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Feuerwehrleute betrachten eingestürzte Häuser nach einem Erdbeben

Es ist der 26.05.2019 kurz vor 3:00 nachts in Riobamba Ecuador. Wir wachen in unserem Hotel davon auf, dass das Bett wackelt. Unsere Sachen auf den Nachttischen klappern leise, sonst ist es still. Nach ein paar Sekunden fangen die Hunde draußen an zu bellen. Die Erschütterungen gehen uns durch Mark und Bein. Kurz liegen wir beide im Bett, und versuchen zu realisieren, was gerade passiert.

Es ist ein Erdbeben.

Es ist das erste Erdbeben das wir in unserem Leben erleben ”Ich glaube wir müssen raus“ erkläre ich unsicher. Wir schnappen uns die nächstbesten Klamotten und gehen auf den Gang. Während dessen kommt die Erde bereits wieder zum Stillstand. Das Epizentrum lag 590 Kilometer von uns entfernt im Norden Perus, dort, wo wir in zwei Wochen hinreisen wollen. Die Stärke war eine 8,0. Bei einem solchen Beben wackelt die Erde zu stark, um sich noch auf den Beinen zu halten. Wir hatten Glück und haben nur die Ausläufer abbekommen. Unser Verhalten in dieser Situation war alles andere als optimal.

Auf dem Gang stehen bereits die anderen Gäste des Hotels. Wir sind alle ein wenig ratlos, was wir nun tun sollen, da das Beben vorbei ist. Der Herr aus dem Nachbarzimmer stammt aus der Region und ist erdbebenerfahren. Wir sollen die Klamotten anlassen und die Schuhe neben das Bett stellen. Falls ein weiteres Erdbeben kommt, kommen wir schneller raus. Immer noch leicht unter Schock gehen wir zurück ins Bett. An schlafen ist nicht zu denken. Stattdessen recherchieren wir, was im Falle eines Falles zu tun ist.

Einen ausfühlichen Bericht zur Vorsorege und zum Verhalten bei Erdbeben findet ihr auch auf der Seite des deutschen Geoforschungszentrums. Nachfolgend haben wir Euch jedoch alles zusammengefasst, was auf Reisen hilfreich sein kann.

Sich richtig auf Erdbeben vorbereiten

Eine neues Land eine neue Stadt und eine neue Unterkunft: Dies alles sind Faktoren die im Krisenfall zu viel Unsicherheit führen und Zeit kosten. Daher sollte man nicht erst während eines Erdbebens auf die Idee kommen sich umzusehen und seine Sachen zu suchen.

  • Kenne die Fluchtwege und die Umgebung: Während eines Erdbebens solltest du anders als die weitläufige Meinung das Gebäude nicht verlassen. Die Gefahr zu stürzen oder von herabfallenden Gegenständen getroffen zu werden ist zu groß. Allerdings solltest du nach einem Erdbeben auch nicht noch ewig durch ein beschädigtes Gebäude irren müssen, weil du den Ausgang nicht findest. Daher sieh dir an, wo die Fluchtwege verlaufen. Das ist auch für den Fall eines Feuers sehr sinnvoll.
  • Kenne die Räumlichkeiten: Um bei einem Erdbeben Zeit zu sparen, solltest du bereits vorab sicherer Orte ausspähen. Der beste Ort während eines Erdbebens ist ein Türrahmen, unter einem stabilen Bett oder Schreibtisch. Falls es das alles nicht gibt, kann man sich auch neben eine tragende Innenwand legen. Außenwände sind nicht zu empfehlen. Tragende Innenwände erkennst du daran, dass sie dicker sind als andere Innenwände und auf allen Stockwerken vorhanden sind. Meide unbedingt die Nähe zu allen Dingen die herabfallen können oder umfallen, wie Bilder, Spiegel, Vitrinen und Schränke.
  • Vereinbare Treffpunkte mit deinen Reisebegleitungen: Nach einem Erdbeben kann es chaotisch werden. Vereinbare daher immer einen Treffpunkt, falls deine Gruppe getrennt wird an einem sicheren Ort – also außerhalb des potenziellen Katastrophengebiets.
  • Packe eine Notfalltasche: In eine Notfalltasche gehören eine Taschenlampe, Erste-Hilfe-Set, Wasser, haltbare Lebensmittel, Wetterschutz je nach Gegend (zb. Regenponcho oder Pulli), eine Umgebungskarte, evtl. Schuhe. Auch eine Powerbank und das Handy können hilfreich sein.
  • Schlafe angezogen und lege weitere Kleidung und Schuhe griffbereit: Nach einem Erdbeben solltest du das Gebäude schnell verlassen können. Während oder nach eines Bebens noch die Klamotten zu suchen, kostet wertvolle Zeit und kann gefährlich werden. Außerdem willst du dir sicherlich die Peinlichkeit ersparen nackt auf der offenen Straße zu stehen. Schuhe sind wichtig, damit du auch aus Trümmern mit Glasscherben ohne Verletzungen herauskommst. Eine Regenjacke oder ein Pulli halten dich warm, falls du nicht ins Gebäude zurück kannst.

