 

Am Ortsausgang von Lukla werden wir ein erstes Mal kontrolliert und zahlen 2000 NPR für den Eintritt in irgendeinen Park. Kurz nach den letzten Häusern folgt eine Ticket- und Unterlagen-Kontrolle. Was genau die Leute jeweils sehen wollen, wird nicht ganz klar. Auf jeden Fall werden unsere Namen notiert. Man legt großen Wert darauf, dass kein Tourist abhandenkommt. Zahlreiche Vermisstenfälle auf der Strecke haben in den letzten Jahren nicht nur bei der nepalesischen Regierung für Unmut gesorgt. Davor die Strecke allein zu wandern, wird strickt abgeraten. Die beiden grundlegendsten Gefahren unserer Tagestour sind schnell ausgemacht. Die besagten rutschigen Steinstufen, neben denen oft tiefe Abhänge auf unvorsichtige Touristen warten, häufiger aber wohl Knöchel verstauchen und Beine brechen – und natürlich die beinahe allgegenwärtigen Mulis. Die Eselmischlinge sind das Transportmittel Nummer 1 in dieser Region und rumpeln schlecht gelaunt, immer etwas zu eilig und ohne Rücksicht auf Wanderer in großen Gruppen die Wege entlang. 

Unsere erste Tagestour führt auch keine verlassenen Wanderpfade entlang, sondern die örtliche Hauptstraße. Was für uns bereits ein Abenteuer ist, ist für die Leute der Region der Weg zum Einkaufen, in die Arbeit oder zur Schule. Natürlich gibt es keinen motorisierten Verkehr, dafür ist das Gelände zu unweg. Wer es eilig hat, greift zum Muli oder Pony. Die meisten Leute sind jedoch zu Fuß unterwegs. Zahlreiche Teehäuser, Hotels aber auch Höfe, Wohnhäuser, Schulen, Läden und Tempel säumen den Weg wie eine Perlenkette. 

Wer sich Zeit lassen möchte, der kann weite Teile des Weges auch in Etappen von nur wenigen hundert Metern zurücklegen. 

Der Weg folgt einem Fluss, der hier wegen seines trüben weißen Wassers auch Milchfluss genannt wird. Zunächst sehen wir ihn nur von Weitem, doch da unser erster Streckenabschnitt ein Abstieg ist, kommen wir ihm schnell näher. Ins Schwitzen geraten wir dennoch. Es ist eine Mischung aus der feuchten Luft, die gesättigt von Wolken, zahlreichen Wasserfällen und malerischen Gebirgsbächen durch unsere Kleidung dringt und der Anstrengung, jeden einzelnen Schritt sorgsam auszubalancieren. Schnell spüren wir Hitze in Po und Oberschenkeln von der ungewohnten Bewegung.

Als wir gegen Mittag in Phakding eintreffen, sind wir durchgeschwitzt. Mein T-Shirt klebt an mir wie eine zweite Haut und selbst mein Pulli hat seine Farbe unter den Trägern meines Rucksacks merklich verändert. 

Während wir eine Tasse Tee trinken und auf unser Mittagessen warten, lassen wir die Kleidung in der Sonne von der steifen Brise trocknen. Schließlich wird es uns jedoch zu kalt und wir verkriechen uns von der Veranda ins Restaurant. 

Zu Mittag gibt es Dhal Bat, das traditionelle Gericht Nepals. Es ist Reis mit Gemüse, Dhal (Linseneintopf) und verschiedenen Soßen. Da es nicht schwer im Magen liegt, ist es perfekt für unsere Wanderung. 

Bei Max gibt es Dhal Bat mit Hühnchen. Fleisch, so wurde uns von vielen Seiten empfohlen, sollte man nur bis Namche Bazar essen. Die langen Transportwege in der Region führen nämlich dazu, dass die Qualität in entlegeneren Gebieten für den europäischen Magen nicht mehr genießbar ist. Und wer will auf einer solchen Wanderung schon eine Lebensmittelvergiftung?

Als wir gerade aufbrechen, für die zweite Etappe des Tages, trifft eine weitere Gruppe im Gasthaus ein. Es sind Deutsche – die zweite deutsche Reisegruppe, der wir an diesem Tag begegnen. Ein paar Spanier treffen wir noch und mehrere indische Wanderer. Doch es ist ruhig. Die meisten Gesichter gehören Einheimischen, die unser Grüßen mit wohlwollendem Nicken beantworten. 

Die zweite Tageshälfte beginnt gemütlich, doch schnell sind die ebenen Abschnitte zunehmend von Treppen durchsetzt, die und noch mehr Schweiß auf die Stirn treiben und die dünner werdende Luft in stetem Takt durch unsere Lungen treiben. 

Als wir nach weiteren drei Stunden und einem steilen letzten Anstieg in Monjo ankommen zittern unsere Muskeln und wir schnaufen wie historische Gleisfahrzeuge. 

Für die Nacht haben wir eine Empfehlung von unserer letzten Lodge erhalten. Ob wir uns im Namen geirrt haben oder es einfach eine schlechte Empfehlung war, wir wissen es nicht. Doch die Fenster sind zugig mit einer handbreiten Ritze zwischen Glas und Rahmen, die Wände löchrig, das Essen ist schlecht und das Personal scheint von unserer Ankunft eher gestört als erfreut zu sein. Wir bleiben nur, weil wir zu erschöpft sind, um weiterzugehen, und weil draußen inzwischen ein heftiger Regenschauer niedergeht. Doch es gibt eine heiße Dusche, das ist alles, was für den Moment zählt. 

Vor der Wanderung hatten wir uns noch Sorgen gemacht, wie wir die langen Abende auf den Hütten herumbringen sollen. Die Wahrheit ist, dass wir schon früh im Bett liegen – mit Hörbüchern im Ohr über denen wir schon bald in einen erschöpften Schlaf wegdämmern. 

Learning des Tages: 

  • Für die einen ist es ein Wanderweg, für die anderen eine Hauptstraße.
  • Empfehlungen immer in Google Maps und TripAdvisor gegenprüfen. Im besten Fall schon vor der Wanderung Favoriten heraussuchen.
  • Powerbank nicht vergessen – unsere Unterkunft hat nur eine einzige Steckdose im ganzen Haus und die ist kostenpflichtig.

Tag 3 – von Monjo nach Namche Bazar

Schlecht gelaunt starten wir in den neuen Tag. Die Nacht war kalt, der Schlaf unruhig. Das Frühstück – Pancakes, stammt offenbar direkt aus einer Fertigmischung Marke Chemiefabrik. Zwar enthalten sie kein Ei, was Max sehr entgegenkommt, geschmacklich liegen sie dafür irgendwo zwischen Schaumstoff und Sandkastenfüllmischung. 

Das Personal der Unterkunft kann sich bei unserem Aufbruch dann doch noch zu einem Lächeln durchringen – wir sollen doch bitte wieder kommen. Sicher nicht. 

Zwei Dinge bereiten uns an dieser Stelle vor allem Sorge: Wenn die Unterkünfte schon hier so schlecht sind und in jedem Ort schlechter werden, wo soll das noch hinführen. Außerdem sieht das Wetter stark nach Regen aus. Beide Sorgen sind jedoch völlig unbegründet. Ein steiler Anstieg gleich zu Tagesbeginn bringt unsere Gedanken denn auch schnell auf andere Gedanken. 

