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Eigentlich schreiben wir gerne Postkarten. Ganz am Anfang unserer Reise hatten wir uns vorgenommen unseren Lieben daheim aus jedem Land eine Postkarte zu schicken. Gerade unsere Großeltern sind noch wenig digital unterwegs und freuen sich sehr darüber, ihr Post noch in Händen halten zu können. 

Der Start war dann bereits denkbar schwierig. Nicht überall in Kuba gibt es Postkarten zu kaufen. Von den zehn Postkarten, die wir nach Deutschland geschrieben haben, kam keine einzige bei ihren Empfängern an. Das Problem ist, dass in Kuba oft Angestellte der Shops oder sogar Angestellte der Post Briefmarken von den Postkarten abmachen und neu verkaufen. Die Postkarten werden einfach entsorgt anstatt sie auf die Reise zu schicken. 

Auch in Mexiko ist die Auswahl an Postkarten außerhalb der Touristenzentren eher dürftig. Das mexikanische Postwesen steht auch nicht im Ruf das zuverlässigste zu sein. Die einzigen Postkarten die wir entsprechend nach Deutschland geschickt haben, reisten mit einem Freund zurück in die Heimat, der sie noch persönlich in die Briefkästen unserer Familien warf. 

In den folgenden Ländern war es oft schwer schöne Postkarten zu finden, also gaben wir auf. Es ist jedoch ein wenig traurig die schönen Erinnerungen nicht mit der ganzen Familie teilen zu können. Gerade die Leute, die wir schon immer am schwersten erreichen konnten, bekommen so nun noch weniger von der Reise mit. 

Doch welche Möglichkeiten gibt es die Verwandtschaft sonst noch mit Bildern und Infos zu versorgen, gerade wenn sie nicht technisch versiert ist?

Digitale Postkarten

Eine Möglichkeit international einfach Postkarten zu versenden, sind digitale Postkarten. Es ist ähnlich wie Bilder online entwickeln zu lassen. Man kann Bilder auswählen oder auch eigene Fotos hochladen und sie werden auf eine Postkarte oder eine Grußkarte gedruckt. Auf die Rückseite wird ein Text gedruckt, den man zuvor eingegeben hat. Zwar ist die Karte nicht handschriftlich, doch man hat ein paar Schriftarten zur Auswahl, die zumindest Handschriften nachahmen. Außerdem kann man den Text in verschiedenen Farben gestalten. Danach hat man die Auswahl noch ein paar Extras, wie Briefumschläge oder Glanzdruck hinzuzufügen. Nun fehlt nur noch die Adresse und dann geht die Postkarte auch schon auf Reisen. Manche Anbieter bieten die digitalen Postkarten sogar bereits Apps an, so dass man die Fotos gar nicht mehr vom Handy ziehen muss. Den Service gibt es bereits ab etwa 1,95€ pro Karte, was nur unwesentlich teurer (oder sogar billiger) ist als eine Postkarte und Porto aus dem Ausland. Zuverlässiger ist der Service allemal und mit einem netten Foto auf der Karte doch auch recht persönlich. Das Ganze ist auch gerade bei Geburtstagen oder anderen feierlichen Anlässen eine nette Idee, wenn man schon nicht persönlich da sein kann. Da der Versand nur wenige Tage dauert, kann man dann auch noch eine Postkarte abschicken, wenn man international schon längst zu spät dran wäre. Wir nutzen immer bisher den Service von Karten-Paradies.de – Fotopostkarten aus aller Welt versenden. Hiermit haben wir bisher immer sehr gute Erfahrungen gemacht und die Karten kamen pünktlich an. 

Digitale Briefe mit der E-Post

Die Deutsche Post hat einen Service, bei dem sie E-Mails ausdrucken und als Brief versendet. Das ist nicht nur bei Behörden praktisch, sondern auch beim Opa, der keinen PC bedienen kann. Die digitalen Briefe können auch mit Fotos ergänzt werden. Sie sind leider nicht so schick und schön zum aufhängen wie eine Postkarte, aber wer mal etwas mehr Platz zum erzählen braucht, der kann sich hier richtig austoben. Zuzüglich zum Porto kostet der Druck 10ct pro Seite schwarz weiß und 20ct pro Seite Farbdruck. Das Kuvert ist dabei gleich inklusive und auch die erste Seite Schwarz-Weißdruck gibt’s gratis. Der digitale Brief ist somit die günstigste Variante die daheimgebliebenen mit der Post zu beglücken, aber vielleicht nicht unbedingt die hübscheste. Inzwischen gibt es das Ganze auch als App.  Einen Vorteil hat es allerdings. Wenn die daheimgebliebenen sich immer beschweren, dass sie nie Post bekommen, kann man das Ganze auch als Einschreiben versenden.  

