Oben

In Baños einen Touranbieter finden

Es ist nicht einfach in Baños einen Touranbieter für einen Amazonas Tour in Puyo zu finden. Das liegt nicht etwa daran, dass es keine gibt. Vielmehr gibt es einen Touranbieter an jeder Straßenecke. Die meisten von ihnen sucht man allerdings vergeblich auf Google Maps oder Tripadvisor. Schwarze Schafe soll es allerdings viele geben.

Touranbieter brauchen Onlinebewertungen

Wir klapperten daher genau diejenigen ab, die wir zuvor online mit halbwegs guten Bewertungen ausfindig machen konnten. Ein gerne angewandter Trick von Touranbietern, nicht nur in Ecuador, ist es, jedes mal den Namen zu ändern, wenn die Bewertungen in gängigen Portalen zu schlecht sind. Daher sind die Touranbieter am vertrauenswürdigsten, die eine lange positive Onlinehistorie vorweisen können.

Wir besuchen fünf Anbieter. Das Programm der Amazonas Tour ist bei allen Anbietern gleich. Der einzige Unterschied ist der Preis und die Zahl der Teilnehmer. Der günstigste Anbieter bietet uns die Tagestour in den Regenwald bei Puyo für 25$ pro Person. Der ursprüngliche Preis hier war ein gutes Stück höher, doch wir müssen gar nicht wirklich verhandeln, schon purzelt der Preis von alleine. Das Manko bei dieser Tour ist jedoch die Teilnehmerzahl. Der Bus fasst bis zu 40 Personen und es ist durchaus möglich an einzelnen Stationen noch auf weitere Busse zu treffen. Diese Amazonas Tour ist also die Massenabfertigung.

Preise für eine Amazonas Tour von Baños nach Puyo

Weitere Angebote sind 50$ p.P bei einer Gruppe von 20 Personen, 70$ bei einer Gruppengröße von 6 Personen oder die Privattour für 80$ p.P.

Wir überlegen lange hin und her und entscheiden uns dann letztlich für die private Tour nach Puyo. Ausschlaggebend ist, dass wir Zeit für das Video haben wollen, keine Lust auf Massenabfertigung haben und bei der privaten Tour auch eine Stunde vor allen anderen Gruppen losfahren können, so dass wir die Attraktionen in Ruhe genießen können.

Die Fahrt von Baños nach Puyo

Um acht Uhr morgens geht unsere Tour in Richtung Puyo vor unserem Hotel in Baños los. Wir werden abgeholt von Santiago, unserem Guide. Santiago ist freischaffender Vertragsguide, ist also nicht fest an eine Agentur gebunden. Sein Englisch ist okay, komplizierte Fragen führten aber meist zu Missverständnissen. Für die Tourist es jedoch voll ausreichend.

Die Straße nach Puyo zieht sich. Wir nehmen ein Stück die alte Straße. Diese dauert zwar länger, doch die Aussicht ist toll. Die Straße führt an einem Hang entlang und man kann in das Flusstal hinab sehen, in dem zahlreiche Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Ein paar kleinere Wasserfälle kommen auch auf unserer Talseite aus den Bergen und ergießen sich über das hindurchfahrende Auto. Die neue Straße ist besser ausgebaut als die alte. Es ist eine moderne Landstraße mit guter Teerdecke. Sie führt durch einige Tunnel, die jedoch aussehen als hätte man sie einfach aus dem Berg gebuddelt. Die Wände sind uneben und es läuft Wasser aus dem Gestein, so dass man den Eindruck hat es regnet hier im Berg.

Station 1: Zoorefugio Tarqui

Unser erster Stopp ist das Zoorefugio Tarqui nahe Puyo. Es gibt wohl zwei verschiedene Zoos, die mit den Touren angefahren werden. Wir waren nicht sonderlich begeistert davon in einen Zoo zu gehen, doch uns wurde versichert es sei mehr ein Refugium. Davon merken wir in dem Zoo allerdings nichts. Die Käfige sind zu klein, langweilig und die Tiere machen allesamt nicht den Eindruck, als würden sie ihren Aufenthalt hier genießen. Es gibt Tafeln mit ein paar Informationen zur Tierart, aber keine Informationen, wo die Tiere herstammen. Spätestens als wir am Löwengehege stehen, wird uns auch klar, dass die Tiere sicherlich nicht alle als Findelkinder hier gelandet sein können.