Am Ortsende von Monjo beginnt direkt der Sagamarta-Nationalpark.
Vor einem kunstvollen roten Tor gibt es ein kleines Wachhaus – und auf der anderen Seite des Weges eine größere Station, die dank Plexiglasüberdachung und Metallbänken ein wenig an einen Bahnhof erinnert. Züge sucht man vergeblich. Ein ganzes Rudel freundlicher Hunde unterhält Reisende dafür gerne. 

Wir müssen im Gebäude und dann noch einmal im Wachhaus unsere Unterlagen vorzeigen. Alles ist chaotisch, niemand scheint wirklich zu wissen, was er braucht. Irgendwann kristallisiert sich heraus, dass im Gebäude Tickets für den Nationalpark zu erwerben sind und diese dann im Blechkasten nochmals kontrolliert werden. Da wir die Tickets schon in Katmandu gekauft haben, erübrigt sich das Steingebäude für unsere Zwecke eigentlich. Diese Feststellung mit dem Personal auszudiskutieren, dauert etwa fünfzehn Minuten. Der Herr in Tarnuniform, der sein Bestes tut in seinem Wachhäuschen nicht übersehen zu werden, schreibt unsere Namen anschließend sehr sorgfältig handschriftlich in ein großes Notizbuch. Dann erst dürfen wir durch das bunte Tor. Bevor wir es passieren, werden die Hunde jedoch unruhig, beginnen zu bellen und stürzen sich als Rudel hindurch. Die drei Dutzend Mulis, die ihnen aus dem Park schwer beladen und schnaufend entgegenkommen, sind davon wenig angetan. Beinahe kommt es zu einer Keilerei. 

Lhakpa heißt uns aufzupassen und in einem Bogen daran vorbeizugehen. 

Zunächst geht es abwärts. Für den Moment ist das angenehm, doch insgeheim verfluchen wir jede Stufe, die wir doppelt wieder hinaufmüssen – einmal heute beim später folgenden Anstieg und ein weiteres Mal auf dem Rückweg in einigen Tagen. 

Immer wieder sorgen Mulis für Stau auf der Strecke und blockieren Brücken. Gelegentlich sehen wir auch schon erste Dzos – Mischlinge aus Kuh und Yak, mit beeindruckenden Hörnern und stattlicher Statur aber weitestgehend ruhigem Gemüt. Wir sehen zahlreiche Wasserfälle, teils aus nächster Nähe, teils Kilometer weit entfernt an den Bergrücken.

Auch heute begegnen wir hauptsächlich indischen Reisenden, wenn wir denn überhaupt welche sehen. 

Heute passieren wir auch bereits die ersten der markanten Hängebrücken. Im ersten Moment sind die schwankenden Konstruktionen aus Stahlseil, Metallblech und Maschendraht mehr als gewöhnungsbedürftig. Doch wenn man bedenkt, dass sie jeden Tag mehrere hundert schwer bepackte Mulis und Dzos passieren, und wir leichter sind als entsprechende Lastentiere, relativiert sich die Angst ein wenig. Daher ist es vor allem die Angst, etwas fallen zu lassen, die mich jedes Mal beunruhigt, denn die Schlitze im Boden sind leicht ausreichend, um ein Smartphone, einen Kameradeckel oder eine Sonnenbrille ungebremst in die in der Tiefe liegenden Wassermassen entschwinden zu lassen. Wie unbedarft wir damit eigentlich sind, werden wir erst schmerzlich am Rückweg der Wanderung erfahren. Als uns eine Muligruppe auf einer Brücke einholt und Lhakpa festsetzt.

Info: Mulis schubsen. Vermeidet es daher, um jeden Preis ihnen auf Brücken zu begegnen. Die Gefahr, dass sie euch durch das Geländer drängen, ist zu groß! 

Die wichtigste Landmarke der heutigen Wanderung ist die Hillary Bridge, benannt nach Edmund Hillary, dem Neuseeländer, der zusammen mit Tenzing Norgay Sherpa zu den ersten Menschen gehörte, die den Mount Everest je bestiegen. Er stieß in der Region einige Infrastrukturprojekte an, für die er von der Bevölkerung vor Ort auch heute noch sehr geschätzt wird. 

Die Hillary Bridge ist imposant. Behangen mit zahlreichen Gebetsfahnen und Schals, ist sie die letzte Brücke vor Namche Bazar. Rund 60 Meter weit spannt sie zwischen zwei Berghängen. Wie hoch sie ist, können wir nur schätzen. Es wird wohl ungefähr das Doppelte ihrer Länge sein. Einige Meter unter ihr hängt ihre deutlich ältere Schwester, die inzwischen im Ruhestand und für Wanderer gesperrt ist. Bei gutem Wetter kann man von der Hillary Bridge angeblich den Mount Everest zum ersten Mal sehen, doch heute hängen die Wolken tief. Auf dem Rückweg haben wir klaren Himmel und sehen ihn trotzdem nicht, weil ein anderer Berg im Weg steht. Vielleicht schauen wir im falschen Winkel? 

Um zur Brücke zu gelangen, muss man bereits ein gutes Stück den Berg hinauf. Der Anstieg von Namche – der längste Anstieg der kompletten Tour, hat begonnen. Allein das Wissen, dass dieser Anstieg schier endlos ist, lässt uns schnaufen. 

Während wir uns den Berg hoch quälen – Stufe um Stufe und Sand und Waldboden – immer steil, immer aufwärts, werden wir überholt von Mulis, Trägern mit Gasflaschen, Säcken oder ganzen Möbeln am Rücken, Einheimischen und Dzos – die uns alle mitleidig anschauen. 

Wir brauchen regelmäßig Pausen. Max merkt bereits die Höhe, außerdem eine aufkommende Erkältung. Es ist der denkbar schlechteste Moment dafür. 

Unsere Wasservorräte und Müsliriegel schwinden nach und nach. Immer wieder lassen wir uns am Wegesrand auf Steine fallen und prusten, was die Lunge hergibt. Es wird die nächsten Tage nicht besser werden, das wissen wir, und die Aussicht darauf ist nicht ermutigend. 

Auf einem Plateau machen wir einen längeren Halt. Eine ältere Dame verkauft Getränke und Mandarinen. Wir kaufen uns Cola und Obst. Der Zucker darin lässt uns weitermachen. Wie wir letztlich den ganzen Berg hinaufkommen, ich weiß es nicht mehr. Mein Hörbuch ist spannend, ich versuche die Erschöpfung und das Brennen in Beinen und Lunge so gut es geht zu ignorieren. Leider ist der Weg nur wenig abwechslungsreich. Nadelbäume säumen ihn eng, angeln mit ihren Wurzeln nach unseren Schuhen und verdecken an den meisten Stellen den Ausblick. Doch irgendwann, es sind inzwischen einige Stunden vergangen, seit wir das idyllische Tal am Milky River verlassen haben, kommen wir an eine Wachstation. Bevor wir wieder genug Atem haben, um uns dort anzumelden, werfen wir uns mit samt der Rucksäcke auf einen Stein, keuchen und lasen uns die Sonne ins verschwitzte Gesicht scheinen, die sich endlich hinter den Wolken hervorwagt. 