Was tun während eines Erdbebens

Je nachdem wo du dich zu Beginn eines Erdbebens aufhältst gibt es verschiedene Optionen, wie du dich richtig verhalten kannst. Egal wo du bist, suche dir eine sichere Position, setze oder lege dich hin, um nicht umzufallen und schütze deinen Kopf mit den Armen – Außer du bist am Meer, dann renn!

  • Im Haus: Geh schnell an deinen sicheren Ort und bleibe dort!  Bleibe unter Möbelstücken auch wenn diese sich bewegen, bis das Erdbeben vorbei ist. Pass auf, dass du nicht von herabfallenden Gegenständen getroffen werden kannst. Halte dich von allen Dingen fern die dich treffen können und laufen nicht panisch durch die Gegend.  Meide alle Orte bei denen du herabfallen könntest, wie Fenster, Treppen oder Balkone. Halte dich an festen Konstruktionen oder deinem Möbelstück fest.
  • Im Auto: Fahr rechts ran und halte an. Beachte allerdings, dass du an einem Ort zum Stehen kommst an dem dir nicht von anliegenden Häusern, Bäumen, Laternen und Stromkabeln dinge aufs Auto fallen können. Halte nach Möglichkeit nicht auf Brücken, in Tunneln oder unter oder unter Unterführungen, da diese einstürzen können. Halte zudem Kreuzungen frei. Bleibe im Auto und warte bis das Beben vorbei ist. Schalte dein Radio und den Warnblinker an!
  • Im Freien: Gewinne Abstand von allen Dingen, die auf dich herabfallen können; Bäume, Stromkabel, Laternen, Häuser, Hänge von denen sich Steine lösen können und halte dich von Orten fern, die du herabfallen könntest oder die einstürzen könnten, wie beispielsweise Brücken. Enge Gassen solltest du während und nach einem Beben meiden.
  • Am Meer: Wenn du am Meer bist dann nichts wie weg. Klippen können abbrechen. Die größte Gefahr besteht jedoch an flachen Küstenabschnitten in Form von Tsunamis. Tsunamis können zeitversetzt auch erst Stunden nach einem Erdbeben auftreten, auch nach nur leichten Erdbeben, weil das Epizentrum vielleicht in einiger Entfernung liegt und es können mehrere Wellen zeitversetzt eintreffen. Die Wellen können sich vor allen in Fjorden zu einer Höhe von über 100m aufstauen. Renne daher so schnell wie möglich Landeinwärts nach oben.  Auch wenn das Erdbeben bereits vorbei ist, solltest du in einem höhergelegenen Gebiet bleiben, bis eine offizielle Tsunami Entwarnung gegeben wurde. Übrigens kann es Tsunamis auch dann geben, wenn man kein Erdbeben gespürt hat. Wenn sich das Wasser unerwartet ins Meer zurückzieht, dann nichts wie weg.

Was tun nach einem Erdbeben

Du hast ein Erdbeben überstanden. Jetzt atme einmal tief durch und schau dir die Situation um dich herum an.