Das langweilige Ara-Gehege
Ein Baby Tapir
Ein junger Leopard spielt gelangweilt mit Holz
Der Kapuzineraffe ist aus Prinzip sauer

Zu dem Zoo gehört auch ein Freibad und ein Hostel.

Nach dem Zoobesuch ärgerten wir uns etwas, nicht nachdrücklicher darauf bestanden zu haben nicht in einen Zoo zu gehen.

Der alternative Zoo wirbt übrigens mit Bildern von Leuten mit Affen auf der Schulter und Schlangen um den Hals. Ein absolutes No Go aus unserer Sicht.

Dis war ein Programmpunkt, den es aus unserer Sicht nicht bräuchte.

Station 2: Zu Besuch bei der Familie Ukuy Wasi

Wir würden jetzt in ein Eingeborenendorf fahren, kündigt Santiago an. Wir wissen nicht wirklich was uns erwarten wird. Es geht mit dem Auto ein gutes Stück weiter und parken am Flussufer. Über eine sehr laut quietschende und wackelige Hängebrücke geht es in ein Dorf. Es ist nicht viel los. Es gibt eine Kirche, einige Holzhäuser und einen abgetretenen Fußballplatz. Santiago führt uns ein stück weiter in den Wald. Es gibt einen großen Wegweiser, der aussieht wie ein Straßenschild einer Autobahn, wenige Schritte weiter gibt es eine Tafel der Universität von Quito auf der verschiedene Pflanzen vorgestellt werden. Dann kommen wir an eine Brücke.

Die Hängebrücke zum indigenen Dorf
Das Schild zur Familie Ukuy Wasi

Traditionen achten

Die Familie Ukuy Wasi würde uns nun gleich Yucca-Tee anbieten. Das sei ein Willkommensgeschenk. Ihn abzulehnen gelte als sehr unhöflich in der Gemeinde. Wir sollten ihn also bitte trinken. Wir nicken artig. Kann es ein, dass hier wirklich eine so andere Kultur lebt, die noch ihre alten Traditionen lebt? Mit gemischten Gefühlen gehen wir über die Brücke.

Auf der anderen Seite kehren ein paar Frauen in Jogginghosen und mit knalligen T-Shirts gerade die Wege in dem Dorf. Alle Wegränder sind mit bunten Stauden bepflanzt. Es sieht touristisch aus.

Santiago spricht eine der Frauen an. Wir sprechen nicht viel Spanisch, aber es reicht um mitzubekommen, dass er sie bittet uns Yuccatee zu servieren und die übliche Vorführung zu machen. Sie schimpft etwas, denn wir waren wohl nicht angekündigt und der Yuccatee ist gerade alle, sie hat nur einen neu angesetzten, aber der ist noch nicht fertig. Ich kann mir das schmunzeln nicht verkneifen, denn die Differenz zum eben gehörten, zeigt sehr gut, wie sehr das, was Touristen hier vorgeführt wird eigentliche eine Show ist und nicht mehr dem Lebensalltag der Menschen entspricht.  

Yucca ernten

Nachdem sich der Rest des Dorfes erst fertig machen muss, noch läuft jeder in normaler Kleidung und mit Turnschuhen herum, beschließt man spontan uns zum Yucca ernten mitzunehmen. Yucca sind niedrige Bäume, die Knollen an den Wurzeln ausbilden, die man essen kann, ähnlich wie Kartoffeln. Reif sind die Knollen, wenn der Baum oben Früchte ausbildet, lernen wir. Dann darf ich einen der Bäume aus der Erde ziehen. Es geht nicht sonderlich schwer. Wir bekommen gezeigt, wie die Knollen geschält werden und wie man den Stamm  zerhackt und wieder einpflanzt, damit er neu austreibt.