Der digitale Bilderrahmen

Digitale Bilderrahmen gibt es inzwischen bereits sehr günstig auf dem Markt. Fotos können einfach auf eine Speicherkarte gezogen werden und werden dann per Zufallswiedergabe angezeigt. Wer einen Verbündeten zuhause hat, der der lieben Verwandtschaft gelegentlich die neuesten Fotos auf die SD-Karte zieht, der kann die Bilder leicht über einen Cloud Speicher, wie Google Drive, Microsoft Onedrive, Dropbox oder PCloud freigeben. 

Amazons Alexa

Max ist nicht so der Romantiker. Mit der nostalgischen Postkarten kann er daher nicht viel anfangen. Für ihn muss es vor allem effizient gehen. Darum haben seine Großeltern jetzt Alexa Show in ihrer Wohnung stehen. Max kann ihnen so jederzeit vom PC aus die neuesten Bilder auf dem Gerät anzeigen lassen. Da das Gerät Sprachsteuerung hat, müssen sich die Großeltern nicht großartig mit der Bedienung auseinandersetzen. Ob sich alle Großeltern über das Gerät freuen ist jedoch die Frage. Manche haben vielleicht bedenken bezüglich des Datenschutzes, andere sind damit etwas überfordert. Max Oma hat Angst, was die Nachbarn von ihr denken könnten. Daher wird Alexa immer gut versteckt wenn Besuch kommen könnte.

Rentnerhandys und Appeinstellungen für Senioren

Meine Mutter ist absolut nicht digital. Seit sie mein altes Handy hat, hat sie es bereits geschafft die Gerätesprache auf Hindi (kein Witz) umzustellen und sämtliche Apps einmal auszuloggen oder komplett zu löschen. Dann haben ich das Handy seniorentauglich eingestellt. Inzwischen hat sie sich mit dem Smartphone angefreundet und wir telefonieren sogar regelmäßig mit Video über Whatsapp und sie sieht sich Bilder auf Instagram an. (Es ist übrigens mit über 60 ihr erstes Smartphone, sie hatte nie einen PC – daher sind wir sehr stolz auf sie)

Die wichtigsten Schritte, um ein Handy Rentner-tauglich zu machen und einem nicht digitalen Menschen den Umgang mit dem Smartphone zu erleichtern waren folgende: 

  • Zuerst habe ich die Schriftgröße in den Systemeinstellungen auf Maximum gestellt. Es ist so leichter zu lesen und das Display wird übersichtlicher, da weniger angezeigt wird. 
  • Alle Apps, die nicht benötigt werden, solltet ihr deinstallieren. 
  • Apps die sich nicht deinstallieren lassen solltet ihr vom Startbildschirm entfernen. Konzentriert Euch auf die Apps, die wirklich gebraucht werden. In meinem Fall haben wir uns gemeinsam für Whatsapp und Instagram entschieden. 
  • Alle anderen Apps wurden durch eine Kindersicherungs-App gesperrt, damit sie sie nicht doch einmal aus versehen aufrufen kann. 
  • Whatsapp hat ein Widget auf der Startseite bekommen. 
  • Dann gilt es noch die Privatsphäreeinstellungen in den Apps zu konfigurieren. Es geht darum zu verhindern, dass irgendwo aus versehen falsch geklickt werden kann. 
  • Konten sollten auf privat gestellt werden und Kontaktmöglichkeiten von außen beschränkt werden. 
  • Das kann auch bedeuten die Zahl der Kontakte auf dem Handy auszumisten (beispielsweise die vorinstallierten Hotelservicehotlines). 

Das so ausgemistete Handy, wirkt dann auch nicht mehr so gruselig und kann leichter bedient werden. Meine Mutter hat nun keine Angst mehr aus Versehen etwas falsch zu machen. Wer keine Hilfe zu hause hat, sollte sich überlegen eine Wartungsapp für den Fernzugriff auf dem Telefon zu installieren, falls doch mal etwas schief geht. Das habe ich allerdings noch nicht getestet. SIM-Karte hat das Telefon übrigens keine. 

Fazit zu den Alternativen

Ihr seht, es ist durchaus möglich auch mit der Verwandtschaft in Kontakt zu bleiben, die mit der neumodischen digitalen Welt nichts anfangen kann. Dabei sollte man sich danach richten, was dem Menschen, den man erreichen will am meisten liegt. Außerdem sind alle Optionen natürlich auch immer eine Preisfrage. Muss es ein Gerät für über hundert Euro sein, oder reicht ein Bild nicht eigentlich auch? Möchte man den Lieben etwas in die Hand geben? Möchte man die Lieben tagesaktuell mit Bildern versorgen? Möchte man viele Bilder schicken? Vielleicht freut man sich aber auch selbst, wenn man zurück kommt und da hängt eine Postkarte mit einem Bild von einem selbst an Omas Küchenschrank. 

Auf die internationale Post, muss man sich auf jeden Fall heute nicht mehr beschränken.