Die Anmeldung am Wachhaus geht schnell. In der Saison kommen täglich bis zu 600 Wanderer in den Ort. Mit uns sind es heute nach Auskunft des Wachmannes 15 – dabei ist der Tag schon deutlich fortgeschritten. 

Wir rechnen damit, nun weitere Stunden Weg vor uns zu haben, doch obwohl wir uns nur noch aus purem Trotz weiterschleppen, erreichen wir bereits nach wenigen Minuten den Ortsrand von Namche Bazar. 

Es gibt ein niedliches buntes Tor, das uns willkommen heißt. Leute waschen in einem Bach, der mitten durch das Dorf läuft, ihre Wäsche und die Häuschen, die sich vor uns auf dem Hang erheben, reihen sich, wie das Publikum eines Amphitheaters, das den Blick in die Berge genießt. Heute sehen wir vom Ausblick nicht viel, denn auch wenn die Sonne es schafft, gelegentlich durch die Wolkendecke zu blinzeln, hängen die weißen Schleier vor den Gipfeln wie schwere Gardienen. 

Unser Hotel – Max hat es nach unserem Reinfall vom Vortag auf Tripadvisor herausgesucht – liegt oben. Im Fall von Namsche heißt das, dass wir, obwohl wir dem Namen nach bereits angekommen sind, nochmals über 100 Höhenmeter bewältigen müssen. Die direkte Straße ist gesperrt, also nehmen wir die Hauptstraße durch den Ortskern, an der sich zahlreiche Hotels, aber vor allem Cafés und Restaurants angesiedelt haben, die im Moment jedoch weitestgehend verweist und teilweise sogar geschlossen sind. 

Unser auserkorenes Hotel für die Nacht ist die Panorama Lodge. Wir betreten die Eingangshalle und finden die Rezeption leer vor. Bei den wenigen Leuten im Ort kein Wunder. Lhakpa macht sich auf die Suche nach einem Mitarbeiter und wird schließlich in der Küche fündig. Der Koch arbeitet jedoch erst seit einer Woche hier und ist mit unserer Ankunft etwas überfordert. Später erfahren wir, dass wir im Moment nicht nur die einzigen Gäste sind, sondern sogar die ersten Gäste der Saison. Die Saison hat zwar gerade erst begonnen, doch zwischen den Zeilen lesen wir, dass es das ganze Jahr mit Besuchern noch nicht weit her war. Corona hat Namche Bazar zu einer Geisterstadt gemacht. 

Wir bekommen erst einmal ein Heißgetränk, während der Koch den Besitzer der Lodge ausfindig macht. Im ersten Moment sind wir beinahe ein wenig verlegen so viel Unruhe ins Haus zu tragen. Doch dieses Gefühl verschwindet schnell, als nach und nach Leben ins Haus kommt. 

Außer dem Koch gibt es Mingma, den Besitzer der Lodge, dessen Mutter, die früher ein Momo-Restaurant im Ort leitete und den jungen Dinesh, der Barista und Kellner im Hause ist und eine Art Ziehsohn von Mingma.

Nachdem die erste Überraschung über die unangekündigten Gäste überwunden ist, bekommen wir unsere Zimmer, die neben einer warmen Dusche auch über Heizdecken verfügen – was bei den noch milden Temperaturen und den warmen Decken eigentlich gar nicht nötig wäre. Wir essen in der Lodge früh zu Abend und fallen danach ohne Umwege in die Federn. 

Tag 4 – Ruhetag in Namche Bazar

Wie die Überschrift bereits verrät, passiert heute nicht viel. Wir müssen akklimatisieren – also unsere Körper an die Höhe gewöhnen. Zumindest ist das unsere offizielle Ausrede. Inoffiziell gesprochen, sind wir bereits nach nur zwei Wandertagen komplett fertig mit der Welt und schlafen aus. Den keinen Spaziergang, den wir am späten Vormittag zum Frühstücken in die Stadt unternehmen, bereuen wir spätestens, als wir anschließend die Treppen wieder hinaufsteigen müssen. 

Auch ist der Ort weitestgehend ausgestorben, das Essen in den beiden Lokalen die wir besuchen wollen nicht gut und das Irish Pub, das sich das höchste der Welt nennt – auch wenn wir daran starke Zweifel hegen, verfügt doch La Paz in Peru über eine ähnlich e Höhe und drei Irish Pubs – hat geschlossen. 

Entsprechend schnaufen wir schon zeitig wieder ins Hotel zurück und bleiben dort – teils im Bett, teils allein im Speiseraum. 

Lhakpa kann es gar nicht fassen, dass er heute frei bekommt, und unternimmt spontan einen kleinen Ausflug zu seiner Familie. Er ist nur drei Stunden einfache Strecke entfernt aufgewachsen, ein wahrer Katzensprung für ihn. 

Beim Abendessen gesellt sich Mingma für einige Zeit zu uns und gibt uns einige Tipps zur Akklimatisierungswanderung. Die scheint in Namche Pflicht zu sein. Als wir ankündigen, dass wir noch gar nicht wissen, ob wir eine Wanderung am nächsten Tag machen wollen, weil Max Schnupfen immer schlimmer wird, ist es vor allem Lhakpa, der mit Unverständnis reagiert, ganz nach dem Motto „Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft hat noch niemandem geschadet“. 

Mingma empfiehlt uns nicht den direkten Weg zum Everest View Hotel – der typischen Anlaufstelle dieser Wanderung zu nehmen, sondern in einem großen Bogen dorthin zu Laufen. Zwar sei die Strecke weiter, doch der Ausblick sehr sehenswert. Der Tipp ist Gold wert. 

Tag 5 – Akklimatisierungswanderung in Namche Bazar

Wir haben es nicht eilig loszukommen und die Motivation schon wieder Stufen zu steigen ist heute auch eher begrenzt. Max schnieft und hat eine rote Nase. Luft bekommt er eher mäßig, was nicht nur an der Höhe liegt. Unsere erste glorreiche Diskussion, nachdem wir aufbrechen, dreht sich darum, ob sich nicht vielleicht die fünfzig Höhenmeter durch den Ort sparen kann, wenn man den anderen Weg, oben am Hügel nimmt…? 

Ja, man kann den Weg oben am Hügel nehmen und der ist auch sehr schön, aber mit Ruhm als Bergsteiger bekleckern wir uns wahrlich nicht. Wahrscheinlich bekommt Lhakpa den Eindruck eine Horde unausgeschlafener Kleinkinder dabeizuhaben. Max schnieft, Andrea trottet müde und schweigend und ich falle ständig zurück, weil ich eine Blume gefunden habe, die ich unbedingt fotografieren muss. 

Er nimmt es mit Humor, singt vor sich hin und zeigt mir nach einiger Zeit von sich aus schon Blumen, die ich noch nicht in meiner Sammlung habe. Nachdem unser Streckenziel heute überschaubar ist, haben wir mehr Zeit zu plaudern und man lernt sich besser kennen. Er erzählt von seinen Yaks, von seinen Wanderungen auf den Everest und auch anderen Bergen, aber auch von seinem Bruder, der bei seiner 15. Besteigung des Berges nicht mehr vom Everest zurückgekehrt ist. Langsam bekommen wir einen Eindruck davon, was die Sherpas und Träger generell hier leisten, wenn sie für die Touristen den Sauerstoff und Gepäck schleppen, Wege präparieren und auskundschaften und die Seile sichern. An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel unserer privaten Gespräche wiedergeben, aber so viel sei gesagt – die wenigsten Bergsteiger würde es wohl aus eigener Kraft auf den Gipfel irgendeines Berges der Region schaffen. Der Dank und die finanzielle Entlohnung, die die Einheimischen dafür bekommen – und auch das Ansehen – fällt dafür ziemlich spärlich aus.  Unser Respekt für so manchen Gipfeltouristen schmilzt in sich zusammen, wie die Gletscher des Everest in Zeiten der Klimaerwärmung. 