Rumy der gestutzte Ara-Teenager

Wir gehen zurück ins Dorf. Dort lernen wir Rumy kennen. Rumy ist ein zweijähriger blauer Ara. Er würde hier so gut gefüttert, dass er freiwillig bleibt, erklärt uns Santiago freudig. Ein Blick auf den Vogel verrät, dass er gestutzte Flügel hat. Er kann nicht fliegen. Vermutlich wurde er bereits als Baby aus dem Nest geraubt. Begeistert sind wir nicht dass er hier als Touristenattraktion gehalten wird. Allerdings ist dem Vogel ist gerade langweilig und er findet uns spannend. Auch wenn wir diese Vogelhaltung doof finden, so können wir uns doch den freundlichen Annäherungsversuchen des Tieres nicht erwehren, und beschäftigen uns ein bisschen mit ihm. Er geht  begeistert darauf ein. Die Kinder des Dorfes und auch einige Erwachsenen haben anscheinend etwas Angst vor ihm. Rumy kann wohl auch launisch sein. Doch bei uns knabbert er nur gut gelaunt an meinem Uhrenband, meinen Händen, Haaren und Hut, ohne mich zu verletzen oder etwas zu beschädigen.

Yucca Tee trinken

Wir werden vom Häuptling abgeholt, der inzwischen die Stammestracht trägt – Inklusive Affenschädel um den Hals. Nun bekommen wir den versprochenen Yucca Tee. Besonderen Wert darauf, dass wir ihn trinken legt keiner, er wird nicht etwa zelebriert, nur in der Runde verteilt. Er schmeckt nach dickflüssiger Molke. Eigentlich soll er alkoholisch sein, aber dieser ist, wie eingangs besprochen, noch nicht fertig.

Mit dem Blasrohr jagen

Dann geht die Show los. Als erstes wird uns ein Blasrohr gezeigt. Der Häuptling schießt damit auf einen Affen aus Holz. Der erste Pfeil prallt ab, der zweite sitzt. Wir dürfen es auch versuchen. Max trifft auf Anhieb die Mitte und auch ich treffe auf Anhieb genau in die Mitte des Ziels. Der Häuptling ist etwas verlegen. Man muss erstaunlich wenig stark blasen, aber das Blasrohr ist relativ schwer.

Stammestänze

Dann beginnt ein ritueller Tanz. Die Kinder des Dorfen haben sich auch alle inzwischen umgezogen. Es wird gebrüllt und hin und her gewippt. Ich weiß nicht wie authentisch es ist, aber uns kommt es ein bisschen lächerlich vor, kleinen Kindern in Kostümen beim Tanzen zuzusehen. Der Jüngste in der Runde ist vielleicht gerade einmal fünf.

Kriegsbemalung

Danach werden unsere Arme bemalt. Die Schote, mit der in Kuba der Reis eingefärbt wird kommt dabei zum Einsatz. Zwei kleine Mädchen malen damit mit viel Liebe zum Detail ein Zickzackmuster auf unseren Arm.

Die Show ist vorbei, wir werden noch kurz in ein Haus mit Souvenirs geführt. Rumy, der Papagei belagert uns und will unbedingt meinen Hut fressen.  

Dann geht es weiter. Während ich unsere Sachen wasserdicht verstaue fangen ein paar der Kinder – inzwischen wieder in normalen Alltagsklamotten – an mit meinen Haaren zu spielen. Die Farbe sei so toll. Es ist witzig aber ein bisschen zu sehr Klischee, und ich hatte schon mehrfach davon gelesen. Vermutlich hoffen sie auf etwas mehr Trinkgeld. Wir albern noch ein wenig mit ihnen herum, dann geht es aufs Boot.

Die Familie Uhuy Wasi in ihrer Tracht
Rumy der flegelhafte, gestutzte blaue Ara

Station 3: Die Flussfahrt auf dem Pastaza River

Wir steigen in einen kleinen Einbaum, ein Holzboot aus einem ausgehöhlten Baumstamm auf dem Pastaza River. An einer Seite ist das Boot geflickt. Hier war wohl ein Stück herausgebrochen Ein neues Brett wurde eingesetzt. Es wird von einer Stahlschiene und Schrauben gehalten. Wie beim Rest des Dorfes hat auch hier die Neuzeit bereits Einzug gehalten.