  • Verschaffe dir einen Überblick: Wie viel ist kaputt, wie viel Chaos herrscht?
  • Haus verlassen: Je nachdem wie stark das Erdbeben war, solltest du zuerst einmal das Haus verlassen. Vergiss deine Notfalltasche nicht. Wenn du das Haus verlässt, achte darauf, ob womöglich Strommasten umgefallen sind und Leitungen frei liegen. Schau auch nach oben, ob noch Dachziegel oder ähnliches lose hängt um nicht getroffen zu werden.  Gehe davon aus, dass jederzeit Nachbeben beginnen können, die beschädigte Häuser zum Einsturz bringen können.
  • Katastrophenschutz: Bei einem starken Erdbeben wird inzwischen der Katastrophenschutz aktiv sein. Folge den Anweisungen.
  • Erste Hilfe: Leiste anderen Betroffenen erste Hilfe und versuche ihnen beizustehen. Bewege keine Schwerverletzten wenn nicht absolut notwendig sondern versuche einen Arzt zu alarmieren.
  • Keine beschädigten Gebäude betreten: Betrete auf keinen Fall beschädigte Gebäude oder Trümmerhaufen. Es besteht die Gefahr dass sie zusammenbrechen. Erst wenn die Behörden ein Gebäude wieder freigeben, ist es sicher zurückzukehren. (Evtl macht es aber Sinn vor Ort zu bleiben um Plünderer abzuhalten und leichter von Freunden gefunden zu werden, je nach vorherigen Absprachen.)
  • Auf Feuer achten: Nach Erdbeben sind oft Strom- und Gasleitungen beschädigt oder brennbare Flüssigkeiten laufen aus. Daher richten Brände oft größeren Schaden an als die Erdbeben selbst. Behalte den Wind im Auge und achte auf Rauchgeruch.
  • Halte das Telefonnetz frei: Egal ob Telefon, SMS oder Internet, im Katastrophenfall sind alle Netze überlastet. Nutze sie daher nur für das nötigste und nur so kurz wie unbedingt notwendig.
  • Auto abstellen / Straße freihalten: Fahre nur mit dem Auto, wenn es absolut notwendig ist. Die Straßen sind vermutlich mit Trümmern versperrt, mit Autos verstopft die die Region verlassen wollen und eigentlich werden sie für die Räumung benötigt und daher von der Polizei gesperrt. Sieh daher auch zu, dass dein Auto nicht den Weg für die Rettungskräfte versperrt. Lasse notfalls den Schlüssel stecken (dann ist es allerdings ziemlich sicher weg bis du wiederkommst. Besser abseits der Straße stehen lassen)
  • Weg von Brücken und Tunneln: Befahre auf keinen Fall Brücken, Unterführungen oder Rampen, da diese einstürzen können.
  • Weg von der Küste: Meide Strände und Küsten. Auch lange nach dem Erdbeben besteht noch Tsunamigefahr. Warte auf die offizielle Entwarnung.
  • Bilde Gruppen / sammel Informationen: Versuche dich mit anderen Touristen zusammenzuschließen und sammelt Namen, Geburtsdaten, Herkunftsort /Wohnort und die Daten von Angehörigen. Gebt diese Informationen nach Möglichkeit an eine (EU-)Botschaft weiter.
  • Trinkwasser: Falls die Trinkwasserversorgung flach liegt, findet man oft noch brauchbares Wasser in Spülkästen oder Wasserbeulern. Sicherheitshalber sollte man Trinkwasser abkochen oder auf einen Wasserfiltersystem wie den Lifestraw zurückgreifen
  • Hygiene: Falls ihr Worstcase in einem Auffanglager landet, achte sehr auf Hygiene. Fäkalien sollten vergraben werden.

Apps zur Erdbebenwarnung

Zeit ist bei Erdbeben ein wichtiger Faktor. Gerade nachts kann es kurz dauern, bis man realisiert, was gerade passiert. Doch leider ist das Bett nicht der sicherste Ort bei einem Erdbeben. Daher können Apps helfen, die einem Im Fall der Fälle mit einem Alarm wecken. Dadurch weiß man sofort was Sache ist und kann sich schnellstmöglich in Sicherheit bringen.

Allerdings ist diese Vorstellung leider wenig realistisch. Alle Apps in unserem Test hatten mindestens eine halbe Stunde Verzögerung von Beginn des Erdbebens bis zur Mitteilung. Sie dienen daher eher der Information wo und wie stark das Beben war, als zur Warnung.

Apps die wir gefunden haben:

  • EarthQuake (Android): Die App gibt es kostenpflichtig im Appstore für Android (5,99€). Nach unserem Schreck nachts haben ich sicherheitshalber diese kostenpflichtige App gekauft. Sie verfügt über eine Alarmfunktion. Die App hat einen Seismographen an Bord, der möglicherweise helfen kann Nachbeben frühzeitig zu erkennen. In unserem unfreiwilligen Test schnitt sie nur mittelmäßig ab.
Die IPhone App EARTHQUAKE.
  • Earthquake (Apple): Für das IPhone gibt es die gleichnamige App für 3,99€. Diese verfügt ebenfalls über eine Alarmfunktion. Sie erhebt nicht nur die Daten von 30 Meldebehörden, sondern registriert auch, welche Nutzer im Umkreis eines Events im unmittelbaren Zeitraum die App öffneten und berechnet daraus, wo das Erdbeben spürbar war. Die App gibt Alarm, sobald die erste Meldestation das Beben registriert. Sie war bisher immer die erste App, die eine Meldung versandte. Allerdings lag die Verzögerung auch hier bei ungefähr 25 Minuten.
  • Disaster Alert: Die App des Pacific Disaster Center gibt Warnungen für eine ganze Reihe von Katastrophen heraus, darunter neben Erdbeben auch Tsunamis, Hurrikans und Überschwemmungen. Die App gibt es kostenlos für Android und Apple. Allerdings ist die derzeitige Benutzeroberfläche unübersichtlich und unhandlich, weshalb sie in den Appstores eher schlechte Bewertungen bekommt. Allerdings ist sie eine der Apps, der wir die rechtzeitige Benachrichtigung im Katastrophenfall durchaus zutrauen – Wenn man die richtigen Einstellung dafür findet. Bei Erdbeben bekamen wir jedoch meist überheupt keine Warnung. Einmal bekamen wir jedoch eine Tsunamiwarung nachts, die wohl noch rechtzeitig gewesen wäre – nur dass wir sie falsch eingestellt hatten und der Tsunami auf der anderen Seite der Welt war.
  • Vulkane & Erdbeben: Diese App gibt es kostenlos im Appstore. Sie dient eher der Aufklärung zu geologischen Phänomenen als der Frühwarnung. Allerdings kann jeder, der ein Erdbeben fühlt einen Report senden. Dadurch gibt sie im Nachhinein eine gute Übersicht wo und wie stark das Beben war. Zudem hat sie eine gute Benachrichtigungsfunktionen mit zahlreichen Möglichkeiten Filter zu setzen und auch eigene Töne zu wählen. In der Pro Version für 5,99€ kann man auch Filter für bestimmte Vulkanische Aktivitäten erstellen. Sie ist eigentlich nicht als Frühwarnsystem gedacht sondern eher für Hobby-Geologen. Bei den Android Apps im Test schnitt sie jedoch überraschend am besten ab. So wurden wir war erst im Nachhinein (etwa 30 min später), jedoch dann sehr zuverlässig über alle Erdbeben die wir gespürt hatten benachrichtigt.
  • Earthquake Alert: Diese App gibt es für Android. Der Name ist jedoch irreführend. Sie ist kein Frühwarnsystem. Damit ist sie entweder die schlechteste oder auch die ehrlichste App im Test. Ein Problem der App ist definitiv, dass der Entfernungsfilter nach dem Epizentrum geht. Wenn man also auswählt nur über Erdbeben im Umkreis von 200km benachrichtigt zu werden, dann würde man über ein Erdbeben wie heute Nacht, in 590km Entfernung nicht mehr benachrichtigt werden, auch wenn es bei einer Stärke von 8,0 auch in dieser Entfernung noch deutlich zu spüren ist. Gut möglich, dass von diesem Problem auch die anderen Apps betroffen sind, doch hier fällt es besonders ins Auge.
  • Sicher Reisen: In der App des Auswärtigen-Amts findet man Informationen zum Reiseland und kann einen Notfall melden oder Bescheid geben, dass man selbst okay ist. Damit erspart man dem Auswärtigen Amt im Zweifelsfall die Suche. Zudem findet man nach einer Katastrophe meistens die Ansprechpartner vor Ort in der App hinterlegt oder Informationen, wo man sich weitere Informationen beschaffen kann. Als Frühwarn-App taugt die App aber nicht.

Ihr kennt weitere gute Apps für den Krisenfall oder habt Erfahrungen mit einer dieser Apps bei einem Erdbeben gemacht? Dann schreibt uns gerne einen Kommentar oder eine Email !

Fazit richtiges Verhalten bei Erdbeben

Man ist Erdbeben nicht so hilflos ausgeliefert, wie man als Europäer gemeinhin denkt. Die richtige Vorbereitung und das richtige Verhalten im Notfall tragen viel dazu bei, ein Erdbeben unbeschadet zu überstehen. Für viele Bewohner in erdbebengefährdeten Gebieten, vor allem rund um den Pazifik sind sie ein ganz normaler Lebensbestandteil, genauso wie der aktive Vulkan am Ortsausgang. Das wichtigste ist es einen klaren Kopf zu bewahren und auf den gesunden Menschenverstand und die krisenerprobten Leute der Region zu hören. Die typischen Fehler, die wir auch begangen haben, sind nicht mit einem Erdbeben zu rechen, sich nicht vorzubereiten und während des Erdbebens herumzulaufen.

Wir hatten an diesem Tag Glück. Wir waren weit genug vom Epizentrum entfernt, um von Schäden verschont zu bleiben. Daher ging es für uns zurück ins Bett und wir versuchten zu schlafen. Am nächsten Morgen beim Frühstücken konnten die Leute aus der Region unsere Aufregung gar nicht so wirklich nachvollziehen. Dass es unser erstes Erdbeben war verwunderte alle. In manchen Teilen der Welt gehören Erdbeben eben einfach zum Leben dazu. Nicht jedes Erdbeben endet in einer Katastrophe. Manchmal wackelt auch einfach nur ein wenig der Boden.