Der Weg unserer Akklimatisierungswanderung führt zwar stetig bergauf, doch selbst in der ungewohnt dünnen Luft können wir uns beim Gehen noch unterhalten. Zunächst geht es zu einem Hochplateau mit zahlreichen kunstvoll bemalten Steinen mit religiösen Sutras, durch einen Nadelwald mit von den Bäumen hängendem Moos und schließlich zum alten Flugplatz von Lukla. Dort wo einst Edmond Hillary vor seiner Besteigung des Everest landete, grasen heute Ponys und Mulis. 

Wir beratschlagen, ob wir einen Abstecher nach Khum Jung machen. Im dortigen Kloster gibt es einen Yeti-Schädel und der Ausblick sei sehr schön. In den Wolken, die aufziehen, beträgt die Sichtweite jedoch kaum noch 50 Meter und Max Schniefen wird immer schlimmer. Daher beschließen wir, nur zum Everest View zu gehen. Natürlich ist uns klar, dass wir den Berg heute nicht sehen werden. Mit mehr als einem Tee und vielleicht einem Mittagessen rechnen wir auch nicht mehr, als wir schließlich im dichten Nebel dort ankommen. 

Nach einem Blick auf die Speisekarte, vor allem die Preise, streichen wir auch das Mittagessen. 

Für etwa eine halbe Stunde sitzen wir verdrießlich auf der Terrasse des ausgestorbenen Hotels, trinken überteuerten Tee und starren in eine weiße Wolkenwand. 

Übrigens hatten wir vorab angefragt, was die Übernachtung hier kosten soll. Für zwei Zimmer – drei Personen – wollten sie rund 400$ pro Nacht. Dass der Laden bei der aktuellen Lage leer steht, wundert uns daher nicht. Wir hätten uns ordentlich geärgert, das Geld zu investieren und dann in eine Wolkenwand zu starren. 

Auf dem Abstieg macht sich dann auch ein Gefühl breit, das beinahe einer Art von Erleichterung gleicht. Wir freuen uns auf unsere Lodge in Lukla und das Mittagessen dort. 

Auf dem Weg rammt ein Dzo-Bulle von Hormonen getrieben angestrengt den Kopf in den Wegesrand und schaufelt damit Brocken von Lehm und Sand aus dem Hang. Als Lhakpa pfeift, nimmt er Reißaus. Es sollte nur ein Vorgeschmack sein, auf das, was uns noch erwarten wird. 

Für den Abstieg nehmen wir den direkten Weg zurück nach Namche Bazar – Treppen, sehr viele ungleichmäßig hohe Treppen.  Die Strecke geht auf die Knie. Die einheimischen Träger, die hier alles Mögliche auf dem Rücken hochtransportieren – von Gasflaschen über Reisegepäck bis hin zu ganzen Tischen – können wir nur bewundern. Mit breiten Riemen um die Stirn stemmen sie sich in ihre Lasten. Bisweilen kommen wir nicht umhin uns zu fragen, ob es denn das ganze Zeug in der Höhe braucht. Aber solange es Touristen gibt, die verpflegt werden müssen und Leute, die das Geld brauchen, das sie sich so kiloweise erarbeiten, lautet die Antwort wohl ja. Doch vor allem wenn sehr alte – manchmal sogar mit Gehstock, und sehr junge, kaum dem Kindesalter entwachsene Träger unseren Weg kreuzen, werden wir still. 

Abends essen wir in der Panorama Lodge. Das Essen ist hier so viel besser, als das, was wir im Ort hatten. Nachdem wir wegen Max Erkältung noch einen weiteren Tag bleiben, aber keine weiteren Pläne haben, lädt uns Mingma ein, am nächsten Tag mit ihm den Tempel zu besuchen, eine Einladung, die wir nur zu gerne annehmen. Im Anschluss daran besuchen wir das Tenzing-Norgay-Monument und sehen zum ersten Mal den Gipfel des Everest in der Ferne. 

Ein paar Fakten zur Panorama Lodge: 

  • Wasserheizung mit solar
  • Statt Wasser in Plastikflaschen gibt es hier für einen Bruchteil des Geldes Wasser aus einer umweltfreundlichen Osmose-Wasserreinigungsanlage
  • Familienbetrieb
  • Die Lodge unterstützt die örtliche Schule finanziell
  • Heiße Dusche
  • Sehr bequeme Betten
  • Super freundliche Leute
  • Sehr gutes Essen

Tag 6 – Akklimatisierung

Tag 7 – Namche Bazar nach Deboche 

Irgendwie fühlen wir uns inzwischen richtiggehend heimisch in Namche Bazar und der Panorama Lodge und wir verabschieden uns nicht völlig, sondern nur bis nächste Woche. Dass wir zurückkehren werden beim Abstieg, das steht für uns fest. 

Beinahe widerwillig machen wir uns auf den Weg.

Am Ortsausgang von Namche Bazar sitzt seit 30 Jahren ein Mann, der Spenden sammelt. Als er angefangen hat, war er nicht mehr der Jüngste. Inzwischen ist sein Gesicht wettergegerbt und seine Statur selbst voll aufgerichtet in sich zusammengeschrumpft. Das Wetter ist heute sonnig. Trotzdem sitzt er in eine Decke gehüllt da. Doch der erste Eindruck wird dem Lebenswerk dieses Mannes nicht gerecht. Er sammelt nicht für eine religiöse Stiftung oder gar sich selbst. Er sammelt für eine Straße. 

Den genauen Hintergrund wissen wir leider nicht, nur, dass dieser Mann vor 30 Jahren beschloss, dass der schmale steinige Weg zwischen Namche Bazar und Pengboche einfach nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprach. Also begann er Spenden zu sammeln, bei Einheimischen und vor allem den Touristen. Mit diesen Spenden finanzierte er Leute, die einen breiten Weg in den Hang schlugen und die neue Straße befestigten. Wir sehen die Bauarbeiten an mehreren Stellen, als wir Namche verlassen. Zwar haben die Regenfälle an einigen Stellen schon wieder Schutt und Geröll in den Weg gespült, doch prinzipiell ist der Wegabschnitt ausgezeichnet in Schuss. Schwer beeindruckt von der Hingabe dieses einzelnen Mannes und seinem Lebenswerk, werfen wir einige Scheine in die Spendenbox und dürfen dafür unsere Namen in ein sehr dickes Notizbuch schreiben. 

Der Weg geht zunächst recht eben den Hang entlang. Die Bäume lassen wir zunehmend hinter uns und nur halbhohes Gestrüpp und Stauden in Herbstfarben säumen den Weg, hier oberhalb der Baumgrenze noch. Der Fernblick ist heute grandios und eröffnet und den Blick auf grüne Schluchten mit Flüssen am Grund, braune Hügel, die sich über die Wälder erheben und nicht zuletzt immer mehr weiße Gipfel, die bis über die vereinzelten Schleierwolken reichen. 