Wir fahren los. Teilweise geht es sehr gemächlich dahin, teilweise fahren wir über kleine Stromschnellen und werden etwas nassgespritzt. Ich sitze vorne, Max hinter mit und unser Fahrer steht hinten im Boot. Er trägt eine Jogginghose und ein fleckiges T-Shirt und ist nicht sehr gesprächig. Das Rauschen des Flusses ist für eine Unterhaltung aber eh zu laut.

Er manövriert uns etwa eine halbe Stunde den Pastaza Fluss entlang, weist uns auf ein paar Eisvögel hin und fährt uns auch einige Meter in einen idyllischen Seitenarm des Flusses. Der Pastaza River führt übrigens nach Peru und mündet dort in den Amazonas.

Beim Anlanden wird es etwas heikel, denn wir rammen zunächst einen anderen Einbaum. Zwei alte Männer helfen uns das Boot so weit an Land zu ziehen, dass wir aussteigen können.

Am Ufer wartet bereits Santiago mit dem Auto auf uns.

Station 4: Mittagessen im Amazonas

Wir fahren weiter zu einem kleinen Restaurant an der Landstraße. Für Santiago gibt es Fisch, Max bekommt Hühnchen, für mich gibt es kalte grüne Bohnen, kalte Karotten, Mais, und Yuccapuffer – leider ohne Soße. Mitten beim Essen, finde ich danna ich noch einen Wurm in meinem Gemüse. Nicht das beste Essen, das ich bisher in Ecuador hatte.

Zum Essen dazu gibt es allerdings selbstgemachten Eistee aus Guayusa Tee und der ist sehr gut. Wir trinken zu dritt zwei große Kannen. Der Tee hat genauso viel Koffein wie Kaffee, entsprechend wach sind wir dann den restlichen Tag.

Nach dem Essen geht ein kurzer Regenschauer nieder. Wir warten kurz und knuddeln dabei die Hunde des Hauses: Einen Rehpinscher mit hervorstehenden Augen und einen treudoofen Pitbull, der versucht Schmetterlinge zu jagen.

Insgesamt sind wir von der Tour bisher nicht allzu  angetan.

Station 5: Wasserfall im Amazonas

Leider wissen wir nicht mehr wie der Wasserfall heißt, doch es ist der einzige, der innerhalb einer halben Stunde Fußmarsch zu erreichen ist und daher von den meisten Touren angefahren wird.

Vor Ort gibt es die Möglichkeit, sich für 3$ Gummistiefel zu leihen. Wir bleiben in unseren Schuhen. Der Weg ist zwar matschig, aber bis auf einen Fehltritt bleiben meine Schuhe weitestgehend trocken.

Mini Frosch im Regenwald
Blattschneideameisen

Funfacts im Regenwald

Santiago erklärt uns ein paar Dinge über den Wald. Beispielsweise gibt es eine Art Ameisen, die nach Zitrone schmeckt. Max probiert und kann das bestätigen. Er zeigt uns die Wurzeln aus denen Blasrohre hergestellt werden und die Bäume die zur Herstellung von Booten verwendet werden. Wir erfahren auch, dass zerdrückte Termiten Moskitos fernhalten.

Bach im Amazonas Regenwald nahe Puyo
Wasserfall nahe Puyo

Der Regenwald rund um Puyo ist nur ein Sekundärwald. Er wurde also bereits mindestens einmal abgeholzt, bevor er zu seinem heutigen Baumbestand nachgewachsen ist. Das ist auch unschwer daran zu erkennen, dass der Boden üppig grün bewachsen ist, da die Bäume noch kein durchgehendes Blätterdach ausbilden konnten, das den Boden komplett beschattet.

Dann kommen wir an den Wasserfall. Santiago hüpft sofort begeistert zum Baden hinein. Max und ich hatten uns mit DEET-Mückengift eingesprüht, daher wollen wir nicht in das Naturbad. Der Wasserfall ist hübsch mit einem kleinen Becken unten und Wasser, das aus dem Blätterdach der Bäume herab fließt.

