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Höhlendecke der Glowworm Cave

Die Welt ist groß und voller Wunder. Doch kaum ein Phänomen wirkt so mystisch auf uns wie die Biolumineszenz in all ihren Formen. Biolumineszenz nennt man die Fähigkeit lebender Wesen durch chemische Prozesse Licht zu erzeugen. Aus Deutschland kennt man vielleicht die Glühwürmchen, die im Frühsommer wie faszinierende kleine Elfen glimmend durch das Unterholz der Wälder schweben. Doch sie sind bei weitem nicht die einzigen Chemiker im Tier- und Pflanzenreich, die das Leuchten beherrschen.

Nachfolgend möchten wir Euch einige biolumineszente Lebewesen vorstellen und Euch verraten wo ihr weltweit die besten Chancen habt, Biolumineszenz live zu beobachten. Kommt mit uns auf Weltreise und lasst Euch verzaubern.

An einem Pier leuchtet das Meer durch die Biolumineszenz der  Dinoflagellaten blau
Meeresleuchten kann man nur mit hohem ISO und Langzeitbelichtungen gut fotografieren

Meeresleuchten und leuchtende Lagunen

Als Kind verfolgte ich gespannt die Geschichte von Jim Knopf und die Wilde 13, in der Jim Knopf das Meeresleuchten wieder einschalten musste. Auch Kapitän Nemo begegnete in dem Roman zwanzigtausend Meilen unter dem Meer dem Phänomen des mystisch glimmenden Wassers.

Doch auch wenn es phantastisch klingt, kann man dem Phänomen des leuchtenden Wassers durchaus in der echten Welt begegnen. Wellen laufen blass blau leuchtend an den Strand und bei jeder Berührung blitzt das Wasser jäh bläulich auf. Dieses Phänomen der Biolumineszenz im Meer heißt Meeresleuchten, Glistening waters oder milkey Sea im Englischen oder auch Blaue Tränen im asiatischen Raum.

Das leuchten des Wassers entsteht allerdings nicht durch einen großen Magneten am Meeresboden, sondern durch Plankton. Der Hauptverursacher sind Algen namens Dinoflagellaten. Diese reagieren auf Strömungsveränderungen mit einem grellen Leuchtblitz, um sich vor Fressfeinden zu schützen. In der Masse sehen die Blitze aus wie ein mattes blaues Glimmen oder Glitzern – vor allem, wenn man mit der Hand durchs Wasser fährt oder kleine Steinchen hinein wirft.

Wo kann man Meeresleuchten sehen?

Wann und wo Meeresleuchten auftritt, das hängt vor allem von der Temperatur und dem Wetter ab. Dinoflagellaten leben hauptsächlich im Meer, einige Arten aber auch in Süßwasser, oder sogar im Schlamm. Ihre Verbreitung geht von den Tropen bis hin zu den Polarregionen. Teilweise findet man sie sogar in Bergseen. Im Prinzip kann das Phänomen des blau leuchtenden Wassers daher überall auftreten.

Tatsächlich ist das Phänomen des Meeresleuchten auch in vielen Regionen der Welt sichtbar. Die häufigsten Beobachtungen von Meeresleuchten gibt es aber aus der Region um Indonesien und dem nordwestlichen indischen Ozean, Puerto Rico und den Malediven. Doch auch in Jamaika, den USA, Australien und vielen anderen Ländern sieht man mit etwas Glück Meeresleuchten. In seltenen Fällen wurde Meeresleuchten auch schon im Sommer in der Nordsee gesichtet. Dort ist der Organismus, der mit seinen Licht erst das Phänomen des leuchtenden Wassers erzeugt, allerdings wie in manchen anderen Regionen der Welt auch ein Warnsignal für zu viel Nitrat aus der Landwirtschaft im Wasser. Dann nämlich vermehren sich die kleinen Algen zu stark und es kommt zur giftigen Algenblüte.