Bald schon kommen uns die ersten Yaks entgegen. Diese imposanten Bergrinder gelten in der Region als heilig. Gegessen werden sie ebenso wie herkömmliche Rinder nicht, jedoch sind sie trittsichere Lastentiere, deren Wolle für Webarbeiten genutzt wird. Ihr schreckhafter und launischer Charakter macht sie jedoch nicht zu den einfachsten Weggefährten. 

Keine ruckartigen Bewegungen und immer bergseitig an den Rand ausweichen, rät uns Lhakpa. Die beiden größten Gefahren gehen davon aus in die Tiefe geschubst, oder auf die imposanten Hörner gespießt zu werden. Beides möchten wir tunlichst vermeiden. Man findet Yaks nur oberhalb von Namche Bazar, denn weiter unten ist es den massigen Tieren mit ihrem dicken Pelz zu warm. 

Gegen Mittag führt unser Weg plötzlich rapide abwärts. Schnell bekommen wir den Eindruck die vor Namche hart erarbeiteten Höhenmeter nun wieder abzusteigen. Zum Mittagessen kehren wir sogar wieder an einem Zufluss des Milky River ein. Obwohl die beiden kleinen Lokale hier am Weg extrem schäbig wirken, ist mein Dhal Bat hervorragend. Lhakpa verrät uns zudem, dass es hier eines der besten (selbstgebrauten?) Sherpa Biere der Region gibt. Da der Nachmittag aus einem einzigen langen Anstieg besteht, verzichten wir jedoch darauf, das Gebräu zu testeten. 

Bevor wir wieder Treppen steigen dürfen, müssen wir uns ein weiteres Mal an einem Kontrollpunkt anmelden. Es folgen Höhenmeter. Sehr viele Höhenmeter. 

Zum Glück ist der Weg nun wieder waldgesäumt, denn bis zur Baumgrenze müssen wir uns erst einmal wieder hocharbeiten. Auf dieser Strecke gibt es einen alten und einen neuen Weg. Lhakpa rät uns zum Alten. Dieser ist zwar weniger gut ausgebaut und die Steintreppen verdienen die Bezeichnung vielerorts kaum, doch dafür ist er weniger steil und der Wald schattig. Der neue Weg ist im Gegensatz dazu ein breit ausgebauter Weg mit Lastentierverkehr, der laut unserem Guide keinen Spaß macht. 

Wirklich Spaß macht der alte Weg in meinen Augen auch nicht, dafür gibt es zu wenig Ausblick und die Serpentinen scheinen sich endlos durch den Wald zu ziehen, doch mein Hörbuch – es ist inzwischen schon der nächste Band – lässt mich durchhalten. 

Oben angekommen gilt es zunächst leise zu sein, denn wir sind in Tengbuche. Hier steht eines der wenigen vollständig aktiven buddhistischen Mönchskloster der Region. Es ist zu vergleichen mit dem lokalen Bischofssitz. Der Lama des Klosters ist allerdings vor gut einem Jahr verstorben und man wartet im Moment noch auf die Reinkarnation des Mannes. Im Schnitt dauert es gute zwei Jahre, um die Wiedergeburt ausfindig zu machen, oft auch länger. 

Das Kloster wirkt von außen in gewisser Weise respekteinflößend, gleichzeitig aber auch für unsere Augen kitschig. Der Stil der religiösen Einrichtungen ist vor allem eines: bunt. 

Es ist wohl möglich, das Kloster zu besuchen. Doch wir sind durchgeschwitzt und müde – eindeutig nicht die beste Ausgangslage für eine spirituelle Einkehr. Durch die erneut aufgezogenen Wolken ist es inzwischen schon wieder nebelig und kalt. Daher rasten wir nicht lange. Ein Pony Fohlen, das vor dem Kloster grast, bekommt eine kurze Streicheleinheit, dann geht es auch schon wieder weiter. 

Nachdem wir uns gerade so mühsam Höhenmeter erkämpft haben, ist der folgende Abstieg nach Denboche ein weiterer Tiefpunkt. 

Am Ende der Tageswanderung erwartet uns die Riverdale Lodge. 

Es gibt Heizdecken, eine warme Dusche und sogar einen Föhn im Gemeinschaftsraum. Die Dame des Hauses ist extrem niedlich und stopft uns mit verschiedensten Keksen voll, die wir unbedingt probieren müssen. Wir beenden den Tag erschöpft, aber sauber und mit trocken geföhnten Haaren, ein Luxus, den wir hier nicht erwartete hatten. 

Tag 8 – Debusche nach Dingbuche 

Es geht durch dichte Rhododendrenwälder, deren Blüte im späten Frühjahr sicherlich atemberaubend sein muss und schließlich in einen Wald mit bemoosten Bäumen, an deren Zweige lange Seile aus Flechten im Wind flattern. Dazwischen fließen Rinnsale, an deren Ufer Pferde grasen. Der Weg ist gesäumt von Mäuerchen aus gestapelten Steinen, deren Spitze geschichtete Steintafeln mit mysteriösen Inschriften bilden. Hätte eines der Pferde hier ein Horn auf der Stirn, oder würden mir Leute mit spitzen Ohren entgegenkommen, es würde mich nicht einmal verwundern. 

Als der Wald endet, gibt er den Blick auf einen Fluss frei, der sich aus den Bergen in einer breiten Schlucht in die Tiefe gefressen hat. Zunächst geht es über eine Hängebrücke, dann immer bergauf diese Schlucht entlang. An Weggabelungen stehen Stupas und glänzen mit ihrer goldenen Spitze in der Sonne.

Wir sind gerade seit ungefähr zwei Stunden unterwegs, als wir auf einem schmalen Wegabschnitt vor uns plötzlich Bewegung auf einem Hang sehen. Ein wilder Yak-Bulle läuft in den steilen Wiesen herum. Als er in der Ferne den Weg in Richtung Wanderweg einschlägt, werfen Einheimische Steine nach ihm. Das Tier ist davon wenig beeindruckt, steht einige Zeit am Hang, beobachtet und rammt dann immer wieder energiegeladen einen Busch. 

Lhakpa warnt uns, hinter ihm zu bleiben, ergreift einen Stein und geht langsam voran. Der Bulle ist weit entfernt, gute dreißig Meter unterhalb des Weges, noch fast zweihundert Meter entfernt von uns, als wir unsere Beobachtungsposition aufgeben und losgehen. 

Auf einmal schreit Lhakpa vor uns etwas, was ich nicht verstehe. Seine Geste scheint nur eins zu sagen AUS DEM WEG. 