Drohne im Regenwald fliegen lassen

Wir begnügen uns mit Fotos und Max startet die Drohne. Die Drohne hat kein GPS und lässt sich daher nur etwas umständlich manövrieren. Problematisch wird es beim Landen, da die Sensoren zu empfindlich für den kleinen Landeplatz sind. Max muss die Drohne schließlich aus der Luft fischen, was sie mit durchdrehenden Rotoren und einem ärgerlichen Alarm quittiert.

Doch nun kommt die Sonne heraus. Während ich noch versuche ein paar schöne Fotos zu machen, schlagen die Männer bereits einen Laufschritt ein, denn als nächstes geht es zu einem Aussichtspunkt und da ist gutes Wetter wichtig.

Station 6: Die Aussichtsplattform über den Amazonas Regenwald

Wir fahren weder ein Stückchen weite. Bereits unterwegs ist der Ausblick auf den Regenwald und die Berge großartig. Dann fahren wir auf einen Hof, hetzen die Treppen eines Hügels hinauf und stehen oben plötzlich vor einem grandiosen Ausblick.

Aussichtsplattform über den Pastaza River und den Amazonas Regenwald

Wir sehen die Verästelungen es Pastaza River. Im Hintergrund sehen wir  Bergkette hinter dem El Altar und den Sangay Vulkan.

Am Aussichtspunkt gibt es Hängematten und einen Steg. Der Steg ist an seinem Ende etwa 5 Meter hoch, einen Meter breit und nicht gesichert. Wer hier Fotos machen möchte, sollte nicht zu doll herumhüpfen und schwindelfrei sein.

WIr bleiben einige Zeit am Aussichtspunkt über dem Regenwald, Max lässt die Drohne fliegen und wir genießen den Ausblick. Dann heißt uns Santiago mitzukommen. An einem Baum hängt eine Schaukel. Santiago setzt sich hinauf und stößt sich kräftig an dem kleine Prodest ab. Er schwingt hinaus und baumelt plötzlich in gut zehn Meter Höhe über dem Abgrund. Er macht einige Verrenkungen und schwingt zurück.

Schaukeln über dem Abgrund mit Blick auf den Regenwald

Er frägt ob wir auch möchten. “Nein”, denke ich mir. Ich sage “Ja!”. Die Schaukel ist aufgebaut wie ein Tellerlift. Man setzt sich auf die Holzscheibe und klemmt das Seil zwischen die Beine. Eine Sicherung sucht man vergeblich. 3. 2. 1. und schwüps schaukel ich in der Luft. Es ist ein krasses Gefühl. Die Bewegung ist so ruhig, dass ich keine Angst habe hinunterzufallen und der Ausblick über den Amazonas lenkt sowieso vom Denken ab. Nach mit ist Max an der Reihe. Auch er ist hellauf begeistert. Wir schaukeln beide noch eine weitere Runde über dem Regenwald. Dann geht es atemlos und überdreht zurück zum Auto.

Station 7: Schokolade bei einer Kakaofarm selbst herstellen.

Wir halten bei einem kleinen Bauernhof. Er ist nicht groß. Es gibt eine offene Küche mit ein paar Bänken. Daneben gibt es eine Hütte mit Feuerstelle.

Die Schokoladenfarm wir von einem Ehepaar betrieben. Zwei Hunde, eine Babykatze und vier Papageien tummeln sich auf dem Grundstück. Natürlich wurden auch diesen Vögeln die Flügel gestutzt.

Die Herstellung von Kakao

Frische Kakaoschoten

Zuerst dürfen wir rohe Kakaobohnen frisch vom Baum probieren. Die Kerne aus denen später die Schokolade entsteht, kann man nicht essen. Dafür das weiße Fruchtfleisch. Es schmeckt sehr weich und irgendwie nach Mango.

Die Bohnen müssen nun eine Woche trocknen, wird uns erklärt. Der Herr des Hauses holt eine Schüssel mit bereits getrockneten Bohnen. Diese röstet er nun geduldig über einem offenen Feuer in einer Art Wok. Zum Wenden verwendet er einen kleinen Spartel.