Land Ort
Malediven (Juli - Februar) Mudhdoo; Vaadhoo; Rangali
Puerto Rico Puerto Mosquito
Kambodscha Koh Rong
Mexiko (Sommer) Isla Holbox
Vietnam Halong Bucht
Kolumbien Isla Múcura
Cayman Islands Rum Point (Grand Cayman)
Jamaika Glistening Waters (bei Falmouth)
USA (Juni- Oktober) Mission Bay (Kalifornien); Torrey Pines Beach (Kalifornien); Indian River Lagoon (Florida); Mosquito Lagoon (Florida); Cortez (Florida); Merritt Island (Florida); Manasquan Beach (New Jersey)
Indonesien Padang Bai (Bali)
Australien Gippsland Lakes; Cairns
Thailand Ton Sai (Krabi)
Belgien Seebrügge (Brügge)
Irland (Juli - August) Lough Hyne
UK (Sommer) Aberavon Beach (Port Talbot); Three Cliffs Bay (Swansea); Norfolk Coast
An einem Brückenpfeiler sieht man blaues Meeresleuchten in der Strömung
Meeresleuchten bei Falmouth, Jamaika

Leuchtende Meeresbewohner

Doch nicht nur Plankton leuchtet im Meer und nicht immer wenn es weltweit leuchtet sind Algen daran schuld. In Japan kommt beispielsweise der wenige Zentimeter kleine Leuchtkalmar, der normalerweise in der Tiefsee lebt, zur Paarung und Eiablage in die Toyama-Bucht. Dann funkelt das Wasser in der Nacht dort leuchtend blau.

Auch zahlreiche andere Tintenfischarten, wie der Vampirtintenfisch und die Wunderlampe, sind wahre Illuminationskünstler. Da die meisten von ihnen dauerhaft in der Tiefsee leben, ist die Wahrscheinlichkeit sie jemals zu sehen jedoch eher gering.

Neben den leuchtenden Kalmaren gibt es auch Leuchtgarnelen, verschiedene leuchtende Korallen und leuchtende Meeresschnecken.

Dabei ist leuchtendes Getier bei weitem nicht immer harmlos. Leuchtquallen beispielsweise zählen inzwischen als invasive Art, die in warmen Gewässern rund um den Globus anzutreffen ist. Auch sie können das Meer zum leuchten bringen und kommen teilweise bis in seichte Strandgewässer. Das Wasser sollte man dann unbedingt meiden, denn den Beinamen Feuerqualle tragen sie nicht grundlos. Ihr Nervengift führt zu schweren Hautirritationen.

Quallen leuchten rosa
Leuchtende Quallen sind schön, aber verfügen häufig über Nesselgift

Die berühmtesten leuchtenden Meeresbewohner sind jedoch wohl sogenannte Tiefsee-Anglerfische. Diese sind in allen Weltmeeren verbreitet, leben jedoch in Tiefen von 300-1000 Metern. Wer nicht gerade auf einem U-Boot anheuert, wird sie daher kaum lebend zu Gesicht bekommen. Die leuchtenden Angeln, die diese Fische vor dem Kopf herumwedeln, haben übrigens nur die Weibchen.

Ein weiterer leuchtender Fisch ist der Laternenfisch. Auch dieser lebt in Tiefen von über 300 Metern, steigt jedoch nachts auf bis zu 10 Meter Tiefe auf. Mit etwas Glück kann man ihn daher bei Nachttauchgängen, beispielsweise im Great Barrier Reef, sehen.

Wem das zu aufwändig ist, der hat auch inzwischen in einigen Zoos die Möglichkeit Leuchtfische zu sehen, wie beispielsweise im Zoo Basel.

Doch manchmal reicht auch schon ein Blick in den eigenen Kühlschrank. Dort fangen auch die heimischen Salzheringe gerne mal an im Dunkeln zu leuchten. Schuld daran sind jedoch nicht die Fische selbst, sondern ein Meeres-Bakterium mit dem sie in Symbiose leben. Die Bakterien sorgen dafür, dass die Fische im Mondlicht nicht so leicht von Fressfeinden zu finden sind. Die biolumineszenten Organismen machen ihren Job auch dann noch, wenn ihr Wirt bereits bei euch auf Eis liegt. Falls ihr das selbst einmal testen wollt, findet ihr hier die Anleitung für Hobby-Wissenschaftler , um euren Fisch optimal zum Leuchten zu bringen. 