Ich reagiere so, wie er es uns gezeigt hatte: bergseitig ausweichen und nach oben, um den Weg freizumachen. Vor mir sehe ich plötzlich Bewegung. Etwas Dunkles walzt heran. Ich springe vom Weg in den Hang, tue drei schnelle Schritte nach oben, nur weg. Aus den Augenwinkeln sehe ich nur, wie Max und Lhakpa zur Seite springen, als das Vieh an ihnen vorbeiprescht. Doch anstatt auf dem Hauptweg zu bleiben, schlägt der haarige Koloss einen Haken und ist plötzlich am Hang. Bevor ich weiß, was passiert, hämmern vier massive Hufe vor meinem Kopf vorbei, dort wo ich eigentlich gerade hinwollte. Ich schaue nach, sehe wie sie auf Andrea zu walzen, die wie ich den Richtungswechsel nicht gesehen hat. Noch ein Meter und sie steht genau in dem Weg, auf dem er gerade kopflos Büsche und Gestrüpp mit den gewaltigen spitzen Hörnern niedermäht. 

ANDREA RUNTER!“ Ich brülle die Worte, bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann, was gerade passiert. Sie reagiert so schnell, dass es mehr Reflex als Verständnis sein muss und lässt sich die eineinhalb Meter Hang, die sie inzwischen erklommen hat fallen. Keine Sekunde zu früh, denn das Yak walzt in diesem Moment nur Zentimeter von der Stelle, an der sie gerade noch gestanden hatte, vorbei und donnert weiter den Hang hinauf, bis es aus meinem Sichtfeld verschwindet. 

Wir warten nicht darauf, was es weiter tut, sondern nehmen die Beine in die Hand und rennen zu Lhakpa.

Es dauert einige Minuten, bis unser Atem sich wieder beruhigt und das Herz nicht mehr in unseren Ohren pocht. Der Boden scheint plötzlich weich, fast zäh, dabei sind es unsere Knie, die nicht mehr ganz sicher sind, ob sie uns tragen wollen. 

Beim folgenden Wegabschnitt habe ich am Rückweg das Gefühl ihn zum ersten Mal zu sehen. Ich weiß noch, dass der Aufstieg anstrengend war, doch die niedlichen Bäche, die Blumen, Häuschen und Büsche am Wegesrand, schaffen es nicht bis in mein Bewusstsein. Wirklich zu uns kommen wir alle erst wieder im nächsten Ort und einem dortigen Hotel, in dem wir einen Kakao bestellen. 

Während wir warten, dass der magische Trank aus Schokolade, Fett und Zucker wirkt, um unsere Nerven zu beruhigen, operiere ich Andrea mit einer Nähnadel Dornen aus der Hand. Die Ärmste fiel bei ihrem beherzten Sprung nämlich ausgerechnet in einen Dornenbusch. Wenigstens hatte sie lange Kleidung an, so dass er nur die Handflächen erwischte. Besser als Yak Hörner sind die Dornen aber wohl. Während wir langsam unsere Fassung wiederfinden, diskutiert Lhakpa mit dem Besitzer des Hotels und eröffnet uns danach mit ernster Miene, dass eines dieser Viecher vor einigen Jahren einen Tourguide auf die Hörner nahm und mit einem einzigen Schwenk seines Kopfes ausweidete. Das Bild, das daraufhin in unserem Kopf entsteht, bekommt keiner von uns beim Anblick der Tiere wieder völlig los. 

Weiter geht es nach ungefähr einer Stunde. Der Weg sieht weiterhin genauso aus, wie die Stelle, an der wir von dem Yak angegriffen wurden. Die Wegränder beobachten wir daher heute sehr genau. Auf was ich weniger Acht gebe, ist mein Rucksack. Die „Glückssträhne“ hält an, ein Gurt reißt und das Mikrophon unserer kleinen Kamera verabschiedet sich auf nimmer Wiedersehen irgendwo auf dem Weg und ward nicht mehr gesehen. Ich bemerke es kurz vor dem Mittagessen. Nach der Sache mit dem Yak kann ich mich darüber nicht einmal mehr wirklich ärgern. Es hätte heute so viel schlimmer kommen können. 

Gegen Nachmittag wird der Weg flacher. Wir sehen immer mehr Yaks, die jedoch alle gemütlich weiden. Sie gehören zu den zahlreichen Yak-Farmen in Dingbuche. Dass keines der Tiere groß Notiz von uns nimmt, bedeutet nicht, dass wir nicht als Gruppe enger zusammenrutschen, uns mit Steinen bewaffnen und sie ganz genau im Auge behalten. Erst im Hotel fällt die Spannung schlagartig von uns ab. 

Auch hier gibt es eine heiße Dusche und auch hier fallen wir danach ins Bett, als wäre die Schwerkraft mit den Höhenmetern gestiegen. 

Tag 9 – Akklimatisierung inDingbuche

Wer glaubt, dass wir nach dem gestrigen Tag freiwillig einen Fuß vor die Tür gesetzt haben, wo es hier vor Yaks nur so wimmelt, den muss ich enttäuschen. Ich wasche einen Wollpulli, obwohl ich nicht weiß, ob er trocknen wird. Mehr Nervenkitzel vertrage ich heute nicht mehr. 

Der Pulli wird in nur 4 Stunden trocken. 

Tag 10 – Dingbuche nach Lobuche

Ja, wir müssen wieder raus zu den Viechern. Heute ist der erste Tag, an dem uns die Höhenmeter nicht das größte Kopfzerbrechen bereiten. 

Als ob uns der Berg dafür bestrafen will, beginnt die Wanderung denn auch direkt mit einem steilen Anstieg und endet in einem Friedhof. Diese wunderschönen Bilder, die man von Nepal kennt, die aufgetürmten Steine, mit den bunten Wimpeln daran, das sind Grabmale oder Mahnmale. Wer sie auf Werbebroschüren für Reisen und vor allem Bergexpeditionen sieht, sollte den Anbieter vielleicht noch einmal überdenken, denn sonderlich erfreulich scheint der Ausgang dieser Touren nicht zu sein. 

Hier direkt über Dingbuche liegen jedoch vor allem Einheimische. 

Ein langgezogenes Tal begleitet unseren Weg weiter. Enzian und Edelweiß wachsen hier, wie in deutschen Vorgärten Gänseblümchen und Löwenzahn. Wer bei diesen Blumen Alpenromantik erwartet, war definitiv noch nie im Himalaya. Bis auf die inzwischen doch schon dünne Luft ist dieser Wegabschnitt angenehm zu laufen. Man hat nicht wirklich das Gefühl voranzukommen, dafür spielt man auch nicht jeden Meter mit dem Gedanken aufzugeben. Das kommt an diesem Tag erst später. Am Wegrand grasen Yaks. Sie sind zwar allesamt friedlich, beschleunigen unsere Wanderung dennoch.

Gegen Mittag kommen wir an eine deutliche Zäsur in unserem Weg. Eine breite Schneise aus weißem Geröll markiert ein Flussbett und gleichzeitig auch den Aufstieg zu unserem Mittagessen. Auch wenn es zunächst aussieht, als müsse man auf glatten Felsen über einen Sturzbach setzen, ist es am Ende eine wenig imposante Brücke aus einigen Brettern, über die wir auf die andere Seite kommen. 

Anschließend geht es einen Hang nach oben und schnurstracks in eines von zwei oder drei Restaurants, die hier mit bestem Ausblick in das Tal errichtet wurden. Dieser Punkt der Wanderung ist wohl einer der Orte, an dem die meisten Wanderer auf ihrer Tour einkehren. Das Essen ist das schlechteste, das wir auf unserer kompletten Wanderung haben werden. Von Gewürzen hat man augenscheinlich noch nicht gehört und die Pommes sind gerade so lange frittiert, dass man sie nicht mehr als roh bezeichnen kann. Lhakpa meint dazu später achselzuckend, dass der Besitzer wohl noch nicht wieder da ist. Anscheinend sind Qualität und Supervision an diesem Ort eng verknüpft, was zumindest Hoffnung für folgende Wanderer gibt. 