Schokoladenbohnen rösten über dem ofenen Feuer

Nach dem Rösten setzen wir uns zusammen auf eine Bank und schälen die noch heißen Kakaobohnen. Die Schalen werden für Tee gesammelt.

Die getrockneten Kakaobohnen werden durch eine Art Fleischwolf gedreht und dabei zu einem feinen Brei vermahlen. Max und ich kurbeln fleißig mit. Die Kakaomasse kommt in den Kühlschrank. Daraus holt die Dame des Hauses ein Blatt mit Schokolade für uns hervor. Sie hat in der Zwischenzeit auch eine kleine Brotzeit mit Yuccaküchlein, Kakaotee und heißem Kakao für uns vorbereitet.

Schokoladenbohnen schälen
Frischer Kakao und Yuccaküchlein

Das Kakaorestaturant und seine Tiere

Derzeit trifft ein weiteres Pärchen ein, die die gleiche Führung bekommen. Einer der Papageien sieht seine Stunde gekommen und macht eine Show. Sobald er merkt, dass er die Aufmerksamkeit der Besucher verliert, fängt er an ohrenbetäubend zu kreischen. Derzeit ist die Katze auf Max eingeschlafen. Als wir aufbrechen, setzt sich das andere Pärchen gerade ebenfalls seinen erarbeiteten Kakao mit einer Brotzeit zu probieren. Max reicht ihnen die Katze weiter, die ohne mit einer Wimper zu zucken nun auf deren Schoß weiter schläft.

Die Tour ist nun offiziell vorbei.

Station 8:  Riesenfische im Amazonas

Wir fahren zurück. Plötzlich fragt Santiago, ob wir die Riesenfische noch sehen wollen. Den Eintritt von einem Euro pro Person müssten wir aber selbst zahlen. Wir stimmen zu.  Wir halten an einem Maschendrahtzaun, hinter dem Fischbecken liegen Aus einem Haus auf der anderen Straßenseite kommt eine Dame, die uns das Tor öffnet. Wir laufen zwischen einigen Fischbecken hindurch.

Fütterung der Amazonas Riesenfische

Dort leben die Arapaimas, auch Pirarucu oder Paiche genannt. Das ist eine der größten Arten von Süßwasserfischen weltweit. Die Frau hat einen Teller mit geschnittenem Fisch. Sie macht einige Gesten über das Wasser um die Fische anzulocken.

Man sieht bullige Leiber im Wasser schlängeln. Dann fliegt das erste Stück Fisch und es sieht mit einem mal aus, als Würde das Wasser explodieren. Wasser spritzt. Riesige Fische fallen übereinander und winden sich um zurück unter Wasser zu kommen. Dann sieht man ihre urtümlichen Gesichter unter der Oberfäche lauern, gierig auf mehr. Es fliegt ein Stück nach dem anderen ins Wasser und jedes mal wiederholt sich das gleiche Schauspiel.  

Arapaima – Riesenfische stammen aus dem Amazonas und werden über 2m lang

Wissenswertes über Arapaimas

Arapaimas werden bis zu zwei Meter lang und bis zu 130 Kg schwer. Ihr Körper ist rund, nur am Schwanz etwas plattgedrückt. Sie gehören zu den Knochenfischen, eben jener Fischgattung, von denen die höheren Wirbeltiere wie auch wir Menschen abstammen. Die Arapaimas verfügen sogar über die Fähigkeit über ihre Schwimmblase Sauerstoff zu absorbieren und können damit bis zu 24h ohne Wasser überleben. Sie sehen aus, wie aus einer Dokumentation über eine Zeit vor den Dinosauriern.

In diesem Teich leben 10 der großen Knochenfische. Ursprünglich waren es 12. Sie sollten hier nachgezüchtet werden, denn ihre Bestände sind durch Überfischung in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Doch das kalte Wetter und der Tümpel scheint den amourösen Anwandlungen der Fische nicht sonderlich entgegen zu kommen.