Glühwürmchen fliegen leuchtend über einen Waldweg
Leuchtkäfer schweben durch den Wald

Leuchtende Lebewesen an Land

Biolumineszente Würmer hängen von der Decke einer Höhle in Neuseeland
Langhornmückenlarven hängen funkelnd von einer Höhlendecke in Neuseeland

Das Leuchten ist jedoch nicht nur den Wasserbewohnern vorbehalten. Auch zahlreiche Landlebewesen weltweit sind biolumineszent.

Das eingangs bereits genannte Glühwürmchen und seine Familie sind das beste Beispiel dafür. Es schwirrt nicht nur durch deutsche Wälder. Rund 2000 Arten von Leuchtkäfern gibt es weltweit. Manche Arten synchronisieren sogar ihr Leuchten, so dass der ganze Wald zu blinken scheint. Die besten Orte um Leuchtkäfer zu beobachten sind ganzjährig in Donsol auf den Philippinen, Kuala Selangor in Malaysia und saisonal Anfang Juni in den Great Smoky Mountains, in der Nähe von Elkmont Tennessee (USA) und im Congaree National Park in South Carolina (USA).

Aber nicht nur Leuchtkäfer biolumineszieren fröhlich in den Wäldern. Auch so mancher unter den Pilzen glüht fröhlich in der Dunkelheit. In deutschen Wäldern wächst beispielsweise der Pilz namens Honiggelber Hallimasch, der in der Nacht bisweilen grün vor sich hin schummert. Diese außergewöhnliche Eigenschaft brachte ihn sogar an Bord der ersten U-Boote. Seine Fähigkeit Licht zu erzeugen machte die Instrumente dort vor der Erfindung der Glühbirne erst nutzbar.

Doch auch wenn man den Wald verlässt, findet man so manchen biolumineszenten Zeitgenossen. In der Steppe des Emas Nationalpark in Brasilien leuchten nachts die Termiten, so dass die Termitenhügel wie kleine Wolkenkratzer erstrahlen.

In den Waitomo Glowworm Caves in Neuseeland hängen die Larven der Langhornmücke von der Decke einiger Höhlen. Was zunächst eher eklig klingt, entpuppt sich bei Dunkelheit als magisch leuchtender Sternenhimmel unter dem man mit einem Boot einen unterirdischen Fluss entlang fahren kann.

Noch eine Art von wurmartigen Tier, das jedoch am Boden glitzert, sind die Strandwürmer in Grouville, Jersey (UK).Sie lassen mit ihrem Licht bei einem nächtlichen Strandspaziergängen die Grenzen zwischen Erde und Sternenhimmel verschwinden.

Fazit – biolumineszente Tiere und Pflanzen sehen

Wer Biolumineszenz bei Tieren, Pflanzen, Pilzen und andere leuchtende Lebewesen sehen möchte, der muss nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Auch in Deutschland hat man bereits die Möglichkeit diesem Naturwunder beizuwohnen. Wen es jedoch in die Ferne zieht, der kann auf allen Kontinenten (außer der Antarktis) die verschiedensten wundersamen Formen der Biolumineszenz entdecken. Biolumineszenz gibt bei vielen sehr unterschiedlichen Spezies, die wenige Gemeinsamkeiten zu haben scheinen. Jeder dieser kleinen Chemiker ist absolut einzigartig, doch sie alle wirken mit ihrem Licht auf ihre Art absolut magisch.

Ihr habt noch mehr Interesse an Forschung zur Materie der Biolumineszenz? Dann schaut euch unbedingt die Arbeit des Forschers Dr Stefan Schramm von der Uni Jena an. Die Forschungen des Chemikers untersuchen welche außergewöhnlichen Prozesse und Verbindungen die Biolumineszenz bei Tieren weltweit erzeugt.

Ihr wisst noch ein weiteres phantastisches Beispiel für Biolumineszenz weltweit oder habt einen weiteren Tipp, wo man Arten von Biolumineszenz in der Natur live erleben kann? Dann schreibt uns einen Kommentar und erzählt uns von Eurem (fast) magischen Fund!