Eigentlich hätte ich an diesem Punkt bereits genug für heute. Ich bin nicht kaputt, aber viel Antrieb weiterzugehen habe ich auch nicht. Vielleicht ist es eine Vorahnung auf das, was folgt: Ein Hang und sehr sehr viele Treppen. 

Es ist eine dieser Stellen, an denen man den Eindruck bekommt, man könnte sich das Atmen genauso gut sparen, denn Luft bekommt man sowieso nicht. Zusätzlich sind viele der Steine im Hang so locker, dass man mehr rutsch als geht. 

Als wir auf etwa dreiviertel des Weges eine Pause machen, sehe ich plötzlich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Diesmal ist es kein doppeltgehörnter Fellpanzer, der uns beinahe überrollt, sondern quasi das Gegenteil. Zwischen den Steinen gibt es immer wieder kleine Flächen mit kargem Gras und Moosen. Dort zucken kleine runde Öhrchen und ein nervöses Näschen mit langen Schnurrhaaren wittert aufgeregt. Das kleine Pelztier ist etwa so groß wie ein Kaninchen. Auch der Bommelschwanz erinnert an die Mümmelmänner. Schaut man sich das Tier im Ganzen an, sieht es jedoch eher aus wie ein großer Hamster mit Mäusenase. Die Rede ist von einem Pika. 

Aufgeregt sitzt es zwischen den Felsen, die Umgebung aufmerksam im Blick und frisst Gras. Ich lege die Kamera an und erwische einige fast scharfe Aufnahmen. Das ist mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte. 

Nach diesem Highlight komme ich den restlichen Hügel dann auch noch hinauf. 

Es erwartet uns einer der typischsten Ausblicke Nepals, das Bild, mit dem jedes Reisebüro wirbt. Der ikonische Steinklotz, der mit Duzenden von Gebetsfahnen umschlungen ist, die im Wind vor einem beeindruckenden Bergpanorama flattern. Es ist ein Grabmal – was sonst? 

Dutzende dieser Mahnmale stehen hier in einer windgeschützten Senke. Sortiert nach Nationalität sind die Namen der Verstorbenen in Metallplatten an den Seiten der Steintürme eingraviert. Manche Namen und Jahreszahlen wurden auch direkt mit Kreide auf den Stein geschrieben. 

Auch wenn es etwas makaber ist, kommt mir bei dem Anblick ein Meme in den Kopf: „Every corpse on Mount Everest was once an extremly motivated person.“

Nun, soweit gehen wir zum Glück nicht, so motiviert wären wir auch nicht. 

Doch ein Stück weit in die Richtung gehen wir noch. Der schlimmste Wegabschnitt liegt hinter uns. Der weitere Weg bringt uns in ein weiteres Tal, das mit den großen Felsen, einem bemoosten steinigen Bachbett und den weißen Gipfeln, die die braunen Hügel umrahmen wie ein Passepartout, dermaßen fotogen ist, dass ich viel zu beschäftigt mit Fotografieren bin, um noch groß über die Anstrengungen nachzudenken. 

Als wir am späten Nachmittag Lobuche erreichen, sind wir vom Hotel der NEW EBC Lodge mehr als angetan. 

Tag 11. Lobuche – EBC – Lobuche

Die Nacht ist unruhig und schlaflos. Zwar sind die Betten bequem und mit dem Schlafsack unter der Decke ist es auch angenehm warm, dennoch macht sich die Höhe zunehmend bemerkbar. Kopfschmerzen, Schwindel, Kurzatmigkeit, spröde Lippen, Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit und Magenschmerzen sind nur einige der Symptome, die sich zunehmend einstellen. Es sind klassische Anzeichen der Höhenkrankheit, ohne dass wir wirklich höhenkrank sind. Ab 5500 Metern beginnt die Todeszone, jene Höhe, an die sich der Körper auch mit ausreichend Akklimatisierung nicht mehr anpassen kann. Unser Hotel liegt bei ungefähr 4900 Metern. Was soll man da noch groß erwarten? 

Wir fassen daher den einzigen Entschluss, der vernünftig ist. Wir gehen heute zum Basecamp und bleiben nicht in Gorag Shep, sondern gehen zurück nach Lobuche, um hier eine weitere Nacht zu verbringen. 

Das bringt zwei Vorteile mit sich. Zum einen ersparen wir uns, unser Gepäck mitzuschleppen, und zum anderen ersparen wir unseren Körpern eine Nacht auf noch größerer Höhe. Dass es wegen der weiteren Strecke ein Gewaltmarsch wird, darauf bereiten wir uns nun langsam psychisch vor. 

Für alle Fälle sind wir mit Taschenlampen ausgerüstet. 

Es geht noch vor Sonnenaufgang los, wobei Sonnenaufgang an diesem Ort ein relativer Begriff ist, denn der Horizont ist über 8000 Meter hoch. Daher ist das Dämmerlicht auch schon über eine Stunde zuvor so hell, dass wir problemlos alles sehen können und die Taschenlampen nicht brauchen. 

Zunächst geht es – ihr ahnt es – wieder einmal in ein sehr pittoreskes Tal, das wir entlangwandern. Hier ist alles Tal, was nicht selbst Berg ist, ausgeschabt von Millionen Jahren der Gletscherbewegung. In der Mitte dieses Tals ist ein langgezogener Hügel, den wir pünktlich hinaufklettern, bevor die ersten Sonnenstrahlen zwischen den angrenzenden Gipfeln hindurchlinsen. Wir machen Fotos und Videos und marschieren dann weiter. 

Es geht bergauf – auch das wenig verwunderlich. Nach einem erneuten Anstieg stehen wir jedoch plötzlich in einem Geröllfeld, das das komplette Tal ausfüllt. Es sind die Reste des Khumbu-Gletschers, der sich inzwischen in seiner Hauptmasse bis hinter das Base Camp zurückgezogen hat. Unter den Steinmassen sind noch immer Reste des Eises. An vielen Stellen quillt Wasser hervor, sammelt sich in schmutzigen kleinen Seen oder quillt als unerwartet heftiger Sturzbach unter dem Weg hervor. 

Der Weg verdient diesen Namen nun kaum noch. Wir balancieren und rutschen eine grob vorgegebene Route entlang, hoffen, dass die Steine zumindest so trittfest sind, dass wir nicht zu weit abrutschen und bewegen uns mehr auf allen vieren denn stehend vorwärts. Für die Körperkoordination ist diese Strecke hervorragend. Um voranzukommen, eher weniger. Das Frustrierenste sind dann nicht einmal die Träger, die allgegenwärtig ihre hohen Lasten geübt durch das Geröll balancieren, sondern Reiter, die mit Ponys im gestreckten Galopp hindurchjagen. Wie die Tiere hier ihren Tritt bewahren, ist uns ein Rätsel. 