Sonnenuntergang am Sangay Vulkan im Regenwald

Wir fahren zurück. Dabei sehen wir den Sangay Vulkan toll im Sonnenuntergang und können ein Foto machen. Außerdem nehmen wir noch zwei Ukuy Wasi auf der Ladefläche des Autos ein Stück mit. Für einen Erwachsenen lasse wir uns das eingehen. Dass das kleine Mädchen dort, anstatt bei uns vorne im Auto sitzt, widerstrebt uns allerdings. Unser Einspruch wird jedoch abgetan. Weit ist es ja zum Glück auch nicht und wir sind erleichtert als die beiden heil vom Auto klettern.

Unser Fazit von der Amazonastour in Puyo

Wir hatten einen schönen und aufregenden Tag.

Der Vormittag der Tour

Den Zoo zu beginn unserer Tour, hätten wir nicht unbedingt sehen brauchen und wollen. Uns hätte stattdessen eine längere Tour im Regenwald besser gefallen. Der Besuch bei den Ukuy Wasi war lustig, aber das Gefühl in einem Zirkus zu sein, wurden wir nicht los. Um es einmal zu erleben, ist es sicher nett, aber noch einmal würden wir dort vermutlich nicht hinfahren. Dafür war es einfach zu touristisch, zu viel Show und zu wenig authentisch.  Zudem haben wir nicht den Eindruck etwas über die Kultur gelernt zu haben. Die Leute verkaufen ihre Traditionen hier unter Wert und ohne Kontext an sensationshungrige Touristen und deren Urlaubsalben. Die Bootsfahrt war toll.

Das Mittagessen war für Max etwas wenig und bei mir ziemlich suboptimal. Daher würde ich empfehlen eine Kleinigkeit für unterwegs selbst einzupacken.

Der Nachmittag war besser

Der Spaziergang zum Wasserfall war schön, aber für unseren Geschmack zu kurz. Wir würden, wenn wir nochmals eine solche Tour machen wollen würden, die beiden Programmpunkte am Vormittag weglassen und dafür einen weiter abgelegenen Wasserfall besuchen, von dem uns der Touranbieter erzählt hatte. Diesen hatten wir zeitlich nicht machen konnten, weil wir die Schokoladenfarm besuchen wollten.

Die Aussichtsplattform war eines unserer Highlights dieses Tages und vor allem die Schaukel über dem Abgrund hat sehr viel Spaß gemacht. Hier kam es uns auch entgegen, dass wir nur zu dritt unterwegs waren und entsprechend unsere Ruhe hatten. Hier mit zwanzig oder vierzig anderen Leuten dort zu sein, wäre vermutlich weit weniger spaßig.

Auch die Schokoladenfarm hat sehr viel Spaß gemacht. Die Eigentümer sind sehr nett und das Essen dort war köstlich.

Der letzte Programmpunkt, die  Arapaimas, waren zwar kein Highlight aber dennoch sehr interessant zu sehen. Wir sind froh sie noch spontan am Ende der Tour besucht zu haben.

Tipps zur Tour in den Amazonas Regenwald bei Puyo

Wir würden jedem, der diese Tour  in den Amazonas Regenwald in Puyo macht, nahelegen sich genau zu überlegen, was er sich von dem Tag erwartet und was er erleben möchte. Gerade wenn ihr eine private Tour macht, solltet ihr darauf bestehen, dass das Programm wirklich nach euren Bedürfnissen zugeschnitten wird und ihr nicht die gleiche Tour abklappert, die dort das 08/15 Touristenprogramm ist.

  • Kosten: 80$ Pro Person (+ Trinkgeld, + 1 $ Eintritt für die Fische)
  • Dauer: 12 Stunden
  • Ort: Von Banos nach Puyo
  • Was sollte man mitbringen: 2l Wasser pro Person, Wanderschuhe, Badesachen, Handtuch, Regenschutz, Mückenschutz, Snack , Kamera
  • Was sollte man vorab beachten: Gruppengröße, vertrauenswürdige Agentur, genaues Programm
  • Unsere Agentur: MTS Adventures mit freischaffendem Guide Santiago