Halb erwarten wir, inmitten des Schutts bereits auf das Base Camp zu treffen, doch dem ist nicht so. Der Boden wird wieder fester, vertrauenserweckender und es geht abwärts. Dann tauchen in einer Senke Hausdächer aus Wellblech auf. Wir erreichen Gorag Shep. Wir lassen das Dorf direkt links liegen und gehen weiter. Zunächst ist der Weg so flach, dass wir erwarten, nur noch einen kleinen netten Spaziergang zum Camp zu machen – als ob wir es inzwischen nicht besser wüssten. Natürlich kommt schon bald die nächste Steigung und bringt uns auf einen langen Grat. Er ist weitestgehend gut zu laufen, nicht wie die Schutthalde zuvor. Doch wir erreichen eine Höhe von beinahe 5500 Metern, die beschriebene Todeszone, und jeder Schritt fühlt sich zunehmend an, als wären wir übernächtige Traumwandler mit Gleichgewichtsstörungen, die heute am späteren Vormittag noch mit einer Migräneattacke rechnen müssten. Trotz Todeszone ist es hier jedoch nicht tot. Natürlich gibt es andere verrückte Touristen und die demotivierenden Ponyreiter.  Doch zwischen den Steinen wächst nach wie vor Gras und niedriges Gestrüpp. Vögel – allen voran rabenähnliche schwarze Tiere, die mich stark an Alpendohlen erinnern, kreisen in der Luft. Kleiner Vögel, vielleicht Verwandte von Spatzen oder Finken, hopsen zwischen den Steinen. Immer öfter sehen wir eine beinahe unwirklich blaue Blume mitten im Geröll. Es ist Gletscher Eisenhut, der sich in großen Büscheln in die Hänge krallt. 

Das Ende ist erreicht, wir steigen ab. Das Base Camp liegt erneut mitten im alten Gletscherbett. Es ist nicht umgeben von Geröll, sondern es ist Geröll. Wieder balancieren und hopsen wir mit Händen und Füßen über Steine, die nicht selten größer sind als wir selbst und auch kaum stabiler stehen. Ein großer halbrunder Stein markiert die Stelle, die wir seit Tagen erreichen wollen. Das Besondere an ihm ist die Aufschrift. EVEREST BASE CAMP 5364m ist in blutroter Farbe und fahrigen Buchstaben darauf gesprüht. Um den Everest zu sehen, muss man jedoch wissen, wo man hinschauen muss. Halb verborgen ragt der Gipfel zwischen anderen nicht weniger imposanten Bergen empor. Für wahre Bergenthusiasten beginnt die Reise hier erst. Auf dem Khumbu Gletscher, nur wenige Meter entfernt, zwischen Base Camp und Camp 1, lassen die meisten von denen, die es nicht schaffen ihr Leben und finden dann Einzug auf den zahlreichen Bronzetafeln, die sie am Wegesrand genau davor warnten. 

Unberechenbar sei der Gletscher. Manchmal ist er in den Morgenstunden noch gut begehbar, wenn die Sherpas die Sicherungen anbringen und den Sauerstoff vorantragen und wenn wenig später die Touristengruppen aufbrechen, hat er sich bereits in ein Todesfeld verwandelt, in dem Gletscherspalten aufbrechen, wie Münder, mit denen der Berg seine Besteiger zu verschlingen versucht. 

Die Vorstellung, dort hinauf zu müssen, gruselt mich mehr, als ich es in Worte fassen kann. Leute auch noch dafür zu bezahlen meinen Krempel und meinen Sauerstoff dort hochzutragen und für weniger als das Monatsgehalt der meisten Besteiger ihr Leben zu riskieren, stößt mich geradezu ab. Sicher ist es eine Leistung und eine Überwindung diesen höchsten Berg der Welt zu besteigen, doch welcher Tourist würde das schon ohne Guide oder Sherpa schaffen? 

Lhakpa zuckt mit den Schultern als wir vor dem Berg stehen. Für ihn war es bis hier nicht mehr als ein netter Spaziergang. Er macht Fotos mit uns und erklärt uns, welche Route er von hier aus einschlagen müsste, um den Gipfel zu besteigen. Vielleicht wird er in ein paar Monaten erneut sein Leben riskieren. Doch nun bringen wir ihn erst einmal wieder nach Hause. Seine Tochter hatte gerade ihren ersten Geburtstag. 

Der Abstieg vom Mount Everest Base Camp

3,5 Tage! Länger brauchen wir nicht, um vom Basecamp zurück nach Lukla zu kommen. Es sind 3,5 Tage und beinahe 70 km, in denen wir jeden Meter verfluchen, den wir aufgestiegen sind, in denen wir anderen Touristen wohlwollend zunicken und ihnen versichern, wie toll der Ausblick war. Wir verkneifen uns ihnen zu sagen, was ihnen noch blüht, wenn sie uns erschöpft entgegentrotten, obwohl sie den schlimmsten Aufstieg ihres Tages noch nicht einmal erreicht haben. 

Es sind plötzlich viele von ihnen. Die Saison ist mit etwas Verspätung doch noch angelaufen. Manchmal sind wir schockiert, wer sich nun den Berg hinaufquält. Es sind nicht nur die offensichtlich unsportlichen Leute, die augenscheinlich unter ihrem eigenen Gewicht schon im Flachland Gehprobleme haben. Auch Rentner, einer blasser als der andere und sogar Familien mit Kleinkindern sehen wir, wie sie in langen Reihen den Berg hinaufpilgern oder sich auf Ponys zum Base Camp bringen lassen. Auch die Hubschrauber werden mehr. Es sind Touristen, die den Aufstieg scheuen, oder die ihn nicht schaffen. Einige der Hubschrauber fliegen Rettungseinsätze, was uns in diesen Tagen auch nicht mehr wundert. 

Ohne die Einheimischen würden es vermutlich nur die wenigsten von uns zum Base Camp schaffen. Selbst die, die weder Guide noch Porter haben, kaufen unterwegs Getränke, essen Lebensmittel, die aus dem Tal kommen und in Gasküchen zubereitet wurden und sie schlafen in Betten, die jemand hochgetragen hat. Für einen Touristen, der es auf dem Mount Everest schafft oder auch nur bis zum Base Camp, ist die Leistung, die er bringen muss, begrenzt. Die Infrastruktur auf dem Weg ist gut, sogar Netzabdeckung gibt es über weite Teile. Der Weg ist schön und ein Abenteuer für alle Bürotiger. Aber er ist machbar, im Nachhinein betrachtet, wird es Freizeitabenteurern vielleicht schon zu einfach gemacht. Das Ende der Welt wird man auf den Wegen nicht finden, auf denen sich lange Reihen von Touristengruppen, die immer gleichen Routen hinaufschlängeln. Zurück in Namsche Bazar ist sogar ein Filmteam vor Ort und dreht einen Bollywoodstreifen. In Lukla starten und landen die Flugzeuge inzwischen im zehn-Minuten Takt. 

Dennoch: Für uns wird die Tour unvergesslich bleiben. Vielleicht haben wir dank Corona dafür aber auch den besten Zeitpunkt erwischt, den es in diesem Jahrzehnt geben wird. 

Allen Guides, Trägern, Gastwirten und Einheimischen, die dieses Abenteuer für uns möglich gemacht haben – allen voran Lhakpa – möchten wir noch eines sagen: Thuche!  (Danke) 

1 Kommentar zu „EBC – Mount Everest Basecamp Trek in Zeiten von Corona“

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